In Kulmbachs Wäldern Förster kämpfen gegen Borkenkäfer

Da es im vergangenen Jahr sehr heiß war, konnte sich der Borkenkäfer massenhaft vermehren. Waldbesitzer und Förster fürchten nun, dass auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Fichten von dem Insekt befallen werden. Bereits im Winter gehen sie auf Streifzüge, um befallene Bäume zu entdecken. Diese müssen bis spätestens Ende März gefällt werden, damit sich der Käfer nicht weiter ausbreitet. Foto: Roland Weihrauch/dpa

KULMBACH. Der Rekordsommer im vergangenen Jahr macht den Förstern in der Region immer noch zu schaffen. Viele junge Bäume sind vertrocknet, der Borkenkäfer ist wieder auf dem Vormarsch. Eine Gefahr für Fichten sind die beiden Arten Buchdrucker und Kupferstecher.

5,4 Milliarden Euro Schaden: Das vergangene Jahr war eines der heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. 500 Millionen Bäume haben Förster in Deutschland laut der „Schutzgemeinschaft Deutscher Wald“ im Frühjahr gepflanzt, doch wegen der Dürre haben nur wenige das Jahr überstanden.

Die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände beziffert die Schadenssumme für die Forstwirtschaft auf rund 5,4 Milliarden Euro. Auch die Waldbesitzer in der Region Kulmbach sind betroffen. „Welches Ausmaß die Hitze hatte und wie viele junge Pflanzen vertrocknet sind, wird sich jetzt erst zeigen“, sagt die Kulmbacher Stadtförsterin Carmen Hombach.

Zuwachsverluste: Welche Folgen die Hitze für die Bäume hat, kann man laut der Stadtförsterin gut an den Jahresringen beobachten. Ein Jahresring bei einer Fichte ist eigentlich zwischen drei und fünf Millimeter dick. Doch bedingt durch die Dürre schätzt Hombach, dass die Jahresringe für 2018 lediglich ein bis zwei Millimeter dick werden. Förster sprechen dabei von Zuwachsverlusten.

Kein Wasser: „Das Beste wäre es, wenn es von jetzt an bis Ende April durchregnet“, sagt Gerhard Lutz, Abteilungsleiter für den Bereich Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Das Problem: „Die Bäume hatten keine Möglichkeit, an Wasser zu kommen“, sagt Lutz. Die Regenmengen der vergangenen Monate sei zu wenig, wie der Abteilungsleiter sagt: „Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Grabe man mit einer Schaufel wenige Meter in den Boden, dann sehe man, dass nur etwa zehn Zentimeter der Erde feucht seien. „Und die Wurzeln wachsen deutlich tiefer“, sagt Lutz. Nur mit ausreichend Regen habe der Forst die Möglichkeit, sich von den Hitzeschäden zu erholen.

Suche nach Borkenkäfern: Im vergangenen Jahr hatte der Borkenkäfer durch die Trockenheit hervorragende Bedingungen, um sich zu vermehren, wie Lutz erklärt. „Die Fichten waren geschwächt, weshalb sich der Käfer massenhaft vermehrt hat“, sagt der Abteilungsleiter. Bereits jetzt im Winter kämpfen die Förster und Waldbesitzer gegen den Borkenkäfer. Ab Mitte Januar suchen sie in den Wäldern nach dem Käfer, der sich unter der Rinde eingebohrt hat. Meist verrät sich das Tier durch Bohrlöcher und braunes Bohrmehl, das am Fuße des Baumes liegt. Rinde die abfällt, und Nadeln, die auf den Boden rieseln, sind ebenfalls ein Hinweis auf den Borkenkäfer. „Aber wir können natürlich auch nicht jeden Borkenkäfer entdecken“, sagt Lutz.

Bäume fällen: Entdecken die Förster des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einen von Borkenkäfern befallenen Baum, informieren sie nicht nur den Waldbesitzer, sondern auch das Landratsamt. Entfernt der Besitzer den Baum nicht innerhalb weniger Wochen, wird dieser vom Forstamt gefällt. Der Waldbesitzer muss dafür nicht nur die Kosten übernehmen – ihm drohen sogar empfindliche Strafen. Denn die befallenen Bäume müssen bis spätestens Ende März aus dem Wald entfernt worden sein. Dann beginnt der Borkenkäfer nämlich damit, auszuschwärmen und sich in andere Bäume einzubohren. „Deshalb sind die Waldbesitzer jetzt gefordert, den Borkenkäfer zu entfernen“, sagt Lutz.

Urbanisierung des Waldes: Das Problem für das Forstamt ist, dass viele Waldbesitzer nicht mehr in der direkten Umgebung wohnen. Viele haben den Wald geerbt oder wohnen weit entfernt. „Das nennen wir die Urbanisierung des Waldes“, sagt Lutz. Trotz dieser Schwierigkeiten laufe die Zusammenarbeit mit den Waldbesitzern bei der Borkenkäferbekämpfung gut. Nur selten musste die Behörde bisher Zwangsgelder verhängen, weil die Waldbesitzer befallene Bäume nicht gefällt haben.

Das bestätigen auch die Zahlen von Erwin Burger, Sachgebietsleiter öffentliche Sicherheit am Landratsamt: Im vergangenen Jahren kamen zwei Waldbesitzer den Forderungen des Amtes nicht nach, weshalb die befallenen Bäume von Förstern der Behörde gefällt wurden. „Es ist ja auch im eigenen Interesse des Waldbesitzers, die Bäume zu beseitigen“, sagt Burger. Deshalb gebe es nur sehr wenige unkooperative Waldbesitzer.


Info: Der Borkenkäfer ist eine Insektenart, die sich durch die Rinde ihrer Wirtsbaumarten wie der Fichte bohrt. Dort legt er Brutgänge für seinen Nachwuchs an. Erstes Anzeichen für einen Borkenkäferbefall ist braunes Bohrmehl, das sich am Stammfuß, in Rindenschuppen, Spinnweben und auf der Bodenvegetation sammelt. Spätere Hinweise sind die Kronenverfärbung von unten nach oben oder der Nadelverlust der Krone im grünen Zustand.

Derzeit gibt es keine Möglichkeit, den Borkenkäfer mit Mikroorganismen wie Pilzen zu bekämpfen. Auch der Winter kann den Tieren nur wenig anhaben: Eier und junge Larvenstadien reagieren zwar empfindlich auf Temperaturen von minus 10 und minus 15 Grad Celsius über mehrere Tagen hinweg, ältere Larven, Puppen und Käfer überstehen jedoch auch längere Kälteperioden ohne große Verluste.

Steigen die Temperaturen auf über 16,5 Grad Celsius an, schwärmen Buchdrucker und Kupferstecher aus ihren Winterquartieren. Pro Jahr kann ein Borkenkäferweibchen mit drei Jungkäfergenerationen und zwei Geschwisterbruten mehr als 100.000 Nachkommen zeugen.

 

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