Im Kloster rattern wieder Nähmaschinen

In de Michelfelder Werkstätten für Behinderte rattern in der Textilgruppe wieder die Nähmaschinen. Foto: Klaus Trenz

Als Ende 2014 die Paramenten- und Fahnenstickerei von Regens Wagner als Betrieb im Betrieb aufgelöst wurde und im wesentlich kleinerem Umfang in die Michelfelder Werkstätten beziehungsweise Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM) integriert wurde, wusste noch niemand, wie sich das historische Handwerk dort entwickelt. Mittlerweile sind die Auftragsbücher wieder voll.

Bis Dezember, sagt Werkstattleiter Matthias Fiedler, ist man ausgebucht: „Die WfbM lässt einen historischen Arbeitsbereich nicht fallen.“ In einer Textilgruppe lebt das Handwerk weiter. „Damit“, so Fiedler, „retten wir auch das Wissen, das man sich über Jahrzehnte angeeignet hat.“

Manchmal ist eine Aushilfe nötig

Gruppenleiterin Sabine Küffner jedenfalls kann den drei Menschen mit Behinderung sowie einer Produktionshelferin genug Arbeit anbieten. Manchmal ist sogar eine Aushilfe nötig, um Aufträge termingerecht auszuführen. Die Bandbreite ist so groß, wie in der ehemaligen Fahnenstickerei. Die gehen von Stickereiarbeiten über das Renovieren von Fahnen und Standarten bis hin zu Neuanfertigungen und der Paramentenstickerei an Messgewändern oder Altardecken. Daneben werden einfache Näharbeiten durchgeführt.

Gelernter Damenschneider

Harald Schwemmer ist froh über diese Entwicklung. Der 31-jährige Mitarbeiter in der Textilgruppe ist gelernter Damenschneider und hätte etwas völlig Berufsfremdes machen müssen, wäre die Textilgruppe nicht eingeführt worden. „Ich wäre hingegangen, wo man mich gebraucht hätte, aber das wäre für mich nicht so gut gewesen, weil mir die Arbeit hier Spaß macht.“ Selbst wenn er die Arbeitsklamotten der WfbM-Mitarbeiter flicken muss und sich fragt, „was die da treiben“, ist er mit Konzentration bei der Arbeit. Hauptsache ist für ihn, in seinem Beruf weiterarbeiten zu können.

Silvia Schwalbach an der Nähmaschine

Ihm gegenüber sitzt Silvia Schwalbach an der Nähmaschine. Für die Rollstuhlfahrerin und Bewohnerin vom Haus Martin von Regens Wagner in Pegnitz ist Arbeit enorm wichtig. Sie ist zwar keine gelernte Schneiderin, war aber in der ehemaligen Fahnenstickerei mit Näharbeiten betraut. In der WfbM wurde sie zunächst einer Arbeitsgruppe zugeteilt, die Stifte zusammenbaute. Das hat der 54-Jährigen nicht besonders gefallen: „Ich war traurig, denn ich habe schon immer gerne an der Nähmaschine gearbeitet.“ Das kann sie jetzt wieder.

Küffner und Fiedler sind sehr zufrieden über die Entwicklung der Textilgruppe. Stammkunden sind zurückgekehrt und darüber hinaus hat man viele neue Kunden hinzugewonnen. „Für uns war die Einrichtung der Textilgruppe der richtige Schritt“, so Fiedler. Demnächst feiern die Michelfelder Werkstätten ihr 25-jähriges Bestehen. Dabei wird sicherlich auch die Textilgruppe ihre Arbeit präsentieren.

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