Helsa lässt nichts anbrennen

Die Firma Helsa will mit einem neuen Produkt neue Märkte erschließen. Und zwar mit schwer entflammbaren Textilien. Aber auch so legt der traditionsreiche Textilverarbeiter und Filterhersteller  ein stürmisches Wachstum hin. Deshalb ist man seit wenigen Monaten in Gefrees (wieder) mit einem zweiten Standort vertreten. Eine Rückkehr in bekannte Mauern.

"Helsa Protect(s)": In wenigen Tagen beginnt in Frankfurt die Fachmesse Techtextil. Dann will Helsa das neueste Erzeugnis aus seinen Versuchs- und Entwicklungslaboren vorstellen: "Helsa Protect(s)", ein vliesähnlicher Stoff, der schwer entflammbar ist. Wie er zum Beispiel verlangt wird von der Polstermöbelindustrie oder den Herstellern von Flugzeugsitzen. Erste Kunden gebe es schon, "wir haben höchst spannende Reaktionen im Markt", formuliert Rainer Ernst seine hohen Erwartungen an den Erfolg des neuen Produkts. Ernst ist Geschäftsführer von Helsatech und Helsacomp, die beiden Sparten für  technische Textilien und Filter.

Wachstum: Helsa hat 2016 insgesamt 43 Millionen Euro umgesetzt. Inzwischen mehr als die Hälfte davon, nämlich 23 Millionen Euro, kommt vom Bereich Technische Textilien und Filter. Der Umsatz in diesem Bereich hat sich in den vergangenen neun Jahren vedreifacht. Investiert wurden hier in den vergangenen sechs Jahre elf Millionen Euro. Jüngste Anschaffung: eine neue Extrusionsmaschine, Kostenpunkt: ein niedriger einstelliger Millionenbetrag. Hier werden Filter stranggepresst. Vereinfacht gesagt geht das so: Auf der einen Seite wandert eine knetartige schwarze Mischung aus  Keramik und Aktivkohle in die Maschine, wo sie durch ein Werkzeug gepresst wird. Auf der anderen Seite kommt eine Stange komplexer wabenförmiger Filter heraus, wie sie zum Beispiel als Geruchsfilter in der Küche zum Einsatz kommen.

Neue Mitarbeiter: Das Wachstum von Helsa schlägt sich auch in ständig steigenden Mitarbeiterzahlen nieder. Aktuell arbeiten für Helsa alleine in Gefrees 240 Menschen, 140 davon als Festangestellte im Bereich Filter und technische Textilien, das sind 20 mehr als vor einem halben Jahr. Hinzu kommen noch 50 Leiharbeiter. Der relativ hoch erscheinende Anteil an Leiharbeitern hängt nicht mit Ersparnisgründen zusammen (Ernst: "Leiharbeiter sind sogar etwas teurer als unser Stammpersonal") und auch weniger mit starken Schwankungen im Geschäft. Aus den Leiharbeitern will man künftige Festangestellte rekrutieren, die zum Unternehmen passen. Aber Helsa ist auch stets für Bewerber von außen offen. Vereinzelt haben auch schon ehemalige BATler den Weg nach Gefrees gefunden.

Mehr Platz: Vor einem halben Jahr lautete das Ziel 4000 Quadratmeter zusätzliche Produktionsfläche. Nun sind es 7500 geworden. Und damit ist Helsa auch in altbekannte Hallen zurückgekehrt. Nämlich in eine vor 25 Jahren für Helsa Automotive gebaute Immobilie, in der bis zu ihrem Umzug nach Himmelkron Mann + Hummel beheimatet war. Im Stammwerk an der Bayreuther Straße werden nun die "Medien" hergestellt, also die Rohstoffe und Materialkombinationen. In Sichtweite in der neuen Halle findet die "Konfektion" statt, also die Weiterverarbeitung zu den Endprodukten. Das neue, alte Werk liegt übrigens an der Helmut-Sandler-Straße, die nach dem Gründer von Helsa benannt ist. Vor genau 70 Jahren hatte Sandler die Grundlage für das heutige Unternehmen gelegt, in dem er mit einer alten Nähmaschine, die von seiner Großmuter stammte, das erste Schulterpolster entwickelte, das dauerhaft seine Facon bewahrt. Bis heute ist Helsa Weltmarktführer für Schulterpolster. Die denkwürdige Nähmaschine steht heute im Eingangsbereich von Helsa unter einem Ölgemälde des Firmenpatriarchen.

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