Hängepartie Knoblich stellt sich in Erfurt zur Wahl

Tobias Knoblich stellt sich in Erfurt zur Wahl. Foto: Urban

BAYREUTH/ERFURT. Die Hängepartie für Bayreuth geht weiter: Der designierte berufsmäßige Stadtrat und Kulturreferent Tobias Knoblich hat am Mittwoch mit Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe telefoniert. Das Ergebnis des Telefonats ist zweischneidig. Allerdings will er sich auf jeden Fall in Erfurt zur Wahl stellen. Eine Aussage, die die Lokalpolitik ratlos zurücklässt.

Die Antwort von Brigitte Merk-Erbe fällt knapp aus: Sie bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung, dass sie am Nachmittag ein Telefonat mit Tobias Knoblich geführt habe. Das Ergebnis: "Knoblich teilte mir mit, dass er sich nunmehr entschieden hat, sich der Wahl in Erfurt zu stellen, er aber dennoch einen bereits vor längerer Zeit vereinbarten Termin zur Übergabe der Urkunde in Bayreuth wahrnehmen will." Diese Urkunde muss die Ernennungsurkunde sein, die Knoblich zum Kulturreferenten in Bayreuth machen würde. Dazu wurde er vom Stadtrat aus 130 Bewerbern ausgewählt.

Treffen mit den Fraktionsvorsitzenden

Merk-Erbe schreibt, sie habe im Anschluss an das Telefonat die Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat informiert und "zugleich zu einer Besprechung über die weitere Vorgehensweise in der kommenden Woche eingeladen". Nach Informationen unserer Zeitung soll der Termin am kommenden Montag stattfinden.

"Verfahrene Situation"

Die Fraktionsvorsitzenden, die gestern Abend für den Kurier erreichbar waren und die mehrheitlich im Gespräch mit dem Kurier am Dienstag eine klare Positionierung Knoblichs gefordert hatten, sind überrascht von dem Ergebnis des Gesprächs. Stefan Specht, der Fraktionsvorsitzende der CSU, sagt auf Anfrage unserer Zeitung am Mittwochabend, Knoblich habe sich "zumindest jetzt einmal klar erklärt. Er will es probieren, hier wie dort. Das ist schon mal eine Aussage. Wie er allerdings in Bayreuth reüssieren will, wenn er in Erfurt verlieren sollte, ist fraglich". Unterm Strich komme man sich als Bayreuther Stadtrat durchaus verschaukelt vor, sagt Specht. Specht spricht von einer "total verfahrenen Situation", die man auch juristisch erst einmal prüfen lassen müsse. Und: "Man kann eigentlich für Bayreuth nur hoffen, dass er in Erfurt Erfolg hat."

Bauske pocht auf Prüfung

Thomas Bauske, der SPD-Fraktionsvorsitzende, findet die Entscheidung Knoblichs "unmöglich", wie er am Abend sagt. "Es entsteht genau das Problem, das wir nicht haben wollten. Nämlich, dass er Bayreuth als Notnagel sieht." Er hoffe, sagt Bauske, dass die Oberbürgermeisterin das Rechtsamt beauftrage, um zu prüfen, dass man das verhindern könne. "Ich hatte mir gewünscht, dass er Bayreuth als großes Projekt sieht, wo er sich verwirklichen kann." Die Frage, ob Knoblich mit der Vorgeschichte noch tragbar wäre für den Posten des Kulturreferenten in Bayreuth, beantwortet Bauske so: "Ich denke, dass er zumindest einen schweren Stand haben würde."

"Kein guter Einstieg"

Genauso sieht das Stefan Schuh, der Fraktionsvorsitzende des Jungen Bayreuth: "Das wäre kein guter Einstieg. Weder bei den Kulturschaffenden in Bayreuth, noch bei der Stadt." Es wäre, sagt Schuh, wünschenswert gewesen, dass Knoblich sich mit allen Konsequenzen für die eine oder andere Stadt entschieden hätte. "Spannend - was soll man dazu sagen? In erster Linie schadet er damit sich selbst."

Neustart belastet

Thomas Hacker, Fraktionsvorsitzender der FDP, sagt: „Es ist gut, dass er sich erklärt hat und bedauerlich, dass er kein klares Signal gesetzt hat.“ So werde deutlich, dass Bayreuth für Knoblich nur die zweitbeste Wahl war. Hacker sieht den Neustart im Kulturreferat schon jetzt belastet.

"Krise ist selbstverschuldet"

Sabine Steininger, Fraktionsvorsitzende der Grünen, zeigt Verständnis für Knoblichs Entscheidung. Schließlich habe man durch den jüngst verabschiedeten Kulturentwicklungsplan den Referenten vor vollendete Tatschen gestellt. „Unsere Krise ist selbst verschuldet“, betont Steininger. Gleichwohl würde sie es sehr bedauern, sollte Knoblich die Dezernentenstelle in Erfurt tatsächlich antreten.

Arbeit in Erfurt sehr anerkannt

BG-Fraktionsvorsitzender Stephan Müller teilt mit: „Die Bemühungen der Stadt Erfurt zeigen, dass Tobias Knoblich und seine Arbeit dort sehr anerkannt sind. Wir müssen uns mit der Thematik professionell und gelassen auseinandersetzen. Natürlich ist es keine schöne Situation, wenn im Moment ungewiss ist, wie das Rennen im Tobias Knoblich ausgeht.“

 

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