Fassade soll im Frühjahr fertig sein Festspielhaus: Durchgetaktete Baustelle

Detlef Stephan ist sich sicher. Die Bayreuther Festspiele 2016 finden nicht auf einer Baustelle statt, sagt der Architekt aus Köln. Ohne Gerüst an der Fassade. Und ohne die Planen der vergangenen Jahre, die die Illusion eines unversehrten Festspielhauses vorgaukelten. „Wir fangen nichts an, was wir nicht rechtzeitig zu Ende kriegen.“ Zu den nächsten Festspielen hat das Haus eine erneuerte Fassade. Die dicken Brocken kommen danach. Und ob das Geld reicht, weiß derzeit niemand.

Im knallgelben Bauarbeitermantel steht Stephan oben auf dem Gerüst an der Südfassade des Festspielhauses. 18 Arbeiter geben den Takt vor. Sie waschen Sandsteine, die noch zu retten sind. Sie bessern Abplatzungen aus. Und sie schlagen schadhafte Ziegel heraus. 4500 Steine haben sie in den vergangenen Wochen aus dem Mauerwerk genommen. Aus einem Flickenteppich. Handgefertigte Ziegelsteine sind dabei, maschinell gemachte aus alten und auch aus neueren Zeiten. Die Folge vieler Ausbesserungen. Das Material passt nicht immer zusammen und die Fugen passen nicht immer zum Material. Das hat das Haus mürbe gemacht. 2,5 Millionen Euro soll die Sanierung der Südfassade kosten. Der Schokoladenseite des Festspielhauses mit dem Königsbau. Dort, wo zur Premiere der rote Teppich ausgerollt wird.

Architekt: "Wir müssen die Intensität steigern"

Stephan sagt, er hat sich Zeit genommen. Zeit, alle Schäden am und im Haus aufzunehmen. Und Zeit zum Planen. Woche für Woche ist durchgetaktet. Er weiß: Bis März hat er Zeit, dann muss das Gerüst weg. Dann muss die Baustelle Pause machen. Denn dann beginnen die Vorbereitungen für die nächste Festspielsaison. „Wir schaffen das“, sagt der Architekt. „Auch wenn es zackig ist. Auch wenn wir die Intensität steigern müssen.“

 

 

 

Das Festspielhaus wird verhüllt

Wie das aussieht, wenn die Intensität steigt, werden die Bayreuther schon in der nächsten Woche zu sehen bekommen. Dann wird das Festspielhaus mit einer Bauplane verhüllt– manchen erinnert das an Christo und den Reichstag. In Bayreuth ist es keine Kunst, es ist schlichte Notwendigkeit. Unter der Plane soll es mindestens fünf Grad warm sein, auch im strengsten Winter. Denn nur dann können die Arbeiter mörteln. Weiterarbeiten. Weil die Zeit drängt. Architekt Stephan hat eine Ziegelei in Brandenburg aufgetan, die handgemachte Ziegel brennt, die zur Festspielhaus-Fassade passen. In Blumentopf-Rot, wie der Architekt sagt. Und er hat zwei Steinbrüche gefunden, einen in Tschechien und einen in Polen. Dort gibt es Sandstein, der passt. Der die herausgenommenen, versalzenen Teile der Fassade ersetzt. Alles ist bestellt, geliefert wird Anfang Dezember.

 

 

 

1750 Seiten voller Mängel

Drei Bücher haben Stephan und seine Leuten vollgeschrieben. 1750 Seiten, auf denen alle Mängel des Festspielhauses aufgelistet sind. Längst nicht nur die an der Südfassade und den Außenmauern an den Gebäudeseiten, die bis Frühjahr 2016 gemacht sein sollen. Die größeren Aufgaben warten drinnen. Und die werden angepackt, wenn die Festspiele im nächsten Jahr vorbei sind.

Ein tiefer Eingriff in das Innenleben

„Wir werden an die Grundrisse ran müssen“, sagt Stephan. Weil es die Technik erfordert. Elektroinstallationen und EDV-Leitungen müssen nahezu komplett erneuert werden. Weil sie in die Jahre gekommen sind, weil immer mal wieder etwas dazu kam. Weil so ein funktionierendes, aber eben doch ein Provisorium entstand. Und weil all das den aktuellen Bauvorschriften nicht mehr entspricht. Das wird ein Spagat. Ein Eingriff, denn die Abläufe im Festspielhaus funktionieren. Und sie hängen von Räumen ab.

Die Akustik darf nicht leiden

Barrierefreiheit wird ein ebenso großes Thema. Das Haus ist voller Treppen. Voller Hindernisse für Menschen mit Handicap. Und man kann nicht einfach Sitzplätze im Zuschauerraum herausnehmen. Das würde die Akustik verändern. Das, was das Festspielhaus so einmalig macht. Sieben oder acht Jahre soll es dauern, bis das Festspielhaus komplett runderneuert ist. „Und dann für die nächsten 30 Jahre halten wird“, sagt Stephan. Übrigens: Was da alles zu machen ist, mag erschreckend klingen. Für ihn ist das nicht. „Gemessen an seinem Alter ist das Haus in einem guten Zustand“, sagt der Architekt. „Man merkt, dass es funktionieren musste. Dass es gepflegt wurde, wenn auch nicht immer mit den Mitteln, die wir heute als sachgerecht empfinden.“

30 Millionen: "Eine Größenordnung"

Dass man mit den 2,5 Millionen Euro für die Fassadensanierung hinkommen wird, das steht für Heinz-Dieter Sense außer Frage. Insgesamt sind 30 Millionen Euro für die Sanierung und Modernisierung des Festspielhauses vorgesehen. Ob das reichen wird? Sense nennt die Summe „eine Größenordnung. Genau wissen wir das im nächsten Frühjahr.“ Bis dahin soll feststehen, wie tief der Eingriff im Inneren sein muss. Die Gesamtkosten tragen der Bund und das Land mit jeweils zehn Millionen Euro, sowie die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth mit 3,3 Millionen Euro. Den Rest teilen sich Stadt, Regierung von Oberfranken und die Oberfrankenstiftung.

Was niemand laut sagen möchte: Die 30 Millionen Euro sind nicht wirklich kalkuliert. Sie sind eine Schätzung anhand von Erfahrungswerten. Eine Summe, die notwendig war, um die Finanzierung hinzukriegen und mit dem Bau beginnen zu können. Gut möglich also, dass es teurer wird.

Was sonst noch ansteht auf dem Grünen Hügel

Gut möglich auch, dass das Festspielhaus nicht die einzige Baustelle oben auf dem Grünen Hügel bleiben wird. Unten im Rathaus geht man davon aus, dass die Festspiele Platz brauchen werden. In all den Jahrzehnten sind Nebengebäude hinzugekommen, sagt Sense. Hier ein Probenraum, dort ein Lagerraum. „Unorthodox“ nennt der kaufmännische Geschäftsführer das. „Das muss überdacht werden.“ Auch aus handfesten wirtschaftlichen Gründen. Die Lohnkosten werden steigen, sagt Sense. Also müssen die Festspiele effizienter werden. „Vielleicht wäre ein solches Projekt was Schönes für einen Architektenwettbewerb.“

Info: Das Festspielhaus wurde in den Jahren 1872 bis 1875 nach Entwürfen von Richard Wagner errichtet.

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