Fahrpreiserhöhung Taxi-Fahren soll bezahlbar bleiben

Die Taxi-Preise steigen zum 15. Dezember in Bayreuth. Allerdings werden vor allem kurze Fahrten leicht teurer.Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Die Taxi-Preise steigen. Zum ersten Mal seit vier Jahren. Und sie steigen nicht so stark an, wie sie hätten steigen können. Einige Bayreuther Taxi-Unternehmer hatte sich dafür ausgesprochen, die Preissteigerung moderat ausfallen zu lassen. So hat es der Stadtrat im Oktober beschlossen. Ab 15. Dezember gilt der neue Tarif, bei dem vor allem die ganz kurzen Fahrten spürbar teurer werden.

Die Entscheidung war knapp. Nicht nur die Mehrheit im Haupt- und Finanzausschuss. Auch die Taxi-Unternehmer waren in der Minderheit. Doch die hat sich durchgesetzt. Der Grund: "Taxi-Fahren muss bezahlbar bleiben", sagen Fred Greiner, der Vorsitzende der Taxi-Union Bayreuth, und Rudolf Schröder, der seit 1984 - dem Gründungsjahr der Taxi-Union - Taxi fährt und für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, in einem Gespräch mit dem Kurier. "Das sehen wir alle so", sagt Greiner. "Die Erhöhung im Jahr 2014 machte einen Sprung um 25 bis 26 Prozent aus, was ungewöhnlich hoch war", sagt Schröder. "Das wollten wir diesmal nicht mitgehen."

Die Kurzstrecke wird teurer

Deshalb werden ab dem 15. Dezember vor allem Taxi-Fahrten auf den kurzen Strecken teurer. Schröder und Greiner rechnen vor: Eine Fahrt über einen Kilometer werde künftig 6,20 Euro statt bislang 5,70 Euro kosten, wer eine Distanz von zwei Kilometern zurücklege, zahle 8,50 statt 7,90 Euro. Fünf Kilometer Taxi-Fahrt kosteten jedoch unverändert 14,50 Euro. Die Fahrt in der Nacht von der Kneipe nach Hause werde mit sechs Personen bei drei Kilometern Strecke 40 Cent teurer und koste dann 16,50 Euro. Die normale Nachtfahrt liegt bei 11,50 Euro. Der Kilometerpreis von 1,70 Euro ab einer Fahrtstrecke von neun Kilometern bleibe ebenso unverändert wie der Zeitpreis von 30 Euro je Stunde und beispielsweise der Nachtzuschlag von einem Euro ab 21 Uhr.

Verpflichtend für alle

"Der Tarif ist verpflichtend für alle Taxi-Unternehmer", sagt Schröder. Und gilt für alle Fahrten, "deren Ausgangs- und Zielpunkt im Stadtgebiet liegt". Wie Schröder weiter sagt, habe "die Mehrheit der Einzelunternehmer erst gar keine Erhöhung des Tarifs haben wollen". 17 Taxi-Unternehmen gibt es in Bayreuth, 40 Taxen sind im Stadtgebiet unterwegs. Elf der 17 Unternehmen sind Mitglied der Taxi-Union.

Großunternehmer unglücklich mit Entscheidung

Einer, der mit der beschlossenen Erhöhung des Taxi-Tarifs in der Form gar nicht glücklich ist, ist der Taxi-Unternehmer Alexander Kroter. 20 Taxen laufen in Bayreuth für sein Unternehmen. Er sagt am Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung: "Mit dem Tarif kommen wir nicht klar. Aber wir können nichts dagegen machen, nachdem das so beschlossen wurde."

Damit sei die Arbeit im Vorfeld, seien zwei Versammlungen und mehrere Gespräche mit der Stadt sowie mit der Regierung durch den Beschluss des Stadtratsgremiums "geändert worden", wie Kroter sagt. Einem Einzelunternehmer, der selbst hinterm Steuer seines Taxis säße oder der eine Aushilfe habe, sei es mehr oder weniger "egal, ob der Tarif um zehn Prozent steigt oder nicht", sagt Kroter. "Ich habe über 50 Mann in meinen beiden Betrieben beschäftigt. Da muss ich schauen, dass ich zurecht komme."

Mindestlohn sorgte für die letzte Erhöhung

Der Anlass für die letzte Tariferhöhung sei die Einführung des Mindestlohns gewesen. Der steige nicht nur im kommenden Jahr, sondern auch im Jahr darauf wieder an. Mit der Erhöhung, die vor der beschlossenen moderateren Preissteigerung im Rennen gewesen sei, "wären wir die nächsten zwei bis drei Jahre klar gekommen", sagt Kroter. Was jedoch auch Greiner und Schröder von der Taxi-Union sinnvoll fänden, wäre "eine jährliche Erhöhung um den Preissteigerungsindex der Lebenshaltungskosten", wie sie auf Nachfrage sagen. Jedes Jahr zwei bis drei Prozent Plus bei den Taxi-Tarifen könne helfen und würde die Diskussionen beenden. "Schließlich steigen jedes Jahr die Spritkosten wie der Mindestlohn an", sagt Greiner. "Das ließe sich auch wirklich leichter begründen."

Umstellung kostet pro Taxi 40 Euro

Die Kosten für die Umstellung auf einen neuen Tarif treffen alle Taxi-Fahrer gleich, doch auch hier ist Kroter mit seinen Fahrzeugen stärker belastet, wie er sagt: "Das sind Kosten von 2000 bis 3000 Euro." Pro Taxi koste die Umstellung etwa 40 Euro, sagt Schröder. Dazu komme die vorgeschriebene Eichung des Taxameters, die mit 76,80 Euro zu Buche schlage, aber nach dem Wegfall des Bayreuther Eichamts jetzt in Hof oder Bamberg gemacht werden müsse.

Hofer Preise liegen über denen in Bayreuth

Angezogen mit den Taxi-Preisen hat man auch in Hof, wie der Pressesprecher Rainer Krauß auf Anfrage sagt: Zum 1. Dezember habe man „nach drei bis vier Jahren jetzt um sechs Prozent erhöht, weil ein entsprechender Bedarf angemeldet wurde“. Der Grundpreis liege bei 4,20 Euro (Bayreuth: 3,90 Euro), bis drei Kilometer kostet der Kilometer 2,50 Euro (2,30 Euro). Ab zehn Kilometer sind es 1,50 Euro (1,70 Euro).

Antrag: Sonderzuschlag abschaffen

Die Diskussion über die Taxi-Tarife im Oktober habe ein Problem zutage gebracht, dem der DU-Stadtrat Wolfgang Gruber mit einem Antrag begegnen will: Gruber fordert die Stadt auf, den Sonderzuschlag für die Beförderung von Rollstuhlfahrern abzuschaffen und stattdessen den rollstuhlgerechten Umbau von Taxen mit 10.000 Euro zu fördern, geknüpft an die Bedingung, dass die Taxen drei Jahre mindestens im Betrieb seien.

Gruber schreibt in dem Antrag, der bisherige Zuschlag betrage fünf Euro, soll jetzt auf zehn Euro, "später sogar auf 15 Euro angehoben werden". Da aber "nicht jede Fahrt auch eine Krankenfahrt ist und damit eine Kostendeckung durch Krankenkassen nur manchmal gewährleistet ist", habe die Stadt zwar den "begrüßenswerten Vorschlag gemacht", ein Sonderbudget einzuführen, dessen Höhe noch vage sei. Die Bürger müssten wohl ein Antragsverfahren durchlaufen, um in den Genuss des Zuschusses zu kommen. Es würde aber ausgerechnet eine Gruppe benachteiligt, die ohnehin durch Krankheit, körperlicher Gebrechen oder aus Altersgründen "eine der schwächeren Gruppen in unserer Gesellschaft darstellen".

Gruber denkt in eine andere Richtung: Rund 8000 Euro (plus Mehrwertsteuer) koste der Umbau eines VW Caddy mit einer Rollstuhlrampe, der im Taxi-Einsatz wohl im Schnitt "mindestens fünf Mal pro Tag mit Zuschlagsberechtigung genutzt" werde. Mache bei fünf Euro zuschlag 27.375 Euro, bei zehn Euro 54.750 Euro bei einer Laufzeit von drei Jahren. "Aufgrund dieser Kalkulation kann behauptet werden, dass ein Sonderzuschlag für Rollstuhlzurichtung in bisheriger Form ein nicht angemessenes Gewinnmodell darstellt", schreibt Gruber. Deshalb solle die Stadt den Sonderzuschlag abschaffen und lieber 10.000 Euro pro Taxi, derzeit gebe es neun behindertengerechte Taxen, als Umbaubeitrag zur Verfügung stellen. "Ein solches Verfahren würde die betroffenen Bürger finanziell entlasten und sie wesentlich mobiler machen." Die Stadt spare sich im Gegenzug ein "aufwendiges Antragsverfahren". Und der Einbau von Rollstuhlrampen wäre für Taxi-Unternehmen attraktiv.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading