Erst am Ende richtig stark Jazz mit der Sängerin Lyambiko im Becher-Saal

Lyambiko auf Love-Letter-Tour im Becher-Saal. Mit ihrem Trio interpretiert die Sängerin Standards und stellt eigene, einfühlsame Stücke vor. Foto: Udo Bartsch

BAYREUTH. So richtig gut ist Lyambiko erst kurz vor dem Ende ihres Auftritts. Nach mehr als einer Stunde mit gefälligen Standards und romantischen Titeln aus dem aktuellen Love-Letters-Programm entfaltet sie Charisma. Die Erkältung, die sie bis dahin gebremst hat, klingt offenbar ab. Dann singt Lyambiko eindringlich wie Billie Holiday und mit einem Timbre wie Sarah Vaughan. Beseelt wie einst Nina Simone, bringt die inzwischen 40-Jährige ihre Botschaften rüber.

Sie hat einen kometenhaften Aufstieg hinter sich. Seit 2001 tritt sie im gleichnamigen Quartett in Deutschland, wenig später auch in den europäischen Nachbarländern und den USA auf. Als „Sängerin des Jahres“ gewann Lyambiko 2011 mit dem Titel „Something Like Reality“ den deutschen Musikpreis Echo Jazz. Bei alldem ist Lyambiko sie selbst geblieben: unprätentiös natürlich, ihre Stimme mit fein dosiertem Timbre stets vital, zuweilen energisch und temperamentvoll. Sie kann schmachten, wohldosiert schwärmen und schimpfen.

Spagat zwischen Huldigung und zeitgemäßer Interpretation

Lyambiko ist mehr als Gesang. Hinter dem Namen steht auch ein musikalisches Konzept. Und das besteht aus dem Bassisten Robin Draganic, dem Pianisten Marque Lowenthal und dem Schlagzeuger Heinrich Koebberling. Das Können der Musiker zeigt sich bei Stücken wie Draganics „Summer Morning“ oder dem Reggae „Things Are Looking up Again“ aus Lowenthals Feder. Bei den Standards gelingt ihnen der Spagat zwischen Huldigung und zeitgemäßer Interpretation. Eben das ergibt Arrangements mit fliegender Leichtigkeit, frei von süßem Schwulst. Dennoch bleiben die mit Hingabe vorgetragenen eigenen Stücke die stärksten an diesem Abend.

Es gibt gewiss Jazzsängerinnen, die ausdrucksstärker singen als Lyambiko. Doch nur wenige gestalten ihre Auftritte so facettenreich. Dass sich Lyambiko und ihr Trio auf ausgetretenen Pfaden bewegen, schadet eigentlich nicht. Ein spannendes Konzert mit einer Band, für die Spielfreude wohl zur Grundhaltung gehört.

Info: Nächster Jazz-Termin am Freitag, 18. Januar, 20 Uhr: Denis-Gäbel-Quartett, Steingraeber-Manufaktur.

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading