Einzelhandel Gute Konjunktur deckt Probleme zu

Dem Einzelhandel auf der Spur: Wolfgang Bauer und Christian König. Foto: Stefan Schreibelmayer

BAYREUTH. Die Stimmung im Einzelhandel in der Region ist gut, hat eine Umfrage im Auftrag der Commerzbank ergeben. Allerdings gibt es große Herausforderungen wie den Fachkräftemangel, die weiter zunehmende Konkurrenz durch das Internet sowie die Nachfolgefrage. Nicht jeder nimmt diese offenbar ernst genug.

Bundesweit 3500 Einzelhandelsunternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 15 Millionen Euro hat das Meinungsforschungsinstitut Ipsos für die Studie befragt, gut 100 davon in der Metropolregion Nürnberg. In einem sind die Zahlen deckungsgleich: Sowohl bundesweit als auch in der Region beurteilen 45 Prozent der Befragten die Entwicklung der Branche als sehr gut und 35 Prozent als stabil. Für die Zukunft sind die Händler in der Region sogar etwas optimistischer als im Bundesschnitt: 79 Prozent (Bund: 75 Prozent) erwarten eine positive oder zumindest stabile Entwicklung. Auch daran dürfte es liegen, dass derzeit nur 22 Prozent der Investitionen über Bankkredite finanziert werden.

Fachkräftemangel als ernsthaftes Problem

Eitel Sonnenschein also? Höchstens im Moment, sagte Christian König, Leiter des Bereichs Unternehmerkunden bei der Commerzbank Bayreuth/Hof, bei der Präsentation der Studie. Denn für die Zukunft sehen 71 Prozent der Händler in der Region den Fachkräftemangel als ernsthaftes Problem. „Das ist schon besorgniserregend“, sagt König. Zumal die Quote bundesweit bei „nur“ 57 Prozent liegt.

Interessant ist, dass exakt die Hälfte der Befragten die zunehmende Konkurrenz durch den Onlinehandel als Herausforderung angeben. Wolfgang Bauer, Leiter Privat- und Unternehmerkunden der Niederlassung Bayreuth/Hof, hält das für zu niedrig. Das heiße ja auch, dass jeder Zweite die Problematik unterschätzt. „Momentan spielen die gute Konjunktur und die niedrigen Zinsen auch dem Einzelhandel in die Karten. Doch wenn der nächste Abschwung dann doch irgendwann mal kommt, wird sich die Lage sehr schnell verschärfen.“

Stationär und online

37 Prozent der Händler fahren mittlerweile mehrgleisig, verkaufen ihre Waren also stationär und online. „Hier liegt die Chance des regionalen Handels“, ist Bauer sicher. Wobei König hier in seiner täglichen Praxis auf große Unterschiede stößt: „Da gibt es hochprofessionelle Seiten, die sich nicht hinter Amazon und Co. verstecken müssen. Und es gibt Seiten, die sind einfach uralt.“ Immerhin: Bei 51 Prozent derjenigen, die beide Kanäle anbieten, kann man im Laden bestellen und sich die Ware dann liefern lassen. Bei 43 Prozent lässt sich die Ware nach einer Online-Bestellung im Laden abholen. Hier sei Flexibilität gefragt, um die Kundenwünsche abdecken zu können.

Beim Thema kontaktloses Bezahlen scheint es damit noch nicht so weit her zu sein. Jedenfalls sagten 68 Prozent der regionalen Händler, dass sie diesen Service nicht anbieten und das auch nicht geplant haben. 71 Prozent der Bezahlvorgänge werden bar oder per Überweisung getätigt.

Nachfolgefrage

Ein Problem, das es laut König und Bauer beileibe nicht nur im Einzelhandel gibt, ist die Nachfolgefrage. So gab jeder achte Händler an, sein Geschäft in den kommenden fünf Jahren in andere Hände geben zu wollen oder zu müssen. Bauer glaubt, dass diese Zahl eigentlich noch höher sein müsste, „weil sich viele Inhaber mit dem Thema nicht oder nur ungern beschäftigen“. Wenn doch, dann wird vor allem in der Familie (67 Prozent) oder auf persönliche Empfehlung (50 Prozent) gesucht, während diese Zahlen bundesweit nur halb so hoch sind. Das zeigt laut König, „dass es in unserer Region noch eher bodenständig und familiär zugeht“. Doch gibt Bauer zu bedenken, dass so die Basis für die Suche unnötig eingeschränkt werde. Bedenklich findet er auch, dass bei der Nachfolgeplanung nur 30 Prozent eine Beratung ihrer Bank bei der Berechnung des Unternehmenswerts und nur 27 Prozent Hilfe in rechtlichen und steuerlichen Fragen wünschen. „Dabei sind hier zum Teil höchst komplizierte Sachverhalte zu klären“, so Bauer.

Umstrukturiert

Die Niederlassung Bayreuth/Hof hat im Zuge einer internen Umstrukturierung der Commerzbank neue Kompetenzen bekommen. So kümmert sich der Bereich Unternehmerkunden jetzt um Firmen bis 15 Millionen Euro Umsatz und damit laut Niederlassungsleiter Wolfgang Bauer um 98 Prozent aller Unternehmen. Der Bereich wurde um vier auf 18 Mitarbeiter aufgestockt. Insgesamt arbeiten für die Niederlassung rund 150 Beschäftigte.

 

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