E-Commerce Fit für die technische Seite im Handel

Die Zusammenarbeit läuft über die Sprachbarrieren hinweg, wenn die E-Commerce-Kaufleute Internet-Shops erstellen. Foto: red

BAYREUTH. Alle reden von der Digitalisierung. Viele kaufen neben dem stationären Handel im Internet ein. Deshalb müssen auch die kommenden Groß- und Einzelhandelskaufleute fit sein für die virtuelle Welt des Handels. Das hat man schon sehr frühzeitig an der Kaufmännischen Berufsschule in Bayreuth erkannt. Als eine der ersten Schulen überhaupt. Die Schule bietet deshalb eine Zusatzqualifikation im Bereich „E-Commerce“ an.

Schon vor rund sechs Jahren war klar: „Der Onlinehandel ist auf dem Vormarsch. Deshalb haben wir ein erstes Projekt gestartet, weil wir der Ansicht waren, dass es doch nicht sein kann, dass dieses Thema nicht bei uns im Lehrplan vorkommt“, sagt der Berufsschullehrer Martin Kolb, der nicht nur an der Entwicklung des Projekts in Bayreuth von Anfang an beteiligt war, sondern der jetzt auch zum Projektkoordinator beim bayerischen Kultusministerium berufen worden ist. Um die Einzel- und Großhandelskaufleute besser auf die Zukunft vorzubereiten, wurde die Zusatzqualifikation E-Commerce aus der Taufe gehoben.

„Die Entwicklung dieser Zusatzqualifikation war auch Gegenstand einer strategischen Partnerschaft mit zwei europäischen Berufsschulen, einer in Tschechien und einer in Italien. Partnerschaften dieser Art unterliegen im Rahmen des Förderprogramms Erasmus plus sehr strengen Auswahlkriterien“, sagt Bernhard Grünewald, der Direktor der Schule. Als die Berufsschule vor zwei Jahren den entsprechenden Antrag stellte, „wurden Projekte dieser Art nur an zwei Berufsschulen deutschlandweit genehmigt“.

Hoffnung zerschlagen

Das läuft seit rund zwei Jahren. Erfolgreich, wie Grünewald und Kolb sagen. Dennoch hat sich jetzt eine Hoffnung zerschlagen: „Wir hatten gehofft, dass die Ausbildung des Kaufmanns im E-Commerce zu uns kommt. Den Zuschlag aber hat Lichtenfels bekommen“, sagt Grünewald. „Eine Entscheidung, um den ländlichen Raum zu stärken.“

Und wohl auch der Tatsache geschuldet, dass große Handelsunternehmen wie der Baur-Versand ihren Standort in dieser Region haben. Für den Schulleiter allerdings kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: „In Lichtenfels wird nur die Ausbildung im Blockunterricht angeboten. Die Schüler aus Bayreuth, Pegnitz oder Kulmbach könnten durchaus Probleme haben, dorthin zu fahren. Deshalb haben wir entschieden, unsere Zusatzqualifikation ,E-Commerce‘ weiter anzubieten.“

Grünewald sagt, das Angebot sei auch für die gedacht, die über „das Anspruchsniveau des Einzel- oder Großhandels die Nase rümpfen. Hier besteht die Möglichkeit, die anspruchsvolle technische Seite mit der kaufmännischen Seite zu verbinden“ – und Kompetenz in Betriebe zu holen, die sonst über externe Dienstleister zugekauft werden müsse.

Alles ist miteinander verknüpft

Das bekommen die Schüler in den Zusatzstunden: Sie lernen, wie man einen Online-Shop erstellt, wie man Waren präsentiert, wie man den Shop so optimiert, dass die Suchmaschinen im Internet darauf anspringen. „Von der rechtlichen Seite bis zur Bildbearbeitung ist da alles dabei. Alles ist miteinander verknüpft – auch das barrierefreie Erreichen des Shops, die responsive Ausrichtung, dass von allen Endgeräten aus zugegriffen werden kann“, sagt Kolb.

15 Schüler sind es, die die Zusatzqualifikation erwerben, die sich international mit den Berufsschülern in Brixen und Dobruska in Projekten und Workshops vor Ort austauschen. „Die Zahl wird auch von der Zugangsvoraussetzung bestimmt“, sagt Kolb, denn: „Wir können nur Schülern dieses Zusatzprogramm anbieten, die nicht mehr berufsschulpflichtig sind. Die also entweder 21 Jahre alt sind, ein Abitur haben oder eine bereits abgeschlossene Berufsschulausbildung“, sagt Grünewald.

Denn für das Projekt werden die Fächer Deutsch, Sozialkunde und Religion durch die Unterrichtsbausteine für den elektronischen Handel ersetzt. „Wir haben auch die beiden Ausbildungsrichtungen Einzelhandel und Großhandel so gelegt, dass wir für beide den jeweiligen Unterricht gemeinsam anbieten können.“

 

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