Dorfladen: Altenploser haben das Sagen

Jetzt haben die Bürger das Sagen: per Fragebogenaktion wird entschieden, ob Altenplos einen Dorfladen bekommen soll. Foto: Archiv

Allen Unkenrufen zum Trotz ist es viel mehr als eine Handvoll Bürger, die sich für einen möglichen Dorfladen in Altenplos stark macht. Über 40 waren zum Projektabend ins Rathaus gekommen, um sich von Volker Hahn, der mit der Machbarkeitsstudie beauftragt wurde, informieren zu lassen. Mehr als deutlich wurde dabei die reine Moderatorenrolle der Gemeinde. Bürgermeisterin Simone Kirschner: „Das muss die Entscheidung der Bürger sein, ob sie das wollen oder nicht.“

Das Interesse ist da. Kirschner: „Seit meinem Amtsantritt 2014 vergeht kein Tag, an dem ich nicht danach gefragt werde.“ Seit der Schließung der Aldi- und Netto-Filialen in dem rund 1300 Einwohner zählenden Ortsteil gibt es keinen Einkaufsmarkt mehr. Die nächste Rewe-Filiale ist am Ortseingang von Heinersreuth.

Bürgerbus, mobiler Metzger

Einiges hat sich in der Zwischenzeit entwickelt. So fährt ein mobiler Metzger einmal die Woche Altenplos an, und die Gemeinde bietet den Bürgerbus, der auch für Fahrten zum Rewe genutzt wird. Und sei es nur, um dort gemeinsam Kaffee zu trinken, wie die muntere Seniorenschar an dem Abend gerne erzählt.

Kirschner: „Wir stehen in engem Kontakt mit Birgit Herrmann, der Leiterin der Rewe-Filiale. Sie beteiligt sich auch an den Kosten für den Bürgerbus.“ Man werde mit dem Projekt Dorfladen auch keine Konkurrenzsituation schaffen, betont Kirschner, sondern vielmehr wolle man das Angebot erweitern. 

Voraussetzung ist die Bürgerakzeptanz

Volker Hahn aus Seßlach, der als geschäftsführender Gesellschafter eines Nahversorger-Instituts (ifns) reichlich Erfahrung hat mit Dorfläden, und auch die Projekte in  Ahorntal  und in der Bayreuther Hammerstatt begleitet, ergänzt: „Auch eine gemeinsame Belieferung mit Rewe ist denkbar.“

Voraussetzung für die Schaffung eines Dorfladens sei die Akzeptanz durch die Bürger. „Es darf nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben.“ Hahn, der zur Zeit 60 Projekte betreut, von denen Heinersreuth das größte sei, berichtet von seinen eigenen Anfängen vor zehn Jahren, als er gemeinsam mit den Bürgern in einem Ortsteil von Seßlach einen Laden eröffnete. Sein Ziel sei es vor allem, Fehler, die damals gemacht wurden, zu vermeiden. Daher sei es wichtig, die Bürger von Anfang an mitzunehmen.

Der Fragebogen wird vorbereitet

Der erste Schritt in der Machbarkeitsstudie, für die die Gemeinde rund 3200 Euro zahlt, ist die Fragebogenaktion. Das vierseitige Blatt wurde präsentiert und kann jetzt noch ergänzt werden. Bis Ende Januar.

Wenn das abgeschlossen ist, wird der Fragebogen dem Mitteilungsblatt beigelegt und zum Herunterladen auf dem Homepage der Gemeinde bereitgestellt. Bis Mitte Februar sollen dann alle Haushalte informiert sein. Aufgabe der Projektgruppe werde es sein, bis Mitte März für den Rücklauf zu sorgen.

35 bis 40 Prozent der Bürger sollten mindestens zu Wort kommen, sagt Hahn, um eine repräsentative Übersicht zu bekommen. Die Fragen gehen sehr ins Detail. Welche Waren gewünscht wären und welche Dienstleistungen, und auch, wer sich vorstellen könne, Anteilsscheine für den Dorfladen zu zeichnen oder sich ehrenamtlich beteiligen will. Nach den Osterferien soll dann das Ergebnis der Aktion präsentiert werden. In einer Bürgerversammlung.

Weg von Karre, Kasse, Kofferraum

Hahn macht von Anfang an klar, dass das Lebensmittelgeschäft nicht einfach ist. Bei Gewinnmargen von 20 Prozent müsse genau kalkuliert werden. Und der Dorfladen müsse einen monatlichen Umsatz von 25.000 Euro erreichen, um wirtschaftlich arbeiten zu können.

Bei seinem ersten Projekt habe es zunächst Rücklagen gegeben, die dann in wirtschaftlich schwierigeren Jahren, vor allem als die Strompreise erhöht wurden und einige ältere Bürger verstorben sind, aufgezehrt wurden. Nach zehn Jahren stünden jetzt auch Renovierungen an, und die Bürger würden erneut gebeten, sich mit Einlagen zu beteiligen.

Deutlich sagt er, dass mit einer Gewinnausschüttung nicht zu rechnen sei, allenfalls über Warengutscheine.

 

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Wichtig sei, auf regionale Produkte zu achten. Der Lebensmittel-Anteil sollte bei rund 80 Prozent liegen. Der Rest entfällt auf Alltagswaren, von der Mausefalle bis hin zum Klopapier. Berücksichtigt werden auch viele soziale Aspekte. Der Laden soll auch Treffpunkt sein, sagt Hahn. Und auch eine Ideologie stehe dahinter: das entschleunigte Leben, sich wehren gegen den Verkehrsinfarkt auf den Autobahnen. Gegen den Trend: Karre, Kasse, Kofferraum.  

„Lieber klein starten und wachsen“

Gemeinderat Norbert Eichler nennt Nordhalben. „Was dort ablief, war nicht gerade ein Paradebeispiel.“ Hahn nennt die dort gemachten Fehler. Der alte Edeka-Markt sei in seiner alten Größe aufrechterhalten worden, und es habe hohe Personalkosten gegeben. „Lieber kleiner starten und dann wachsen,“ rät Hahn.

100 bis 150 Quadratmeter Verkaufsfläche seien durchaus ausreichend, dazu noch Nebenflächen als Lager. Wichtig sei vor allem die Lage des Dorfladens. Zentral und für möglichst viele Bürger fußläufig erreichbar. Ideal wäre für Altenplos, wenn das Geschäft direkt an der B 85 liegen würde. So würde er auch von Pendlern oder Touristen genutzt.

Auch in Rugendorf habe es Probleme gegeben. Hahn: „Der Bürgermeister, der hinter dem Projekt stand, ist abgeschossen worden, und es wurde die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft durchgedrückt.“  Auch bei der Personalauswahl habe man kein gutes Händchen gezeigt. Das Ehrenamt sei nicht zu unterschätzen. „Wir gründen hier ein Unternehmen. Je mehr es mittragen umso besser.“

Die Standortfragefrage ist noch offen

Eine Bürgerin erinnert an die Scheune Mainauenhof von der Landesgartenschau, um die sich die Gemeinde bewirbt. Ihr Vorschlag: auf dem Gelände des Gasthofs Moreth aufbauen und dort einen wöchentlichen Markt für regionale Produkte einrichten. „Wenn dass das Ergebnis der Befragung ist, warum nicht?,“ sagt Hahn. Auch ein virtueller Dorfladen sei denkbar oder ein Markt.

Die Frage, wo der Laden in Altenplos unterkommen soll, kann auch Bürgermeisterin Simone Kirschner nicht beantworten. „Wir haben de facto noch nichts,“ sagt sie. Es gebe nur das Angebot der Firma Hübner, eine kleinere Fläche, den ehemaligen Lotto-Laden, eventuell dafür bereitzustellen. Das sei aber noch nicht geprüft.

Einiges verspricht sie sich vom Architektenwettbewerb für die neue Mitte von Altenplos. Auch im Gasthof Moreth könnten nach dem Umbau Ideen schlummern. „Bisher haben wir immer eine Lösung gefunden,“ gibt sich Volker Hahn optimistisch. Ein Dorfladen wurde sogar in einer nicht mehr genutzten Kirche eingerichtet.

 

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