Diakonie investiert über zehn Millionen

Die Diakonie plant, langfristig aus dem Himmelkroner Schloss auszuziehen, da das alte Gebäude nicht behindertengerecht sei. Zunächst wird der Umzug der Werkstatt und der Förderstätte für Menschen mit Behinderung aus Himmelkron nach Neuenmarkt erfolgen. Foto: Archiv/Ronald Wittek

„Natürlich freuen wir uns über diese Standortentscheidung“, sagt Siegfried Decker, Bürgermeister von Neuenmarkt. „Wir sind über die Entscheidung der Diakonie Neuendettelsau schon enttäuscht“, sagt Gerhard Schneider, Bürgermeister von Himmelkron. Des einen Freud, des andern Leid: Die Diakonie will mit der Werkstatt und der Förderstätte für Menschen mit Behinderung von Himmelkron nach Neuenmarkt umziehen.

„Das Projekt ist derzeit in der Konzeptionsphase“, sagt Thomas Schaller, Pressesprecher der Diakonie Neuendettelsau, es gebe noch keine Termine für den Baubeginn und die Inbetriebnahme. Auch die Investitionssumme stehe noch nicht genau fest, „sie werden aber sicher in zweistelliger Millionenhöhe liegen.“ Notwendig sei der Umzug, weil die Gebäude von Werkstatt und Förderstätte in Himmelkron nicht mehr ganz zeitgemäß seien und zudem hochwassergefährdet.

Mehr Kaufkraft und höhere Steuereinnahmen

Nach rund einem Jahr Verhandlung kaufte die Diakonie Neuendettelsau nun von der Gemeinde Neuenmarkt Grundstücke im Gewerbegebiet Wirsberger Straße. „Uns bringt das natürlich Vorteile. Erstens konnte ich die Flächen verkaufen, das Gewerbegebiet wird damit voll bebaut sein. Außerdem bringt dies 290 Arbeitsplätze ganz unterschiedlicher Berufe mit sich“, sagt Decker. „Wir versprechen uns für Neuenmarkt davon auch eine Belebung auch in wirtschaftlicher Hinsicht – mehr Kaufkraft, höhere Steuern und vielleicht die ein oder andere Anfrage nach einem Bauplatz.“

Himmelkron konnte keinen vergleichbaren Bauplatz bieten

290 neue Arbeitsplätze für die Region, wie zunächst gemeldet, bedeutet die Ansiedlung in Neuenmarkt indes nicht. Die Arbeitsplätze gibt es bereits im benachbarten Himmelkron. „Im Endeffekt bin ich natürlich froh darüber, dass sie in der Region bleiben“, sagt dessen Bürgermeister Schneider. Aus seiner Sicht sei dies das Positive an der Entscheidung der Diakonie, schließlich seien die beiden Gemeinden eng vernetzt. Und die Himmelkroner Bürger, die in den Einrichtungen arbeiten, könnten künftig zwar nicht mehr zu Fuß zur Arbeit, aber diese bleibt erreichbar. „In Himmelkron haben wir einfach keine Bauplätze gewerblicher Art in unserem Portfolio“, sagt Schneider, in diesem Kontext sei die Entscheidung für Wirsberg zwar traurig aber nachvollziehbar. Wir haben zwar Kontakte zwischen der Diakonie und Privatpersonen mit geeigneten Flächen hergestellt. „Letztlich muss man aber einfach feststellen, dass der Standort Neuenmarkt preiswerter ist,“ sagt Schneider.

Neubau ermöglicht modernere Konzepte

„Alternativen in Himmelkron haben wir nicht mehr gefunden“, bestätigt Schaller. Das Gelände in Neuenmarkt sei gut geeignet, da trotz der Lage in einem Gewerbegebiet der Ortskern gut zu Fuß erreichbar sei. In einem Neubau könne man zudem modernere Konzepte umsetzen. „Das Bundesteilhabegesetz gibt uns die Möglichkeit, die Werkstatt und die Förderstätte miteinander zu verbinden“, sagt Schaller. Erstere ist für Menschen mit Behinderung, die aber einer Arbeit nachgehen können, in der Förderstätte geht es darum, dem Tag eine sinnvolle Struktur zu geben. Die Übergänge seien aber fließend – und dies könne in Zukunft besser berücksichtigt werden, hofft Schaller. Wie genau, das hänge noch von den Ausführungsbestimmungen ab. Die Diakonie sei aktuell dabei, Konzepte zu entwickeln, letztlich hätten die Kostenträger, vor allem der Bezirk, das letzte Wort.

„Wir reden auf keinen Fall von einer Verkleinerung“

Mit neuen Arbeitsplätzen sei beim aktuellen Planungsstand vermutlich nicht zu rechnen, sagt Schaller. Aber eines sei klar: „Wir reden auf keinen Fall von einer Verkleinerung.“

Das gilt für Neuenmarkt. „In Himmelkron wollen wir perspektivisch aus dem Schloss ausziehen“, sagt Schaller. Ein Schloss sei letztlich nicht behindertengerecht, das liege in seiner Natur. „Irgendwann in den nächsten Jahrzehnten wird diese Nutzung zu Ende gehen. Wir suchen dafür bereits eine Nachnutzungsmöglichkeit und einen potenziellen Käufer.“

Die Zukunft des Himmelkroner Schlosses  ist ungewiss

Die Gemeinde Himmelkron wird das nicht sein: „Für uns ist das deutlich eine Nummer zu groß“, sagt Schneider. „Besitz verpflichtet“, fügt er hinzu: „Die Diakonie steht im Wort, dass da nichts verfällt, daran werden wir sie bei Bedarf erinnern. Wir haben da gewisse Erwartungen an die Diakonie.“ Schließlich sind sie seit langem Partner. „Für uns ist der Wegzug der Werkstätten nicht nur ein materieller, sondern auch ein  ideeller Verlust: Diakonie und Himmelkron gehörten bislang einfach zusammen.“

 

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