Der Klimawandel wird der Fichte zu schaffen machen – Waldbesitzer sollten verstärkt auf Mischwälder setzen "Die Fichte braucht Freunde"

Lars Andersen von der WBV Hollfeld erklärt die beste Zusammensetzung eines Waldes. Foto: Adriane Lochner

Wie sehr der Klimawandel vor allem der Fichte zu schaffen macht sowie die Naturverjüngung waren Themen des forstlichen Schulungstages der Waldbesitzervereinigung (WBV) Hollfeld in einem Privatwald bei Wonsees.

Der forstliche Berater Klaus Wagner vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Bayreuth freute sich über das Interesse: Rund 100 Waldbesitzer aus den Forstrevieren Bayreuth, Thurnau, Schederndorf, Waischenfeld und Hollfeld wollten sich informieren. An vier Stationen konnten die Teilnehmer bei diesem Schulungstag lernen, wie man eine Naturverjüngung einleitet, wie man sie richtig pflegt und woran sie scheitern könnte.

Die 54-jährige Helga Ebisch aus Poxdorf möchte in ihrem 20 Hektar großen Wald verstärkt auf Naturverjüngung setzen. „Sie ist mit wenig Aufwand verbunden und kostet nichts“, sagte Ebisch. Im Gegensatz zu aktiven Pflanzmaßnahmen kommt die Naturverjüngung von allein. Der Schulungswald in Wonsees ist das beste Beispiel dafür: An lichten Stellen schossen unzählige Ahornbäumchen aus dem Waldboden, vom Mutterbaum keine Spur – so weit hatte der Wind die Samen getragen. Gerhard Lutz vom Kulmbacher AELF, erklärte: „Naturverjüngung fördert standortangepasste Bäume.“ Angesichts des Klimawandels sollten sich die Waldbesitzer schon heute Gedanken machen, wie es in 30 bis 100 Jahren mit ihrem Wald weitergehen soll. Höhere Temperaturen, lange Trockenzeiten und veränderte Niederschlagsverhältnisse bereiten den Nadelholzreinbeständen, vor allem der Fichte, große Probleme.

„Fichte braucht Freunde“, sagte Stationsbetreuer Wilfried Pförtsch. Wer wissen wolle, wie es künftig in seinem Wald aussieht, solle einen Beratungsförster kontaktieren. Der kann über ein Programm auf dem Feldcomputer Aussagen darüber treffen, welche Baumarten in einem bestimmten Flurstück über die nächsten 100 Jahre Vorteile haben werden.

Steffi Blumers von der WBV-Hollfeld referierte zum zweischichtigen Bestand. Der 77-jährige Hans Schwarz, Waldbesitzer aus Tannfeld, kommt jedes Jahr zur Schulung. „Ich habe noch nicht ausgelernt, man muss lernen, so lange man lebt.“ Der Waldbau scheint noch nicht aus der Mode. Ein 25-jähriger Waldbesitzersohn aus Sachsendorf sagt: „Unser Wald bleibt in der Familie. Ich will weitermachen.“ Wagner fasst zusammen: „Leute, ihr habt so viel da, ihr müsst es nur nutzen.“

Die WBV-Hollfeld ist ein gemeinnütziger Verein mit rund 1500 Mitgliedern und 12 000 Hektar Wald. ⋌red

 

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