Neuer Hochleistungsrechner an der Universität ist einer der 500 größten weltweit Bayreuths Supercomputer

Das Brummen der Prozessoren ist ohrenbetäubend laut. An den einzelnen Computern in den Schränken blinken grüne und orange Lichter. Wenn man in den engen Gang blickt, fühlt man sich wie in einem Science-Fiction-Film. Man könnte genauso gut im berühmten Raumschiff Enterprise stehen. Man steht allerdings im Keller des Neubaus der Naturwissenschaftlichen Fakultät an der Universität.

Dort befindet sich der neue Hochleistungsrechner des Rechenzentrums.

Und der Supercomputer erreicht eine Lautstärke von bis zu 100 Dezibel, das entspricht der Lautstärke eines Presslufthammers. Bernhard Winkler vom Rechenzentrum der Universität empfiehlt dringend, Ohrenschützer zu tragen. Der Riesenrechner zählt zu den 500 größten seiner Art weltweit. Mit dem Strom, den der Supercomputer vom Netz zieht, könnte man auch einen Ortsteil in der Größe von Oberpreuschwitz versorgen.

Wofür man solch einen Stromfresser braucht? In der Physik und Mathematik gibt es komplizierte Fragen, die durch einfaches Ausrechnen nicht mehr zu lösen sind. Zum Beispiel zur Dynamik von heißem Plasma, die bei der Forschung zu Fusionsreaktoren eine Rolle spielt. Simulationen, die diese Fragen beantworten sollen, benötigen viel Rechenleistung – und Zeit. Mehrere Stunden bis Tage brauchen die Rechner für solche Rechenvorgänge. Ein relativ kleiner „Job“, wie die Aufträge an den Supercomputer genannt werden, braucht schon etwa zwei Stunden. Mit der bisherigen Rechenkapazität kam die Uni an ihre Grenzen. Winkler musste bei manchen Fragestellungen die Forscher bitten, auf Rechner anderer Rechenzentren umzusteigen. „Aber auch da sind die Warteschlangen für die Aufträge sehr lang“, sagt Winkler.

Der Serverraum darf nicht überhitzen, daher herrscht dort die sogenannte Kaltgang-Warmgang-Trennung. Der „kalte Gang“ ist der Gang, in den die Fronten der einzelnen Rechner ausgerichtet sind. Hinter den Rechnern folgt der sogenannte „warme Gang“. Dorthin pusten die Rechner die Luft, die sie im „kalten Gang“ aufsaugen. Übersteigt die Temperatur im „kalten Gang“ 35 Grad, werden die Rechner heruntergefahren. Da sie sich immer weiter aufheizen, könnte im schlimmsten Fall ein Brand entstehen. Dennoch produziert der Supercomputer natürlich Wärme. Die Abwärme aus dem Serverraum wird dazu genutzt, um den NW-III-Neubau mit Wärme zu versorgen. Um die Temperatur im Serverraum konstant zu halten, ist im Nebenraum das Kühlwassersystem untergebracht. Alles in allem hat der Supercomputer mit Kühlsystem über zwei Millionen Euro gekostet.

Noch läuft der Supercomputer im Probebetrieb – und ganz rund läuft er noch nicht. „Das Festplattensystem funktioniert noch nicht richtig“, sagt Winkler. Auch die Kühlanlage hatte einige Schwachstellen. Zum Beispiel ist ein Ventil falsch herum eingebaut worden. Bis zum 4. Juli, dem Tag der Einweihung des Neubaus, soll der Supercomputer aber störungsfrei laufen.

Foto: Wittek

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