Co2-Fasten: Klima retten durch Verzicht

Co2-Fasten-Aktivist Norbert Pietsch ließ zumeist sein Auto stehen und stieg auf seinen Elektroroller, auf Fahrrad und ÖPNV um. Ganz ohne Auto ging es aus beruflichen Gründen nicht. Aber mittels einer guten Planung habe er es die meiste Zeit entbehren können.Foto: red

Plastikverpackungen vermeiden, das Smartphone in der Schublade vergraben oder das Auto in der Garage vergessen: 46 Tage lang haben umweltbewusste Menschen in der Europäischen Metropolregion Nürnberg gefastet und verzichtet. Mit dem Ziel, sich sechseinhalb Wochen lang klimafreundlich zu verhalten. Ohne sich selbst übermäßig zu kasteien, testeten die Teilnehmer in selbst gewählten Lebensbereichen, wie sie CO2 vermeiden können. Bernd Rothammel, Klimaschutzmanager am Landratsamt Bayreuth, der ebenfalls an der Aktion teilnahm, zog jetzt Bilanz der CO2-Fastenstaffel.

Die Aktion CO2-Fasten ging in diesem Jahr in die zweite Runde. Ins Leben gerufen haben sie Klimaschutzmanager der Metropolregion Nürnberg im vergangenen Jahr. Darunter Bernd Rothammel und Kollegen. "Im vergangenen Jahr habe ich ein großes Rad gedreht. Ich habe unter anderem die Heizung gedrosselt, auf Handy und Computer verzichtet und versucht, Plastikverpackungen zu vermeiden. In diesem Jahr habe ich mich für das Smartphone-Fasten entschieden. Damit konnte ich zwar keine Riesenmengen CO2 einsparen, dafür war es eher ein symbolischer Akt. Das Smartphone steht nämlich stellvertretend für Geräte, die wir nicht mehr missen wollen. Ob wir sie dringend benötigen oder nicht. Was wir aber vergessen ist die Tatsache, dass Herstellung, Verwendung und Entsorgung dieser Geräte Unmengen Ressourcen benötigen und sehr Energie aufwendig sind", sagt Rothammel.

Stromverbrauch einer Großstadt

Unmengen an Energie verbrauchen auch die Akteure im Netz. Allein die Rechenzentren der Suchmaschine Google würden im Jahr so viel Energie benötigen wie eine Stadt mit 200.000 Einwohner, sagt Rothammel. Rund zwei Kilogramm CO2 habe er mit dem Verzicht auf sein Smartphone eingespart. Ein eher symbolischer Wert, wie er betont. Fast wichtiger oder besser erschreckender sei der soziale Aspekt gewesen. "Die ersten Tage waren hart, ich kam mir vor wie ein Junkie auf kaltem Entzug", erinnert sich der Klimaschutzmanager. Mit dem Verzicht verliere man einen wichtigen Bestandteil des täglichen Lebens. Schließlich helfe das Smartphone in vielen Momenten: Die Pflege von Kontakten, die Verwaltung von Terminen, die vielen Informationsquellen. Darauf zu verzichten, falle zu Beginn schwer. Doch relativ schnell habe er eine regelrechte "Verschlankung meines Konsumverhaltens" festgestellt und sei an einen Punkt gelangt, ab dem er sein Smartphone nicht mehr habe aus der Schublade herausholen wollen. Rückfällig wurde Rothammel einmal, wenn auch unfreiwillig. Bevor er eine Dienstreise antrat, überredete ihn seine Frau, sein altes Klapphandy zu reaktivieren, um erreichbar zu sein.

Beteiligten sich an der ersten Klimaschutz-Fastenaktion rund 25 Leute, stieg in diesem Jahr die Zahl der Aktiven auf rund 50. Sie alle erzählen ihre Erlebnisse in einem Blog. "Wir hatten bis heute rund 6000 Leser, 25.000 Zugriffe und 600 fachlich versierte Kommentare. Alles in allem eine große Erfolgssteigerung", freut sich Rothamel. "Und ich denke, die Aktiven konnten mit ihren Erfahrungen viele zum Nachdenken und zur Nachahmung animieren."

Mineralwasser aus Glasflaschen

Zu den Aktiven gehörten auch die beiden Mitglieder des Bayreuther Kreistages Sabine Habla (CSU) und Norbert Pietsch (Grüne). Kreisrätin Habla hatte sich das Ziel gesetzt, weitgehend auf Plastikverpackungen zu verzichten. Es sei sehr schwierig, verpackungsfrei einzukaufen, sagt Habla. Gelingen könnte dies nur auf dem Wochenmarkt und beim Gemüsehändler. Dass man Waren auch ohne Verpackung verkaufen könne, zeige das Beispiel eines Geschäftes in Bamberg. "Wenn sich die Gelegenheit ergibt", sagt Habla, "kaufe ich dort ein." Ansonsten gehe sie bei der Wahl der Produkte viel sensibler vor. So kaufe sie ausschließlich Mineralwasser in Glasflaschen. Die Milch werde von Landwirten geliefert, die kein Glyphosat verwenden. Es sei schwierig, verpackungsfrei einzukaufen. Besonders im Winter sei beispielsweise Gemüse kaum unverpackt zu kaufen. "Im Sommer ist das kein Problem: Dann kommt das Gemüse aus dem eigenen Gewächshaus." Nachlassen will Habla in ihrem Engagement nicht. Schließlich soll ihre Gelbe Tonne möglichst leer sein, wenn sie geleert wird.

Auto blieb in der Garage

Kreistagskollege Pietsch aus Speichersdorf hat 46 Tage lang sein Auto weitgehend stehen lassen und ist wann immer möglich auf seinen mit Sonnenenergie gespeisten Elektroroller, Fahrrad und Öffentlichen Personennahverkehr umgestiegen. "Ich habe mir immer genau überlegt, welche Arbeiten und Besorgungsfahrten ich miteinander verbinden kann" sagt Pietsch. Für Fahrten nach Bayreuth nahm er den Zug, für kürzere Fahrten stieg er auf seine Zweiräder um. "Ich war viel bewusster unterwegs", zieht Pietsch, der sich seit 30 Jahren vegetarisch ernährt, Bilanz, "und konnte die Fahrtstrecke mit dem Auto auf rund 30 Prozent reduzieren." Der "Selbstversuch" habe ihn überzeugt, dass man durch Verzicht CO2 einsparen kann. In vier Wochen wolle er den Verzicht fortsetzen. Und im nächsten Jahr werde hoffentlich das bestellte Elektroauto geliefert.

Schlimm wie ein Ölwechsel

Die deutlich gestiegene Resonanz der Fastenaktion zeige, so Rothammel, dass sich immer mehr Menschen mit dem Thema Klimaschutz beschäftigen. Doch noch immer handelten zu viele gedankenlos. Wenn sie zum Beispiel für Kurztripps in Flugzeuge steigen. Er könne den Spaß daran nachvollziehen. Man dürfe dabei aber nicht verkennen, welchen Schaden man damit dem Klima zufüge. "Die Abgase von Flugzeugen haben total gravierende Konsequenzen für die Umwelt. Das ist kein Kavaliersdelikt mehr. Das ist genauso schlimm, als würde man in freier Natur einen Ölwechsel vornehmen."

Nicht unerwähnt lassen will Rothammel die Beiträge von Norbert Heimbeck, dem Leiter der Regionalgruppe Oberfranken von Slow Food. Heimbeck habe während der Fastenzeit jeden Freitag einen Rezeptvorschlag für ein klimafreundliches Sonntagsessen veröffentlicht. "Die sind supergut angekommen", betont Rothammel, "und empfehlen sich wirklich zum nachkochen."

Info: Weitere Erfahrungsberichte von Aktivisten der CO2-Fastenstaffel und die Rezepte von Norbert Heimbeck finden sich im Internet unter www.co2fasten.wordpress.com.

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