Chefarzt: Wegen 58 Euro gefeuert?

Landrat Hermann Hübner und Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe haben als Aufsichtsräte die Entscheidung mitgetragen, den Chefarzt freizustellen. Archivfoto: Ronald Wittek

Es waren drei Rechnungen, über die der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe am Klinikum Bayreuth gestolpert ist. Der 54-Jährige darf zwar auch privat abrechnen, hat angeblich in den drei Fällen aber eine falsche Kontonummer angegeben. Die höchste Summe soll nach Informationen unserer Zeitung bei etwa 58 Euro gelegen haben, die anderen beiden deutlich niedriger. Auch ein am Verfahren Beteiligter spricht von "niedrigen Summen".

Trotzdem erstattete das Klinikum eine Anzeige. Seit Mittwoch ermittelt eine Spezial-Abteilung der Staatsanwaltschaft Hof gegen den Mediziner, die für Vermögensdelikte im Gesundheitswesen und Korruption zuständig ist. Ihr Titel: Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen. Reiner Laib, Leitender Oberstaatsanwalt, bestätigt, dass "wegen Betruges" zum Nachteil des Klinikums ermittelt werde. "Es liegt ein Anfangsverdacht vor." Man überprüfe, ob eine Straftat vorliege und eine Bestrafung in Betracht komme.

Staatsanwaltschaft sucht nach weiteren falschen Abrechnungen

Um welche Summen es sich handelt, dazu schweigt der Ermittler. "Dazu äußern wir uns nicht. Erst wenn wir am Ende sind." Das heißt: Die Ermittler suchen nach weiteren falschen Abrechnungen. Seit letztem Donnerstag ist der Chefarzt nicht mehr im Dienst. In einer außerordentlichen Sitzung hat der Aufsichtsrat der Klinikum Bayreuth GmbH am Montag darüber einen Beschluss gefasst (wir berichteten).

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Abgerechnet werden die privaten Einnahmen der Chefärzte über eine private Firma, bei der Betrug als "fast unmöglich" gilt, wie Chefärzte sagen. Das Geld für die Behandlungen geht normalerweise auf ein Konto des Klinikums. Die Chefärzte erhalten einen Anteil aus diesem Geld.

Bei dem betroffenen Chefarzt soll dieser Anteil geringer als bei anderen gewesen sein. Abrechnen kann der Chefarzt nicht etwa Operationen, sondern eher Visiten oder Beratungen. "Kleinmist", sagt ein Beteiligter. Es gehe um Summen von 13 bis 30 Euro.

Chefarzt gilt als besonders genau

Der Chefarzt gilt als genau, fast penibel. Keiner habe vermutet, es könnte sich um größere Summen gehandelt haben. Im Gegenteil: Kollegen beschreiben ihn als jemanden, der akribisch versucht habe, jeden Fehler zu vermeiden.

Der Weggang des Chefarztes trifft die Abteilung besonders hart, da sie in den letzten Monaten einige Kollegen, auch Ärzte, verloren hat. Einer von ihnen spricht von einem "Ausbluten".

Weder der Arzt noch seine Nürnberger Anwältin nahmen zu den Vorgängen Stellung.

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