Bundespolizei 30-Jährige ist die neue Vize-Chefin in Bayreuth

Noch besitzt sie keine Dienstwohnung, sondern nur ein Zimmer in Bayreuth: Alexa Baronin von Düsterlohe arbeitet seit rund fünf Wochen bei der Bundespolizei Bayreuth. ⋌Foto: Bundespolizei

BAYREUTH. Sie ist die zweite stellvertretende Abteilungsführerin bei der Bundespolizei Bayreuth. Anfang November hat Polizeirätin Alexa Baronin von Düsterlohe ihren Dienst als Vize-Chefin der rund 570 Frauen und Männer zählenden Dienststelle angetreten.

Groß, die blonden Haare zum Zopf geflochten und in Uniform gekleidet, empfängt die stellvertretende Abteilungsführerin den Besuch. Die Stellvertreterin von Polizeidirektor Dieter Hader spricht mit fester Stimme. Denn bei der Bundespolizei muss sie sich in einer Männerwelt behaupten. Nur neun Prozent beträgt der Frauenanteil in höheren Führungspositionen bei ihrem Dienstherrn. Im Tarifbereich und in der Verwaltung seien es jedoch mehr, sagt von Düsterlohe.

Von der Pädagogik zur Polizei

Die 30-Jährige macht nun Karriere im höheren Dienst an. „Aber es war nicht so, dass ich schon immer zur Polizei wollte“, sagt sie. Statt für die Staatsgewalt interessierte sie sich zunächst für die pädagogische Arbeit mit Kindern. Denn nach dem Abitur habe sie sich zunächst für eine Ausbildung zur Erzieherin entschieden. Danach studierte sie „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ und schloss den Master in „Soziale Arbeit“ an der Fachhochschule Kiel an. Während des Studiums, das sie mit er Note 1,5 beendete, arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FH Kiel.

Helfen und kommunizieren

Dass sie von einem von Frauen geprägten sozialen Berufsfeld in eine Männerdomäne wechselte, hält Alexa von Düsterlohe nicht für ungewöhnlich. Obwohl sie häufig darauf angesprochen werde, fallen ihr eher Gemeinsamkeiten ein: „Mein Beruf hier hat viel mit Kommunikationsstärke zu tun. Es überschneidet sich mehr, als man denkt.“ Auch als Polizistin sei sie „ein Diener der Gesellschaft“ und biete Hilfe für diejenigen an, die sich allein nicht helfen könnten.

Ehemann ist Soldat

Vom hohen Norden Deutschlands ins nördliche Bayern umzuziehen, ist eine große Umstellung. Doch Bundespolizisten wissen, dass sie bundesweit einsatzbereit und flexibel sein müssen. Ihre Familie stehe voll hinter ihr, sagt von Düsterlohe. „Mein Ehemann ist bei der Bundeswehr und unterstützt mich sehr.“ Am 1. Juli 2016 wurde die Kielerin bei der Bundespolizei eingestellt. Danach absolvierte sie ein Master-Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster in „Öffentliche Verwaltung und Polizeimanagement“.

In ihrer ersten Station im höheren Polizeivollzugsdienst ist Polizeirätin von Düsterlohe als stellvertretende Dienststellenleiterin für die rund 570 Mitarbeiter der Bundespolizeiabteilung Bayreuth verantwortlich. Der bisherige Amtsinhaber, Polizeioberrat Christian Klein, wechselte nach einer vorübergehenden Verwendung als stellvertretender Leiter der Bundespolizeiinspektion Nürnberg nach Hessen. Am Flughafen Frankfurt übernahm er die Leitung der Bundespolizeiinspektion IV. Bislang arbeitete nur Kerstin Kohlmetz in einer Führungsposition. Von März 2000 bis Januar 2002 war sie beim BGS in Bayreuth die erste Vize-Chefin und arbeitet mittlerweile in Stuttgart.

Einsatztraining als Vorbereitung

Eine Frau in den Reihen vieler Männer zu sein, sei für sie „kein Hindernis“, sagt von Düsterlohe selbstbewusst. Bei einem Einsatz muss auch sie ihren Mann stehen, sicher und teamfähig handeln. Wie ihre Kollegen hat sie ein Einsatztraining hinter sich, trägt eine Waffe und hält sich sportlich und gesundheitlich fit.

Bei einem Großeinsatz soll sich jeder auf den anderen verlassen können, egal ob Mann oder Frau. „Als Frau sollte man nicht unbedingt auf den Mund gefallen sein“, sagt die stellvertretende Abteilungsführerin über ihre Rolle. „Nicht alle Polizisten sind Machos, auch die Polizei hat sich weiterentwickelt.“

Sie hat das Kommando

Im Ernstfall kommt ihr die Verantwortung für mehrere Hundert Polizisten zu. Denn häufig werden die Bayreuther zur Unterstützung von größeren Einsätzen gerufen. Dann obliegt der Polizeirätin das Kommando. „Hier ist immer eine Risikoabwägung zu treffen“, sagt von Düsterlohe. Zwar habe sie die Entscheidungsgewalt, jedoch vertraue sie genauso auf ihre Mitarbeiter. „Ich habe ein starkes Team im Rücken.“

 

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