Brandenburger Kulturstadl Rasantes Hütchenspiel en français bei Premiere

Im Brandenburger Kulturstadl hatte die Komödie „Oscar“ Premiere. Foto: Kulturstadl

BAYREUTH. Claude Magniers „Oscar“ feierte am Samstagabend Premiere im Brandenburger Kulturstadl. Vor ausverkauftem Haus brannte das Ensemble ein Feuerwerk französischer Verwechslungskomik ab, ohne dabei über die üblichen Fallstricke zu dick aufgetragenen Slapsticks zu stolpern.

Das war vor allem Regisseur Lars Zahn zu verdanken, der das etwas aus der Zeit gefallene Stück mit markanten Reminiszenzen vom Relikt zur Klamotte erweckte. Und das ist wahrlich keine leichte Aufgabe. Strotzt Magniers Werk von 1958 doch nur so von hochgradig konstruierter Situationskomik, die dem Theatergänger von heute wohl eine Spur zu aufgesetzt erscheinen würde.

Da ist der Angestellte Christian Martin, gespielt von Alexander Tanner, der seinem Chef, Bertrand Barnier, frühmorgens in dessen Schlafzimmer auflauert. In einem Abwasch bittet Martin seinen Vorgesetzten nicht nur um das Dreifache seines Gehalts, sondern auch noch um die Hand von dessen Tochter. Ungeachtet der Tatsache, dass es sich später um eine völlig andere Verlobte handelt, welche nur angegeben hat, die Tochter des Konzernlenkers Barnier zu sein, ist dieser außer sich und die Verwechslungskomödie nimmt ihren Lauf. Geld-, Schmuck- und Dessous-Koffer wechseln so schnell ihre Besitzer, dass sich selbst der konzentrierteste Zuschauer zwischenzeitlich am Kopf kratzen muss und inmitten des Chaos ein völlig konsternierter Barnier, der langsam, aber sicher den Verstand verliert.

Eine Paraderolle für Reinhard Frank, der im Stile eines Louis de Funès weniger einer Lösung, als vielmehr dem eigenen Nervenzusammenbruch nahe kommt. Frank vollzieht die absurde, aber höchst unterhaltsame Irrfahrt des Stückes als cholerischer Schnellsprecher nahezu im Alleingang und brilliert ebenfalls in kultverdächtigen Fiasko-Momenten („nein“ – „doch“ – „ohh“) – für Funès-Freunde eine Reminiszenz mit Nostalgiepotenzial. An Spielpartner Alexander Tanner war es, in der Rolle des Christian Martin einen Gegenpol zum geladenen Barnier zu entwickeln. Durch sein gelassenes Spiel gelingt ihm dies durchgängig, was nicht zuletzt dazu führt, dass die Figur des Barnier vollends zur Blüte gelangt.

Das bestätigte auch Regisseur Lars Zahn, der nicht nur seinen beiden Hauptdarstellern ein positives Zeugnis ausstellte: „Unser Ensemble hat sehr gut zusammengearbeitet. Viele Ideen entstanden während der Probearbeit, die konnte ich dann problemlos miteinfließen lassen. Es ist richtig, dass Alexander Tanner und Reinhard Frank mit fast 80 Prozent Redeanteil das Stück zu großen Teilen tragen. Von Reinhard Frank hing in den Proben oft der Flow unserer Arbeit ab – von seiner Energie konnten wir alle zehren.“

Leider zieht die starke Fokussierung auf nur zwei Akteure fast zwangsläufig ein Verblassen der Nebenrollen nach sich. In Erinnerung bleibt dennoch Martin Ebner, der als begriffsstutziger Masseur das Publikum mit seinem Mienenspiel zu Szenenapplaus animierte. „Oscar“ betritt noch 14-mal den Kulturstadl. Freunden raffinierter Verwicklungskomik sei eine Kartenreservierung wärmstens ans Herz gelegt.

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