Bestseller-Autoren stellen ihr Buch beim Ökonomiekongress an der Universität vor „Der Crash wird kommen“

Matthias Weik (rechts) und Marc Friedrich (links) stellen beim 6. Bayreuther Ökonomiekongress 2014 ihr Buch "Der größte Raubzug der Geschichte" vor.

Schwaben, sagt man, haben ein ganz besonders Verhältnis zum Geld. Matthias Weik und Marc Friedrich sind Schwaben. Sie sind – Überraschung! - als Finanzberater tätig. Und als Bestseller-Autoren. Sie stellen beim 6. Ökonomiekongress auf dem Bayreuther Campus ihr Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ vor. Darin durchleuchten sie die internationale Finanzwelt und zeigen, „warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“.

Sie kommen zu dem Ergebnis: Die Finanzbranche habe „aus der Lehman-Krise nichts, aber auch gar nichts gelernt“. Weil das Finanzsystem unweigerlich zusammenbrechen werde, empfehlen sie, in Sachanlagen zu investieren. Marc Friedrich spricht im Kurier-Interview über Provokation, Gier und die Finanzlobby.

Schlagzeilenträchtige Provokation oder fundierte Aussage? Wie begründen Sie Ihren Buchtitel?
Marc Friedrich: Selbstverständlich handelt es sich um eine fundierte Aussage. In unserem zweiten Buch haben wir uns intensiv auf die Suche nach der Lösung für die Misere begeben. Wir sind jedoch bei der Recherche zu folgendem Ergebnis gekommen, dass nur der Crash die Lösung sein kann. Seit 2008 haben wir unzählige Krisen erlebt und noch mehr Versprechen von Seiten der Politik und der Finanzindustrie gehört, was alles geändert werden muss. Umgesetzt wurde wenig - ganz im Gegenteil: Die Finanzbranche hat sich mit noch mehr Geld weiter aufgebläht und ist dadurch noch „systemrelevanter“ und noch mächtiger geworden. Eine Blase löst die nächste Blase ab und parallel werden am laufenden Band von oberster Stelle Gesetze gebrochen um unser Finanzsystem und den Euro, den Dollar… künstlich am Leben zu erhalten. Fakt ist, dass unser Finanzsystem eine mathematisch begrenzte Lebensdauer hat und diese ist seit 2008 eigentlich abgelaufen. Nur mit immensen Anstrengungen und Billionen an Euros und Dollar wird das System am Leben erhalten.

Wir erleben gegenwärtig ein Spiel auf Zeit. Die Probleme wurden keinesfalls gelöst sondern sind lediglich auf Kosten der Menschen in die Zukunft verschoben worden, wo sie sich weiter auftürmen und immer bedrohlicher und gefährlicher werden. Das komplette System wird immer mehr auf die Spitze getrieben: Die Krise entstand durch niedrige Zinsen und somit billiges Geld. Bekämpft wird die Krise mit historisch niedrigen Zinsen und somit noch mehr billigem Geld – dies kann und wird nicht funktionieren. Zahlreiche Eurostaaten sind faktisch bankrott, ihre Wirtschaft liegt am Boden, die Arbeitslosenzahlen sind unvorstellbar hoch und gut ausgebildete junge Menschen verlassen in Scharen ihre Heimat. Die USA erhöhen kontinuierlich ihre Schuldenobergrenze um mit neuen Schulden alte Schulden zu bezahlen, während die eigene Notenbank zum größten Gläubiger des Landes aufgestiegen ist. Japans Staatsverschuldung erreicht mittlerweile astronomische Höhen - kürzlich hat selbst der japanische Finanzminister, Taro Aso, vor einer finanziellen Apokalypse gewarnt. Es ist lediglich ein Tanz auf dem Vulkan und ein Spiel auf Zeit. Die Frage ist nicht, ob der Crash kommt, sondern lediglich wann. Die damit verbundenen Kollateralschäden werden leider enorm sein.

Ist „der Euro“ schuld an der Entwicklung? Oder liegen die Gründe für die Misere gar nicht in Europa?
Friedrich: Neben dem durch menschliche Gier getriebenen Irrsinn in der Finanzwelt ist auch der Euro ein Faktor für die gegenwärtige Krise in Europa. Mit unseren rein faktenbasierten Büchern zeigen wir auf, dass in der Vergangenheit alle Währungsunionen immer gescheitert sind. Der Euro ist gerade mal 13 Jahre alt, liegt aber seit Jahren auf der Intensivstation und wird nur durch fragwürdige Notprogramme der EZB künstlich am Leben erhalten. Auf Grund des Euros sind zahlreiche Länder wesentlich billiger an Geld gekommen, wie es mit ihren eigenen Währungen der Fall gewesen wäre. Das billige Geld hat in Ländern wie beispielsweise Spanien, Irland, Griechenland…. zu Blasen geführt, die geplatzt sind und von denen sich die Länder nicht so schnell erholen werden. Rein volkswirtschaftlich gesehen ist es unmöglich, dass Länder mit unterschiedlich starken Volkswirtschaften wie beispielsweise Deutschland auf der einen Seite und Griechenland, Spanien, Portugal auf der anderen Seite die gleiche Währung haben. Dies führt zwangsläufig zu einer Transferunion. Für Deutschland ist der Euro zu schwach und für die Südperipherie jedoch viel zu stark. Während viele Länder mit einer gigantischen Arbeitslosigkeit konfrontiert sind, werden wir auf Grund der Niedrigzinsphase jeden Tag schleichend enteignet. Seit 2008 wird auf europäischer Ebene lediglich eins betrieben – volkswirtschaftliche Schadensmaximierung auf Kosten der Bürger in Europa.

Fallen Ihre Warnungen auf fruchtbaren Boden?
Friedrich: Dies können wir schwer beurteilen. Wir denken jedoch, dass in der Gesellschaft ein Umdenken stattfindet, das wir so nicht weitermachen können wie bisher. Der Erfolg unseres ersten Buches ermutigt uns auch weiterhin aufzuzeigen und aufzuklären. Von Seiten der Politik können wir das oftmals jedoch nicht behaupten. Wir sehen, dass fast nichts, was lauthals nach dem Lehman-Crash gefordert wurde auch umgesetzt wurde. Was ist aus der Börsentransaktionsteuer, der Verursacherhaftung, der Einführung eines sich lange bewährenden Trennbankensystems, dem Verbot fragwürdiger Investmentvehikel geworden? Wir müssen sagen, die Finanzlobby hat einen verdammt guten Job gemacht.

Der Ökonomiekongress richtet sich in erster Linie an Unternehmer – sind die Ihre Zielgruppe?
Friedrich: Selbstverständlich! Die Zielgruppe unserer Bücher ist jeder der mit Geld zu tun hat – also wir alle. Egal ob alt oder jung, vom Kleinunternehmer bis zum Konzern. Aus diesem Grund haben wir auch die Bücher so geschrieben, das es eine 20 jährige Studentin versteht aber auch der 70 Jährige Rentner. Denn für jeden ist es essentiell, sich jetzt richtig einzustellen, auf das was kommen wird. Vorsorge ist immer besser als Nachsorge. _____________________________________________________________________________________ Info: Zum 6. Ökonomiekongress am Donnerstag und Freitag dieser Woche werden bis zu 1500 Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik erwartet. Die Veranstaltung wird von rund 100 Studenten der Universität Bayreuth organisiert. Sie ist die größte ihrer Art in Europa.

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