Bebauungsplanverfahren Ehrenrunde für den Eichelberg

Der Eichelberg im Stadtteil Colmdorf: Anschließend an die bestehende Bebauung soll das Wohngebiet nach Süden hin erweitert werden. Der Mehrheit des Bauausschusses gefällt dieses Vorgehen nicht. Der Tagesordnungspunkt wird am Dienstag nach fast einstündiger Diskussion von der Tagesordnung genommen. Die Verwaltung will Gutachten nachliefern. Foto: Nils Katzenstein

BAYREUTH. Am Eichelberg soll das Wohngebiet ausgebaut werden. Das ist der Plan, den die Stadtverwaltung auf Basis des gültigen Flächennutzungsplans verfolgt. Und das Interesse eines Investors. Um das Ziel zu erreichen, sollte der Bauausschuss am Dienstagnachmittag das Bebauungsplanverfahren und die Beteiligung der Öffentlichkeit anstoßen. Daraus wird – erst einmal – nichts.

Eine knappe Stunde hat der Bauausschuss diskutiert und hat erst einmal die mehrheitlich ablehnende Haltung zu dem Projekt eingenommen, das die Stadtbaureferentin Urte Kelm vorstellt. Mehrfach weist Kelm darauf hin: Der Stadtrat selbst habe mehrheitlich dafür votiert und schließlich die Fläche von rund 65.000 Quadratmetern als Erweiterung der Wohnbebauung am Eichelberg südlich des Heisenbergrings und unterhalb des Panoramawegs im Flächennutzungsplan der Stadt ausgewiesen. Kelm sagt auch: Die Stadt selbst habe versucht, die Flächen anzukaufen, „was leider nicht gelungen ist“.

Investor steht bereit

Jetzt gibt es einen Investor, der bereits in St. Georgen tätig wird und der auch diese Fläche am Eichelberg entwickeln wolle: die Wohnungsbaugenossenschaft Nova Sedes, das sei „kein Geheimnis“, sagt Kelm. Es gebe „eine Rahmenplanung“, die ein externes Büro gemacht habe, die „über eine öffentliche Grünfläche städtebaulich anknüpft“ an die bestehende Bebauung. Wie Kelm sagt, sei „laut Planstand 5. November die Anbindung über die Straße am Eichelberg“ möglich, sie sei mit einem Querschnitt von 10,30 Metern „entsprechend leistungsfähig“ für eine maximale Verkehrsbelastung mit 1250 Fahrzeugen. Der bekannten Problematik mit dem Oberflächenwasser wolle man durch Rigolen – also Versickerungssystemen – und Regenrückhaltebecken beikommen. Als Bebauung sehe die Planung im inneren Bereich zwei Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser und Doppelhäuser, „zum Rand hin Einfamilienhäuser zur Verzahnung mit der Landschaft vor“.

Gegenwind von mehreren Fraktionen

Gegenwind für die Planung kommt von der CSU. Aber nicht nur von der CSU. Der Fraktionsvorsitzende Stefan Specht sagt, seine Fraktion sei „einigermaßen enttäuscht von der Vorgehensweise und der Plannutzung“. Die CSU habe vor Jahren schon darauf hingewiesen, dass damals vorgesehene 70 Baugrundstücke dort zu viel seien, „wir hatten 40 bis 50 Parzellen in den Raum gestellt“. Bei der aktuellen Planung spreche man, wie Christopher Süss (JB) später sagt, „von 150 Wohneinheiten“, was Specht, Süss und auch Tina Krause (parteilos) zu viel ist. Specht fordert: Man brauche abseits der Niederschlagsproblematik im Vorfeld in jedem Fall zumindest ein Verkehrsgutachten. Was jedoch, wie Kelm sagt, normalerweise im Rahmen des Verfahrens geklärt werde.

Am Eichelberg entsteht die kühle Luft für die Stadt

Auch Sabine Steininger, die Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt, die Grünen lehnten das Projekt ab. Und zwar aus grundsätzlichen Überlegungen, dass keine weiteren Flächen versiegelt werden sollten. Im Falle des Eichelbergs komme noch hinzu: Hier entwickle sich auf den freien Flächen erwiesenermaßen die für die Stadt wichtige „kühle und frische Luft“. Dass die Planung „keinesfalls eine sinnvolle Arrondierung“ des Wohngebiets darstelle, ist der Grund für Stephan Huttner (FDP), die Ablehnung zu signalisieren.

"Im falschen Film"

Während Ernst-Rüdiger Kettel (BG) an das Gremium appelliert, „jetzt das Verfahren einzuläuten, gerade um Einwände bekommen zu können“ und die Bevölkerung einzubinden – sonder wäre der Stadtrat ja „bereits seit 2007 den falschen Weg gegangen“, kommt von Halil Tasdelen (SPD) einflammendes Plädoyer: Er habe, sagt Tasdelen, den Eindruck, er sei „im falschen Film“. Bayreuth habe mehr als 75.000 Einwohner „und Potenzial zu wachsen“. Man müsse Bauplätze ausweisen, um den Bedarf zu decken. Die Arbeit wäre „für die Katz, wir können dort dann keine Flächen mehr ausweisen“, wenn der Bauausschuss jetzt nein sage. Er betreibe, sagt Tasdelen in Richtung der mit Anwohnern des Eichelbergs voll besetzten Stuhlreihen im Sitzungssaal „keine Klientelpolitik betreiben. Da geht es um die Entwicklung der Stadt“.

Was Kelm bestätigt: Wenn der Bauausschuss „das Buch zuschlägt“, werde es nicht gelingen, diese Fläche zu einem Wohngebiet zu entwickeln. Andere zusammenhängende Flächen dieser Größe gebe es sonst nicht.

Merk-Erbe schlägt Absetzung vor

Eine Anregung von Kettel – den Tagesordnungspunkt abzusetzen – dreht die Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe weiter. Sie rege an, den Punkt zu vertagen und die vom Ausschuss gewünschten Aspekte – speziell Verkehr, Wasser und auch Klima – gutachterlich „in einer weiteren Runde aufzudröseln“. Man wolle, sagt Merk-Erbe auf Nachhaken von Stefan Specht, „eine fundierte Lösung, die eine möglichst breite Basis hat“, erreichen. Ein Vorgehen, das mit fünf Gegenstimmen den Ausschuss passiert.

Anwohner nicht glücklich mit der vorläufigen Entscheidung

Ein Vorgehen, das die Anwohner mit gemischten Gefühlen aufnehmen, wie Anwohner Michael Purucker – einer von rund 50, die im Saal waren – im Gespräch mit dem Kurier sagt. Man sei nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung. Aber gegen eine Bebauung in dem Umfang. 35 bis 40 Parzellen seien „eher realistisch“, gerade wegen der Verkehrsprobleme, die man befürchte. Und wegen der Probleme, die es bei Starkregen jetzt schon massiv gebe. Auch das Naherholungsgebiet liege den Anwohnern am Herzen.

 

5 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading