Bayreuth Altstadtschule: Die Vorurteile einfach wegkicken

Integration geht durch Sport am besten. Davon ist Xhavit Mustafa (vorne rechts) überzeugt. An der Altstadtschule - vorne links Rektor Ronald Langer - ist man überzeugt von seinem Projekt "Happy Kick it Day", bei dem die Schüler aus unterschiedlichen Nationalitäten nicht nur miteinander kicken, sondern lernen, miteinander umzugehen. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Sport bringt die Menschen zusammen. Dass diese Behauptung stimmt, zeigt einmal mehr die Altstadtschule. Denn gemäß eines ihrer Schulschwerpunkte, der Erziehung und Werten große Bedeutung zumisst, arbeitet die Altstadtschule mit Xhavit Mustafa und seiner gemeinnützigen GmbH zusammen, um mit dem Projekt "Happy Kick it Day" die Kinder unterschiedlicher Nationalitäten zusammenzubringen. Und noch mehr.

Die Begeisterung ist groß. Dafür braucht es in der Turnhalle der Altstadtschule nicht mehr als einen Fußball. Zum Termin mit dem Kurier müssen die Kinder nicht überredet werden - im Gegenteil: Schnell spricht sich herum, dass in der Halle gekickt wird.

Jungs und Mädels aus unterschiedlichen Klassen, unterschiedlicher Hautfarbe, die Mädchen mit und ohne Kopftuch, alle haben ein Ziel: den Ball. Und die Bewegung.

Mitten drin: Ronald Langer, der Rektor der Schule, der bald in Ruhestand gehen wird. Und Xhavit Mustafa, Vorsitzender des Integrationsbeirats, Fußballtrainer, Software-Entwickler und Gründer der gemeinnützigen GmbH Tor zur Welt.

Zusammen mit Studenten hat Mustafa den "Happy Kick it Day" entwickelt - und an seinen Lippen hängen sie, die Schüler, wenn er sie einweist, ihnen Tipps gibt. Oder Regeln aufzeigt.

Bestechend einfaches Konzept

Das Konzept ist so einfach wie bestechend wirksam, sagt Felicitas Müller, die derzeitige Konrektorin der Schule. An der Altstadtschule haben "mehr als 50 Prozent der derzeit 255 Kinder Migrationshintergrund". Dazu kommen die beiden Übergangsklassen, "mit Schülern, die die Sprache nicht können, aber möglichst schnell Deutsch lernen sollen".

Gerade vor dem Hintergrund sei es "nicht nur wichtig, dass von vorne herein kein Fremdenhass entsteht und dass im gleichen Maß Vorurteile abgebaut werden", sagt Müller im Gespräch mit dem Kurier.

Um den Spagat schaffen zu können, Unterschiede und Lerngeschwindigkeiten ausgleichen zu könne, "braucht es nicht nur den Unterricht, sondern andere Aktivitäten, bei den die Kinder sich kennenlernen können. Dafür hat Xhavit Mustafa seine Mithilfe angeboten".

Nur im Team geht alles besser

Die Kinder spielen an ausgewählten Vormittagen Fußball in der Schule. "So lernen sie, dass man gewisse Dinge nur im Team schaffen kann. So finden sie Verständigungsmöglichkeiten, die man nur im Sport lösen kann. Sie erfahren, dass sie gemeinsam Erfolg haben können, obwohl sie sich vorher fremd waren", sagt die künftige Schulleiterin.

Mustafa baue "immer wieder Phasen ein", in denen die Schüler sich austauschen müssten, "in denen sie sehen, dass es eben nur zusammengeht". Das Projekt, das Mustafa "als komplettes Programm mit uns erstellt, möchte er auch anderen Schulen anbieten. Wir versuchen, Sponsoren zu finden, weil wir der Ansicht sind, dass das eine wertvolle Arbeit ist. Er ist für uns eine sehr große Hilfe".

Handwerkszeug gegen Parolen

Zusammen mit ihrer neunten Klasse habe sie jetzt "Argumente gegen rechts gesammelt", sagt Felicitas Müller, "weil ich festgestellt habe, dass immer mehr Erwachsene Parolen bringen, die man im Ernstfall vielleicht gar nicht so schnell widerlegen kann. Die Schüler haben gesehen, warum es so wichtig ist, den Mund aufzumachen. Sie haben jetzt entsprechende Gesprächsstrategien zur Hand."

Charakter zählt, nicht das Aussehen

So mancher Erwachsene könne sich ein Beispiel an den Schülern der Altstadtschule nehmen: "Die Schüler nehmen sich als Menschen wahr. Die suchen sich ihre Freunde nach dem Charakter aus, nicht nach dem Aussehen." Wohl auch durch Hilfe von Xhavit Mustafa und seinem "Happy Kick it Day".

 

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