Auf dem Trockenen Wasser abgedreht: Streit um Entschädigung

Symbolfoto: Lino Mirgeler/dpa

ECKERSDORF/BAYREUTH. Zwei Wochen lang musste ein Mieter in Eckersdorf nach eigenen Angaben ohne Wasser leben. Der Vermieter habe es abgesperrt, um ihn loszuwerden und nach der Sanierung die Miete um 120 Prozent zu erhöhen. Das Amtsgericht Bayreuth hatte am 21. Juni einen Beschluss erlassen, wonach die Wasserversorgung wiederhergestellt werden muss. Bei Zuwiderhandlung wurde ein Ordnungsgeld bis zu 250.000 Euro angedroht. Nun befasste sich das Amtsgericht in einem Zivilverfahren mit dem Thema Ordnungsgeld.

Der Rechtsanwalt des Vermieters, Michael Söllner, bezweifelte, dass sein Mandant das Wasser abgestellt hatte. Der Kellerraum mit der Hauptleitung sei öffentlich zugänglich. Seit dem 21. Juni sei das Wasser nicht mehr abgedreht gewesen. Richterin Christine Oertwig sagte zum Vermieter gewandt: „So geht das nicht. Sie müssen das vorher ankündigen, können nicht einfach das Wasser abdrehen.“

"Gelebt wie ein Hund"

Dieser versicherte, er habe das mehrfach angekündigt; doch die Rechtsanwältin des Mieters, Irina Buchta, bestritt das. „Mein Mandant wollte nie ausziehen, wird nun Schadenersatz geltend machen“, kündigte sie an. Der Vermieter habe sein Ziel erreicht, den letzten Mieter loszuwerden. „Er hat ohne Wasser gelebt wie ein Hund“, zeigte sich Buchta aufgebracht.

Ihr Mandant sei kürzlich nach Bayreuth gezogen, müsse dort mehr Miete zahlen. Die Rede war von 210 Euro in Eckersdorf und von 365 Euro in Bayreuth. Die Forderung an den Vermieter: mindestens 10.000 Euro.

Der emotionale Auftritt von Buchta veranlasste Söllner dazu, ihr einen Rachefeldzug zu unterstellen. Sie solle doch eine „gewisse emotionale Distanz bewahren“. Dass Buchta der Gegenseite unter dem Briefkopf „Mieterverein Bayreuth“ geschrieben hatte, sorgte bei dem ortsfremden Söllner für Irritationen.

Oertwig klärte dies auf: „Frau Buchta ist der Mieterverein“. Bekanntlich ist sie dessen Vorsitzende, vertritt als Anwältin aber auch Mieter.

Fünf Abmahnungen

„Mir ist bewusst, dass Sie den Mieter auf relativ einfache Weise losgeworden sind“, sagte die Richterin zum Vermieter. Der Mieter hatte eine Kündigungszeit von neun Monaten.

Söllner erläuterte, der Mieter habe fünf Abmahnungen bekommen, unter anderem, weil er die Bauarbeiter gefilmt und behindert habe. „In diesem Sinne hätte man ihn rauskriegen können.“ Buchta widersprach heftig und warf dem Vermieter vor: „Einer, der sich nicht ans Gesetz hält, wird belohnt.“

Sie verlangte 6000 Euro „Schmerzensgeld“, die Gegenseite wollte nur 3000 Euro zahlen. Die Verhandlung wird im September fortgesetzt.

 

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