ATU baut in Verwaltung 300 Stellen ab

Eine weihnachtliche Frohbotschaft klingt anders: Um etwa jede dritte Stelle dünnt die Werkstattkette ATU ihren Verwaltungsbereich bis Ende 2020 aus. Der drastischen Maßnahme steht ein unternehmerisches „Trostpflaster“ gegenüber.

ATU will zumindest ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen und die Reduzierung um bis zu 300 Vollzeitstellen weitestgehend durch „natürliche Fluktuation“ bewältigen.

Betroffen sind in erster Linie die Zentralverwaltung in Weiden und die fünf deutschen Regionalzentren, bestätigte ein Unternehmenssprecher. Die angestrebte Einsparung von 15 Millionen Euro soll ATU finanziell die Luft verschaffen, das produktive Personal in den Filialen „spürbar“ aufzustocken: Vor Ort arbeiten derzeit rund 9000 Mechaniker und Mechatroniker direkt am Kunden. Von Januar an sind „intensive Gespräche“ mit Betriebsrat und Gewerkschaft geplant.

Veränderungsdruck

ATU sieht sich gewaltigem Veränderungsdruck ausgesetzt, der auch deshalb so dringlich ist, weil in den vergangenen Jahren wichtige Investitionen unterblieben. Der Investitionsstau gerade in die IT brennt unter den Nägeln.

Mit der Übernahme durch den französischen Familienkonzern Mobivia Ende 2016 weht ein neuer Wind. Eine satte Millionensumme – in zweistelliger Größenordnung – fließt unter anderem in die Digitalisierung der Zentrale sowie in die Beschleunigung von Arbeitsprozessen zwischen der Zentrale und den Filialen.

Vernachlässigtes Online-Umfeld

Vor allem im bisher vernachlässigten „Online-Umfeld“ stehen praktische Erleichterungen für die Kunden bei der Auftragsannahme und -vergabe in den Filialen an: deutliche Signale für ein Mehr an Effizienz.

Wie ein Unternehmenssprecher versichert, stehe der Abbau der Zentralverwaltung in keinem Zusammenhang mit der neuen Eigentümer-Struktur, sondern sei eine (überfällige) unternehmerische Entscheidung.

Mit dem Umsatz von ATU war es von einst mehr als 1,4 Milliarden Euro auf zuletzt weniger als eine Milliarde Euro im Lauf der Jahre steil bergab gegangen. Im jüngsten Geschäftsjahr, das am 30. Juni 2017 abschloss, erzielte die Werkstattkette einen leichten Zuwachs von 0,7 Prozent und bewegt sich damit wieder knapp unter der Milliarden-Schwelle.

Winter beflügelt Geschäft

Auch der Wintereinbruch im Dezember beflügelt das operative Geschäft. Unterm Strich soll die Zahl von derzeit rund 10.000 Mitarbeitern in den nächsten Jahren etwas wachsen.

Wie Geschäftsführer Jörn Werner Ende April bestätigte, läuft in den zwei Aachener ATU-Filialen ein Test mit dem kompletten Sortiment von Mobivia-Tochter Norauto. Mit dem Einstieg von Mobivia entstand das größte Kfz-Service-Unternehmen Europas mit fast 2000 Werkstätten, 20.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 2,7 Milliarden Euro.

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