Arbeitgeber Der Fachkräftemangel ist zum Teil hausgemacht

Symbolfoto: Stephanie Pilick/dpa

KOMMENTAR. Früher konnten sich Arbeitgeber, die einigermaßen gut zahlten, sicher sein: Bei Stellenausschreibungen stapeln sich die Bewerbungen, und die Auswahl ist groß. Das hat sich geändert. Heute müssen sich Unternehmen nach gutem Personal strecken. Das ist für Arbeitnehmer ein positiver Effekt des Fachkräftemangels. Und ein Schuss vor den Bug für Firmen, die langfristige Personalentwicklung als lästigen Klotz am Bein verstehen.

Fachkräftemangel – beinahe täglich hört man die Meldungen in den Nachrichten. Mal ist er schon da, mal droht er. Je nach Branche. Aber hört man einmal in die Betriebe rein, dann gibt es durchaus Rezepte dagegen. Das fängt beim Obstkorb an, den die Firma ihren Abteilungen zweimal wöchentlich spendiert, und geht über das umfassende Sportangebot bis hin zu Beratungsleistungen, Gesundheitstagen und Kursen zu Stressbewältigung. Keine der genannten Leistungen für sich wird einen Arbeitnehmer davon überzeugen: Mensch, in dieses Unternehmen will ich unbedingt! Es ist das Gesamtpaket, das eine Firma attraktiv macht für Bewerber.

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Man mag nun einwenden, dass ein attraktives Angebot für Arbeitnehmer vielleicht dem einzelnen Unternehmen weiterhilft. Wer das beste Angebot macht, bekommt die letzten Fachkräfte auf einem leer gefegten Arbeitsmarkt. Aber das Problem des Fachkräftemangels als solches bleibt bestehen. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Auch hier haben die Arbeitgeber Möglichkeiten. Sie müssen ihren Leuten nur zuhören und rausfinden, wo der Schuh drückt, bevor Mitarbeiter frustriert das Weite suchen.

Zauberwort: Familienfreundlichkeit

Das Zauberwort heißt Familienfreundlichkeit. Wer flexible Modelle anbietet – Homeoffice, Teilzeit, Ein- und Ausstiegsmodelle für Schwangere, Kitaplätze –, der erschließt sich ein ganz neues Bewerberfeld. Nämlich jene, die aufgrund ihrer Lebenssituation gar nicht dran denken, sich auf eine Ganz-oder-gar-nicht-Stelle zu bewerben. Und eine Firma, die neben anständiger Bezahlung noch eine langfristige Perspektive und eine gute Atmosphäre am Arbeitsplatz bietet, die braucht so bald nicht wieder suchen.

Es kann sicher nicht jeder Arbeitgeber alles anbieten, denn jeder Arbeitsplatz hat seine eigenen Anforderungen. Aber einfach nur in das Jammerlied des Fachkräftemangels einzustimmen, hilft niemandem. Es gilt, kreative Lösungen zu finden und auch mal den Mut zu haben, ungewöhnliche Wege zu gehen. Dann klappt’s auch mit den Fachkräften.

moritz.kircher@nordbayerischer-kurier.de

 

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