Altmeister Neuer Musik Komponist Helmut Bieler gestorben

Der liebenswürdige Altmeister Neuer Musik: Helmut Bieler. Im Alter von 78 Jahren ist er gestorben. Foto: Michael Weiser

BAYREUTH. Helmut Bieler ist tot. Der Komponist Neuer Musik starb nach langer Krankheit im Alter von 78 Jahren. Bieler bleibt den Bayreuther Musikfreunden vor allem durch sein Festival "Zeit für Neue Musik" in Erinnerung.

Helmut Bieler besaß Vorzüge, die selten sind, zumal unter Künstlern, die als Selbstvermarkter besonders darauf angewiesen sind, dass sie sich ins beste Licht rücken. Also: Helmut Bieler war sehr bescheiden. Und er besaß ein ausgesprochenes Talent zur Selbstironie, die sich zum Beispiel äußerte, wenn er sich über seine Breitenwirksamkeit lustig machte. Dann erzählte er zum Beispiel die Geschichte von seiner Mutter, die ihn einst gefragt habe, warum er eine solche Musik komponiere, er sei doch eigentlich ein netter Mensch.

"Eine solche Musik": das war bis zuletzt die sogenannte Neue Musik, Musik der Gegenwart, die vielleicht auch mal in der Spätromantik wurzelte, aber diesen Wurzeln weit entwachsen ist, die wegstrebt von Tonalität, auch in der Instrumentierung neue Wege geht. Bieler konnte, ein Kontrast zu seinem sanften Wesen, auch mal ein "Wilder" der Gegenwartsmusik sein, einer, der bei Gelegenheit ordentlich auf die Pauke hauen ließ, mit Sinn für dramatischen Effekt, aber auch da oft augenzwinkernd. Bieler hatte, wie erwähnt, Humor.

Helmut Bieler wurde am 7. Juni 1940 in Gersfeld/Rhön geboren. Nach dem Studium von Komposition, Schulmusik und Klavier an der Staatlichen Hochschule für Musik in München war er einige Jahre als Musiklehrer am Musischen Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasium in Bayreuth tätig, bevor er 1979 dem Ruf an die Universität Bayreuth folgte. Bis zu seiner Pensionierung im Herbst 2004 war er dort Professor für Musikdidaktik und Musiktheorie.

Über 100 Werke

Bielers Werk umfasst mehr als 100 Kompositionen, darunter Orchester- und Kammermusik, eine Kammeroper und Orgelmusik und Vokalkompositionen. Texte aus der Bibel vertonte er ebenso wie Gedichte von Rainer Maria Rilke und Matthias Claudius. Viele von Bielers Werken wurden auch für Rundfunk oder Fernsehen eingespielt, seine Kompositionen wurden bei renommierten Festivals im In- und Ausland gespielt.

2008 erhielt er den Preis für Musik der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Außerdem wurde er mit dem Kulturförderungspreis der Stadt Nürnberg (1980) und dem Kulturpreis der Stadt Bayreuth (1992) gewürdigt. In Bayreuth wirkte er auch hauptsächlich. Beim Festival junger Künstler gehörte Bieler lange Jahre zum Vorstand. Bereits als Musikstudent war er Teilnehmer des Festivals gewesen, später wirkte er dort als Dozent.

Intendantin Sissy Thammer erinnert sich an Bielers ruhige und ausgleichende Art. Stets sei es sein Bestreben gewesen, mehrere Seiten zu sehen. „Mit seinem glasklaren Verstand wirkte er sehr mediatorisch,“ sagt Thammer. „Ich habe ihn als Künstler bewundert und war beeindruckt von seinem Festival mit Neuer Musik." Die Reihe "Zeit für Neue Musik" gründete Bieler 1988; bereits 1980 hatte er in Bayreuth das Ensemble Musica Viva gegründet. Mitstreiter und Kollegen hoben stets seine Liebenswürdigkeit und Großzügigkeit hervor.

Was von Bielers Schaffen bleibt? „Es bleibt die Lebendigkeit seiner Kompositionen“, sagt Sissy Thammer.

we/roko/mit Material von epd

 

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