Als der Mops von René Thalwitzer angegriffen wurde, beschloss er zu handeln Tieranwälte kämpfen für Hund und Katze

Was passiert mit dem Tier, wenn es nach dem Kauf krank wird? Was muss der Besitzer fürchen, wenn er keine Haftpflicht für das Tier abgeschlossen hat? Wer bekommt das Tier bei der Scheidung? Um diese Fragen kümmert sich der Tieranwalt.

Das Pferd entwischt aus der Koppel, rennt auf die Bundesstraße und verursacht einen Verkehrsunfall. Wer ist schuld?. Ein Ehepaar kauft sich einen Yorkshire Terrier von einem Züchter. Zwei Tage später ist das Tier todkrank. Können die Käufer den Hund wieder zurückgeben oder bekommen sie Schadensersatz?

Diese Fragen können die Rechtsanwälte Dorrit Franze  und René Thalwitzer aus Bayreuth beantworten. Genauer gesagt sind sie Tieranwälte: Korrekt ist die Bezeichnung Tieranwalt eigentlich nicht, da das Tierrecht kein Spezialrechtsgebiet im streng juristischen Sinne ist. Es ist vielmehr eine Schnittstelle verschiedener Rechtsgebiete wie Zivilrecht, Verwaltungsrecht oder Strafrecht.

Dorrit Franze ist vier Jahre alt, als sie beschließt kein Fleisch mehr zu essen. Später in der Schulzeit wird sie zur Veganerin. Das war im Februar 1994, als sie eine Facharbeit in Biologie über Vegetarismus schrieb. Sie trägt kein Leder, kein Fell, keine Seide, keine Wolle. "Es ist eine Lebeneinstellung", sagt die 38-Jährige. 

Wenn Katzen keinen Schaden verursachen, muss man sie auf Gründstück dulden

"An der Wand in ihrem Besprechungszimmer hängen die eingerahmten Fotos der Tiere, deren Besitzer sie vertritt. Auf einem Foto sind eine dunkle- und eine rotgetigerte Katze abgebildet. Der Nachbar des Katzenbesitzers hat sich nach zehn Jahren daran gestört, dass das Katzenduo über sein Grundstück läuft. Franze schilderte dem Nachbar in einem Schreiben die rechtliche Situation. Wenn Katzen keinen Schaden verursachten, seien sie auf dem Grundstück zu dulden. Jetzt dürfen die Katzen wieder über das Grundstück streifen.

Auf einem anderen Bild steht eine braun-weiße amerikanische Bulldogge Ida auf einer Wiese. Die Behörde hielt die Hündin für einen Stafford Terrier und wollte den Hund wegnehmen. Ida wächst bei einer Familie mit zwei Kleinkindern auf. Franze kontaktierte die Behörde. Ein Gutachter stellte fest, dass die Hündin kein reinrassiger Staffordshire sei. Ida machte noch einen Wesenstest, der die Verhaltenseigenschaften des Hundes überprüft. Die Hündin bestand den Test und sie durfte bei der Familie bleiben.

Ein Tierschutzverband hat kein Verbandsklagerecht

Nach Franzes Ansicht sollten auch Tierschutzorganisationen ein Verbandsklagerecht haben. Verbände, die sich für Umweltthemen oder behinderte Menschen engagieren, haben das Recht zu klagen. Wenn aber irgendwo eine Schweinemast steht und die Tiere leben dort in einem katastrophalen Zustand, dann kann ein Tierschutzverband nicht klagen. Zumindest noch nicht in Bayern. "Sie können bei der Polizei oder dem Veterinäramt Strafanzeige stellen, aber sie können das Verfahren danach nicht mehr verfolgen, sie haben keine Akteneinsicht", sagt Franze.

"Ich bin der Meinung, dass Tiere weder leiden noch getötet werden sollen", sagt Franze. Ihren eigenen Hund rettete Franze aus einer Tötungsstation auf Mallorca. Sie machte dort gerade Urlaub und kontaktierte mehrere Tierschutzorganisationen. "Ich konnte es mal wieder nicht lassen", sagt sie. Als sie wieder in Deutschland war, erhielt sie eine E-Mail mit Bildern von fünf Hunden, die getötet werden sollten. Sie entschied sich für die braun-weiße Mischlingshündin Lupa.

Es gibt nicht viele Rechtsanwälte, die sich auf Tierrecht spezialisiert haben. Die Telefonauskunft von anwalt.de nennt zwei Kanzleien in Bayreuth, die sich mit Tierrecht beschäftigen. Allerdings sind die Rechtsanwälte dort nicht verpflichtet ihre Tätigkeitsschwerpunkte zu nennen. Bei der Rechtsanwaltskammer Bamberg, zu der auch Bayreuth gehört, ist das Tierrecht überhaupt nicht aufgelistet.

"Ich dachte, Bobby überlebt den Angriff nicht mehr", sagt Tieranwalt René Thalwitzer

Sein vierjähriger Mops Bobby ist schuld, dass Rechtsanwalt René Thalwitzer sich auch mit Tierrecht beschäftigt. Sein Hund wurde zweimal vom gleichen Hund angegriffen. Ein großer Mischlingshund rannte ungeleint umher, ein Besitzer war nicht in der Nähe. Er packte Bobby am Nacken und schüttelte ihn wie eine Beute hin und her. „Ich dachte, Bobby überlebt den Angriff nicht mehr“, sagt Thalwitzer. Der 37-Jährige musste dazwischen gehen. Nach dem Schock kaufte sich Thalwitzer erst einmal Bücher zum Thema Tierrecht. „Ich will wissen, wie Tierrecht funktioniert“, sagte er sich damals.

Thalwitzer hat oft mit Beißvorfällen zu tun: Großer Hund beißt kleinen Hund, Hund beißt Mensch, Hund springt Menschen an, dieser stolpert und verletzt sich. In einem Fall ging ein angeleinter Hund mit seiner Besitzerin an einer Passantin vorbei. Der Hund erschrak und zwickte ihr ins Bein. Eine Haftpflichtversicherung für das Tier hatte die Besitzerin nicht abgeschlossen. Sie musste daher die Kosten selbst zahlen.

Man sollte die Tierhaltersprache verstehen

„Für ihre Tiere machen die Mandanten alles“, sagt Thalwitzer. Deswegen sei es seine Aufgabe Vertrauen zu schaffen. Dass er selber Tierbesitzer sei, helfe da natürlich. Wichtig sei auch, dass er die Tierhaltersprache verstehe. Begriffe wie die Schleppleine oder die Flexileine für den Hund sollte er schon kennen. „Der größte Irrtum einiger Mandanten liegt darin, dass sie glauben, dass sie nichts dafür können und deswegen auch nicht schuld sind“, sagt Thalwitzer. Nach dem Gesetz komme es aber nicht darauf an, ob ein Verschulden vorliege, haften müsse der Halter trotzdem.

Thalwitzer versteht sich als Interessenvertreter der Tiere, der auch erst einmal Ruhe in den aufgewühlten Gemütszustand der Tierbesitzer bringen muss. „Man darf das Tier nicht aus den Augen verlieren“, sagt Thalwitzer. Mit einem Tierrechtsfall wurde Thalwitzer schon während seiner Referendarszeit konfrontiert. Ein Falke stand auf den Isolatoren eines Mastes und erlitt einen Stromschlag. An den Ausgang des Falles könne er sich nicht mehr erinner, aber geprägt hat es ihn trotzdem.

 

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