Wirtschaftsthemen spannender machen

Ab Januar führen Sie die Wirtschaftsjunioren Deutschland. Ihre Motivation?

 

Kristine Lütke: Ich bin seit jeher in unterschiedlichsten Bereichen engagiert und möchte mit meinem Einsatz zu einer Verbesserung des Wirtschaftsstandorts Deutschland beitragen. Dabei gibt es viele Themenfelder in denen wir jetzt die Weichen für die Zukunft stellen müssen.

 

Welche?

Lütke:  Wir brauchen tragfähige Lösungen für den demografischen Wandel, für die Integration von Flüchtlingen, es gilt außerdem die Digitalisierung weiter voranzutreiben und zu begleiten aber auch in diesen politisch unruhigen Zeiten für ein weltoffenes, in die europäische Gemeinschaft eingebundenes, Deutschland zu werben.

 

Was steht konkret an, was wollen Sie erreichen?

Lütke: Momentan beschäftige ich mich noch mit dem „Feintuning“ meiner Pläne für 2018. Außerdem liegt es mir am Herzen meinen diesjährigen Auftrag als Bildungsverantwortliche der WJD e.V. zu Ende zu bringen.

 

Und 2018?

Lütke: Für 2018 habe ich einiges vor. So möchte ich mit meinem Team Lösungsansätze für verschiedene gesellschaftliche Themen erarbeiten, vor allem der Bereich „Arbeit und Familie“, ein neues Verständnis des Generationenvertrages und ein klares Bekenntnis der jungen Wirtschaft zu Europa und zum Euro liegen mir dabei am Herzen. Daneben möchte ich das Thema Frauen in der Wirtschaft oder als Unternehmerinnen bespielen, aber auch das Bild des Unternehmers in der Gesellschaft positiv verändern.

 

Wo hakt es noch?

Lütke: Um es mal salopp zu sagen: Wirtschaftsthemen werden im Allgemeinem eher als trocken empfunden, denn als „sexy“. Hier möchte ich mit entsprechender Leidenschaft und Begeisterung ansetzen und zeigen, dass es durchaus spannend sein kann, sich z.B. Gedanken zu machen über die Organisation einer flächendeckenden und adäquaten Kinderbetreuung oder wie wir sozial benachteiligten Jugendlichen die Türen in ein gutes Beschäftigungsverhältnis öffnen können. Denn dies sind ja Themen, die nicht nur uns als junge Wirtschaft umtreiben, sondern große Teile der Gesellschaft betreffen.

 

Was machen Sie selbst beruflich?

Lütke: Ich stehe seit etwa zehn Jahren an der Spitze unseres Familienunternehmens, einer Dienstleistungsgesellschaft und den dazugehörenden stationären Altenpflegeheimen im Großraum Nürnberg.

 

Hat die Wirtschaft genug Unternehmer-Nachwuchs?

Lütke: Leider nein. Das Bild des Unternehmers in der Gesellschaft ist nach wie vor negativ besetzt.

 

Woran spüren Sie das?

Lütke: In unseren Projekten und im Austausch mit Kindern und Jugendlichen erlebe ich immer wieder, dass Unternehmern und Arbeitgeber, überspitzt gesagt, als „hartherzige und raffgierige Gschäftlesmacher“ angesehen werden, die ihre Angestellten schikanieren und selbst nur Kaffee trinken.  Dass wir kleine und mittelständische Unternehmer aber viel mehr sind als das, nämlich meistens Menschenfreunde, ein tragender Teil unserer Gesellschaft und zu großen Teilen verantwortlich für das wirtschaftliche Wohlergehen unseres Landes, wird gerne übersehen. Dies ist der eine Teil der Problematik.

 

Und der andere?

Lütke: Die Politik macht uns durch immer neue Regulierungs- und Dokumentationsanforderungen das Leben schwer und erstickt neue, kreative Ideen.

 

Firmenübergaben sind schwierig. Was wird oft falsch gemacht? 

Lütke: Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass der Übergang tatsächlich nicht immer einfach ist. Für viele Unternehmer ist es mehr als eine Herausforderung, „ihr Lebenswerk“ loszulassen und das Ruder zu übergeben. Den Jungen den Vortritt zu lassen und damit auch die Verantwortung zu übergeben klingt meist leichter, als es dann in Realität ist. Wir Jungspunde sprudeln dagegen häufig vor Ideen und möchten diese mit viel Idealismus umsetzen. Und scheitern dann an den Umständen des wahren Lebens oder der fehlenden Erfahrung, z.B. im Umgang mit Mitarbeitern.

 

Wie funktioniert es dann doch?

Lütke: Mit vielen Gesprächen, gegenseitigem Respekt und Verständnis. Mein Vater und ich haben das nach einigen Auseinandersetzungen gut hinbekommen und durften so vom Zusammenspiel langjähriger Erfahrung mit neuen Ideen und dem Blick in die Zukunft profitieren.

 

Junge und ältere Unternehmer - was sind die auffälligsten Unterschiede?

Lütke: Ältere Unternehmer haben mehr Berufs- und Lebenserfahrung, vielleicht auch ein bisschen mehr Gelassenheit im Umgang mit den täglichen Herausforderungen. Jüngere Unternehmer sind häufig „digital natives“ und offener für neue Technologien und Medien.

 

Deutschland will Gründerland sein. Sind die Bedingungen für Start-ups gut?

Lütke: In den letzten Jahren hat sich die Situation glücklicherweise verbessert. Dazu haben auch TV-Formate wie die „Höhle der Löwen“ ihren Teil beigetragen. Dennoch gibt es nach wie vor einige Hürden, vor allem wenn es um die Finanzierung geht. Ebenso hakt es bei der Zusammenarbeit mit etablierten Unternehmen. Hohe bürokratische Anforderungen z.B. im Hinblick auf das Mindestlohngesetz wirken als hemmender Faktor. Außerdem stellen bestimmte Anforderungen des Arbeitszeitgesetzes ein Hemmnis dar.

 

Was muss besser werden?

Lütke: Eine schnelle und verlässliche Internetverbindung überall in Deutschland, auch außerhalb der Ballungsräume, ist unerlässlich. Daneben sollten die bürokratischen Anforderungen abgebaut werden. Besonders wichtig halte ich die Flexibilisierung des Arbeitszeitgesetzes, so dass deutsche Start-ups im internationalen Vergleich bestehen können.

 

Das Wissen über Wirtschaft und Finanzen ist bei jungen Leuten sehr lückenhaft. Was tun?

Lütke: Wir merken immer wieder, dass vor allem ganz pragmatisches Wirtschaftswissen fehlt. Wir Wirtschaftsjunioren arbeiten hier bereits mit vielen Projekten, wie z.B. unserem bundesweiten Quiz „Wirtschaftswissen im Wettbewerb“ oder Projekten wie „Schüler als Bosse“ daran, den Austausch zwischen Lehrern, Schülern und der Wirtschaft zu fördern.  Außerdem werben wir seit langem für ein Schulfach Wirtschaft bzw. je nach den Voraussetzungen der einzelnen Bundesländer um eine Ergänzung des Lehrplanes um wirtschaftliche Kernthemen.

 

Reicht das?

Lütke: Daneben wäre in erster Linie wichtig, Schulen wieder zu einem angenehmen Ort des Lernens zu machen. Hier sehe ich deutschlandweit Investitionsbedarf, vor allem im technisch- digitalen Bereich.

 

Was machen Sie am liebsten, wenn Sie nicht im Job sind?

Lütke: Ganz klar, meinem liebsten Hobby, den Wirtschaftsjunioren nachgehen.

 

Sie wohnen in Nürnberg?

Lütke: Ja, in der schönsten Stadt der Welt, vor allem um die Weihnachtszeit.

 

Familie?

Lütke: Ich bin begeisterte Tante meiner zwei Neffen (drei und fünf Jahre).

 

Sportlich?

Lütke: Auf jeden Fall. Ich laufe regelmäßig beim Stadtlauf mit. Im Winter bin ich gerne in den Bergen beim Ski- oder Snowboardfahren.

 

Sie wollen unbedingt noch...?

Lütke: Eine ganze Menge - vor allem aber noch die Welt bereisen.

 

Ihre weitere Lebensplanung? 

Lütke: Leben ist das was passiert, während man andere Pläne macht. Ich werde, wie bisher auch, die Chancen die sich mir im beruflichen Umfeld, im Verband und im Privaten bieten, nutzen.

 

Zur Person

Die Nürnberger Unternehmerin Kristine Lütke, Gerontologin und Sozialpädagogin, ist 35 Jahre alt und steht an der Spitze eines Familienunternehmens mit drei Altenpflegeeinrichtungen und einer Dienstleistungsgesellschaft. Seit 2013 ist sie für die Wirtschaftsjunioren aktiv, 2018 wird sie Bundesvorsitzende.

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