Wie es ist, eine Burg zu erben

Seit 1875 ist das altehrwürdige Gemäuer im Besitz der Familie von Sohlern, vor vier Jahren starb Michael Freiherr von Sohlern, ein entfernter Verwandter der Familie seiner Frau. „Wir mussten innerhalb von sechs Wochen überlegen, ob wir das Erbe mit allen Verpflichtungen annehmen oder nicht“, erzählt Pleiner.

Es folgten Gespräche mit Banken und Architekten, denn dass es eine große Aufgabe werden würde, war klar. Alleine hätten seine Frau, Schwiegermutter und Schwägerin das Ganze wohl nicht gestemmt. Aber ihn hat es gereizt, da was zu machen. „Die Burg liegt gut, in einem von Touristen stark frequentierten Gebiet“, sagt er. Und wenn nur zehn Prozent der Besucher, die nach Gößweinstein in die Basilika kommen, auch zur Burg wandern, dann würde es funktionieren, war er sich sicher.

10.000 Besucher pro Saison

Und Pleiner behielt recht. Rund 10.000 Besucher kommen mittlerweile pro Saison, die von Ostern bis Oktober geht. Zur Besichtigung offen ist aber nur das untere Geschoss. Oben ist gesperrt, weil es keinen erforderlichen Fluchtweg gibt. Außerdem ist auf dem Aussichtsturm ein Funkmast installiert, da ist ein Aufstieg auch nicht gestattet.

Momentan zahlt er nicht drauf, wird aber natürlich auch nicht reich mit dem Erbe. „Wir sind jede freie Minute hier, investieren Geld und Zeit“, sagt Pleiner. Zum Glück zieht die ganze Familie mit, sonst ginge das alles nicht.

Auf der unteren Terrasse haben sie den Garten angelegt, einen kleinen Kiosk im Eingangsbereich gebaut, sind eigentlich ständig irgendwo am Werkeln. Zur Zeit ist der Maschinenbauingenieur, der vor zwei Jahren noch ein Studium zum Wirtschaftsingenieur dranhängte, dabei, ein Konzept für die Burg zu erstellen.

„Es müssen noch einige Vorklärungen gemacht werden, vor allem, was den Denkmalschutz angeht“, sagt Pleiner. Er hofft, dass noch in diesem Jahr das Konzept steht und auch die Banken grünes Licht dazu gegeben haben, damit im nächsten Jahr Nägel mit Köpfen gemacht werden können und das zwingend benötigte Voruntersuchungspaket abgeschlossen werden kann.

Viel Privatgeld reingesteckt

„Das läuft alles nebenbei“, sagt Pleiner. Sie haben schon eine Menge Privatgeld reingesteckt. Aber hier gehe es um Millionenbeträge, um was zu erreichen. Und staatliche Förderungen gibt es bisher nicht. „Die Denkmalschutzbehörde hat nur sehr begrenzte Mittel“, resümiert er. Gut wären ein oder mehrere Sponsoren, so Pleiner. Er ist zwar in Gesprächen, wirbt für die Sache, aber bislang hat sich noch nichts aufgetan.

Also ist er mit anderen Einnahmequellen beschäftigt – neben den Öffnungszeiten zur Besichtigung. So hat er im Zuge der Konzepterarbeitung Anfang des Jahres eine Umfrage unter den Besuchern gemacht, wollte wissen, was man noch besser machen könne, was gewünscht wird.

Die Resonanz war gut, ein hundertprozentiger Rücklauf. „Viele äußerten den Wunsch, auf den Turm zu steigen, um die geniale Aussicht von dort genießen zu können“, sagt Pleiner. Aber das geht nun mal nicht. Also kam er auf die Idee, eine 360-Grad-Webcam zu installieren. Diese ist nun hoch oben am Turm installiert und liefert faszinierende Bilder von dort. Zu sehen sind sie auf der Homepage der Marktgemeinde, der Burg und der www.franken-360.de. Pleiner will am Aufgang noch einen Bildschirm anbringen, um die Bilder dort auch zu zeigen.

Ein tolles Projekt

„Du bist verrückt“, haben seine Eltern gesagt, als er sich entschlossen hatte, das Burg-Erbe anzutreten. „Aber warum soll ich es nicht machen? Ich bin noch jung und es ist ein tolles Projekt“, sagt Pleiner. Und wenn die Banken das Ganze nicht finanziell unterstützen wollen, dann macht er es eben auf privater Basis. Es ist mehr das ideelle, was ihn zieht. Für seine Frau, Schwiegermutter und Schwägerin bedeutet das alles etwas anderes. Sie haben auf der Burg schon als Kinder gespielt, haben einen ganz anderen Bezug.

Info: Weitere Informationen unter www.burg-goessweinstein.de, die Bilder der Webcam sind unter www.franken-360.de zu finden.

Nicht bewertet

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