Wespen: Viele Königinnen überlebten

Fey Batzaka, die Pächterin des Schlossbergbiergartens: „Momentan hält es sich noch in Grenzen. Aber es sind schon einige da. Das ist früh“, sagt sie. Stimmt das, oder ist das ein rein subjektives Empfinden? „Nein. Das stimmt“, sagt Phillip Wagner, Leiter der Bezirksgeschäftsstelle Oberfranken des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Bayreuth. Bei uns sei es zwar etwas länger kalt gewesen als in anderen Regionen, aber der warme März, der wärmste seit dem Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1851, sei auch bei uns sehr förderlich für die Wespen gewesen - genauso wie der ungewöhnlich warme Mai.

Temperaturen spielen die Hauptrolle

Im Moment sieht es für die Wespen allerdings sehr gut aus. Wenn das Frühjahr warm und trocken ist, können sich die Völker schnell und gut entwickeln. Normalerweise sind die Wespen nicht so früh draußen wie jetzt. Ob man durch das frühe Wespenaufkommen auch Rückschlüsse darauf ziehen kann, ob 2017 jetzt ein „Super-Wespenplagejahr“ wird, könne niemand sagen. Jetzt würde es auf den Juni ankommen. Die Temperaturen spielen die Hauptrolle.

Fressen für den Wespenbussard

Was den Menschen teilweise zur Verzweiflung treibt, ist allerdings förderlich für die Vogelwelt. Je mehr Insekten, die Wespe etwa ist ein gefundes Fressen für den Wespenbussard, der auch bei uns unterwegs ist und der sich auf diese Tiere spezialisiert hat (bei uns die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe), desto besser die Vogelbrut. Die Frage, ob es ein grundsätzlich gutes Jahr für alle anderen Insekten auch werden könnte, steht im Raum, „da spielen auch noch ganz andere Faktoren eine Rolle. Insekten haben grundsätzlich stark abgenommen.

Industrialisierung der Landwirtschaft

Was durch die Industrialisierung der Landwirtschaft begründet ist. Ohne entsprechenden Lebensraum kann das Wetter noch so gut für Insekten sein – es würde nichts nützen.“ Eine Erkenntnis, die inzwischen selbst schon in Kindergärten aufgenommen wurde und wo Kinder zusammen mit ihren Eltern und den Erzieherinnen Insektenhotels bauen. Zwar auch für die Insekten selbst, aber auch deshalb, weil die Insekten Nahrung für Vögel sind. Und dazu gehören auch nun einmal die Wespen, die im Gegensatz zu der Biene, eher einen schlechten Ruf genießen.

Seit rund drei Wochen unterwegs

Was man in diesem Jahr beobachten kann, ist, dass die Tiere, die schon seit rund drei Wochen unterwegs sind, viel früher als sonst, größer sind, als die, die man üblicherweise kennt. Dabei handelt es sich aber nicht um eine besondere Art, sondern um Königinnen. Sie sind die Einzigen des Wespenstaates, die überwintern und sich einen warmen Ort dafür suchen (alle anderen des Wespenstaates sterben) und dann im Frühjahr herumfliegen, um nach einem guten Ort für ihren Staat zu suchen. Königinnen sind in der Regel deutlich größer, als die Arbeiterinnen, die wir von unserem Obstkuchen oder der Limonade her kennen.

„2016 Jahr war ein sehr schlechtes Jahr für Wespen. Aber es scheint so zu sein, dass trotzdem sehr viele Königinnen den Winter überlebt haben. Das ist ja das Entscheidende für dieses Jahr“, so Wagner.

Je mehr Königinnen überleben, desto mehr Völker werden gebildet. Das mag zwar den Leuten, die gemütlich in der Eisdiele sitzen und vielleicht einen Stich abbekommen nicht so passen, ist aber wichtig für manche anderen Tieren – als Futter.

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