Wenn 1000 Holzstöße Feuer fangen

Um 16 Uhr ist es noch recht ruhig an der Schlossleite. Ein Holzstoß brennt bereits, bald geht es los. Maria Schriefer hat schon ihren Klettergurt um. Die Achtjährige ist eine der Feuerschürer. Ein halbes Jahr war sie alt, als sie ihr Papa im Tragetuch zum ersten Mal mit zum Feuerschüren nahm. Die Schlossleite ist einer von vier Hängen um das Herz von Pottenstein. Insgesamt werden zur Ewigen Anbetung um die 1000 Holzstöße entzündet. Damit das gelingt, braucht es eine gute Vorbereitung. Im November werden Bäume gefällt, da sind auch Maria und ihr elfjähriger Bruder Johannes dabei. In den Ferien waren sie jeden Tag am Berg, damit am Tag der Ewigen Anbetung alles perfekt ist. Mit der Kälte an diesem Tag – es hat um die minus elf Grad – kommt Maria zurecht. Sie hat drei Schichten an, um sich gegen die eisigen Temperaturen zu schützen. „Ich zünde so drei Stück an“, sagt Johannes und meint damit die Holzstapel. Unterwegs sind die Feuerschürer immer mindestens zu zweit, damit einer die Fackel und der andere das Benzin halten kann. Rapsöl und Hobelspäne sorgen dafür, dass die Stapel schnell brennen.

"Das geht von Generation an Generation"

Matthias Engelhardt ist an diesem Freitag, an dem so viel los ist in Pottenstein wie sonst nie, seit 7 Uhr wach, seit 9.30 Uhr ist er auf dem Berg. Der 22-Jährige arbeitet seit 1999 als Feuerschürer. „Das geht von Generation zu Generation weiter“, sagt er. Er hat Spaß dabei, denn man kennt sich. Früher, da waren die Bürger den vier Leiten, also den vier Hängen, an denen sie wohnen, zugeordnet. Das wird heute nicht mehr so streng gesehen. So ist bei der Schlossleite zum Beispiel auch einer vom Bayreuther Berg dabei.

Die Glühbirnen streiken

Um kurz nach 16 Uhr tritt an der Schlossleite ein Problem auf. „Der Rosenkranz brennt nicht“, heißt es. Ein Trupp läuft vom Sängerhäuschen zum Rosenkranz und kontrolliert die Glühbirnen. Die Ursache ist schnell gefunden: Schnee war in den Stecker gekommen, geschmolzen und hatte einen Kurzschluss verursacht. Am Ende funktionieren die Glühbirnen, der Rosenkranz leuchtet zusammen mit den 1000 Feuern.

Im Tal gibt es derweil keine Probleme. Es wird nur immer enger in der Hauptstraße, die letzte Betstunde wird per Lautsprecher nach draußen übertragen. Dann stellen sich die Ministranten auf, die Kirchentür geht auf und herausgetragen wird das Allerheiligste: die Monstranz unter dem Himmel.

"Bei dem Wetter, kein Honigschlecken"

Einer der vier Himmelträger ist Kirchenpfleger Hans Böhmer, der seit zehn Jahren als Träger mitläuft. „Das hat den Vorteil, dass der Vorgang bekannt ist. Wir sind eingespielt, das ist dann wesentlich einfacher“, sagt Böhmer. Bei so einem Wetter sei die Prozession zwar kein Honigschlecken, „aber es funktioniert“. Der 71-Jährige trägt den Himmel gern. „Das gehört zu den Aufgaben des Kirchenpflegers dazu“, meint er.

Während der Ewigen Anbetung gibt es keine größeren Probleme. 130 Feuerwehrleute aus zehn Wehren, 30 Nürnberger Bereitschaftspolizisten, zahlreiche Kräfte der Bergwacht und die Pegnitzer Polizei sorgen dafür, dass alles reibungslos läuft. Zweimal muss der Rettungswagen ausrücken, die Sanitäter müssen aber nur Besucher mit Schwächeanfällen behandeln.

Zufrieden angesichts des Wetters und Ansturms

Am Ende ist Andreas Berner, Verantwortlicher der Hauptverwaltung der Stadt Pottenstein, zufrieden damit, wie die Ewige Anbetung verlaufen ist. „Angesichts des Ansturms und der Wetterlage sind wir zufrieden“, sagt Berner. Dass es weniger Besucher als im vergangenen Jahr waren, macht er an der Kälte fest.

Laut Harald Düplois, dem stellvertretenden Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Pegnitz, gab es drei Verkehrsunfälle, aber nichts Schlimmes. Pottenstein sei eben nicht für derart viele Besucher ausgelegt, die Parksituation beengt. „Das ist gut verlaufen und wir sind froh darüber“, fasst er zusammen.

Eine Bildergalerie finden Sie hier.

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