Weißem Orang-Utan winkt die Freiheit

Aus Sorge um das extrem seltene Tier soll allerdings alles ganz vorsichtig über die Bühne gehen. Dem Tier mit dem weißen Fell und den strahlend blauen Augen drohen die verschiedensten Gefahren: nicht nur von Raubtieren und möglicherweise eifersüchtigen Artgenossen, sondern auch von menschlichen Trophäensammlern.

Eingesperrt und unterernährt aufgefunden

Insgesamt, so schätzt man, gibt es auf Borneo und der Nachbarinsel Sumatra nur noch etwa 50.000 Orang-Utans. Die Menschenaffen mit normalerweise rotbraunem Fell gelten heute als stark gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Insbesondere, weil der Urwald durch Rodungen, Brände und riesige Palmöl-Plantagen immer weniger wird.

Eine wie Alba gab es in der Erinnerung der Leute hier noch nie. Der Albino-Affe wurde im Frühjahr vergangenen Jahres von Tierschützern in einem abgelegenen Dorf in Borneos Dschungel entdeckt. Sie war in einen winzigen Holzkäfig eingesperrt - unterernährt, arg geschwächt, mit starkem Sonnenbrand und Blutspuren im Gesicht. Ob diese von einem Kampf oder von Misshandlungen stammen, ließ sich nicht mehr feststellen.

Alba leidet unter schlechter Sehkraft

Die Dorfbewohner behaupteten damals, dass das etwa fünf Jahre alte Tier einfach so aufgetaucht sei, ohne seine Mutter. Niemand von außerhalb weiß, ob das stimmt. Alba wurde dann in eine Rettungsstation der Tierschutzorganisation Borneo Orangutan Survival (BOS) gebracht, wo schon mehr als 400 andere Orang-Utans zuhause sind. Dort bekam sie auch ihren Namen: Alba ist lateinisch und heißt weiß.

Dass es auch unter Tieren Albinismus gibt, weiß man. Die weißen Labormäuse kennt jeder. Weniger bekannt ist, dass andere Säugetiere, aber auch Vögel und Fische von der angeborenen Stoffwechselerkrankung betroffen sein können. Alba leidet unter schlechter Sehkraft. Die Sorge, dass sie wegen ihres Aussehens von anderen Orang-Utans geschnitten werden könnte, hat sich bislang allerdings nicht bewahrheitet.

Albas Zustand wird immer besser

Im Gegenteil: «Alba ist der Boss», sagt der Chef der Tierschutzorganisation, Jamartin Sihite. Im Käfig, wo sie die meiste Zeit mit drei anderen Affen zusammenlebt, gibt sie den Ton an. Seit der Rettung hat sie fast zehn Kilo zugenommen. Abgesehen von der Sehschwäche ist sie völlig gesund. Deshalb ist Sihite überzeugt: «Sie ist so weit, dass sie wieder in den Wald gehen kann.»

Plan ist nun, Alba im Frühsommer zunächst auf eine Insel namens Salat zu bringen, wo auch andere Orang-Utans für die Freiheit üben können. Wegen der besonderen Umstände soll Alba aber - zusammen mit ihren drei aktuellen Spielkameraden Kikan, Radmala und Unyu - ein eigenes Refugium bekommen: eine Art Insel auf der Insel, nur etwa fünf Hektar groß.

Angst vor Jägern nach der Auswilderung

Daran wird allerdings noch gearbeitet. Es müssen ein Camp gebaut, Kanäle ausgegraben und und Sicherheitseinrichtungen hochgezogen werden. Das ist auch der Grund dafür, warum Alba die Station nicht jetzt schon verlassen kann. «Im Juni oder Juli wird es soweit sein», sagt BOS-Chef Sihite. Nach ein paar Monaten auf der Insel soll sie dann ganz in die Freiheit dürfen.

Wo es dann hingehen soll, will Sihite allerdings nicht verraten. Befürchtet wird, dass das weiße Orang-Utan-Weibchen zum Opfer von Tierjägern werden könnte. Wie in anderen Teilen der Welt gibt es auch auf Borneo immer noch Menschen, die glauben, dass Albinos besondere Macht und Potenz verleihen.

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