Was soll aus dem Kurhaus werden?

Wie berichtet, hat die Familie Hartl ihren Pachtvertrag gekündigt, sie betreiben im Kurhaus das Restaurant („Casa di Cura“) und bewirtschaften den Saal mit bis zu 400 Plätzen („Eventzio“). Bis Januar geht der Betrieb noch weiter.

Der Kündigung gingen jahrelange Auseinandersetzungen um Höhe und Modalitäten der Nebenkosten voraus. Hartl wirft der Stadt teils um Jahre verspätete Nebenkostenabrechnungen vor. Was zweiter Bürgermeister Alexander Popp und Verwaltungsleiter Christian Hohlweg auch einräumen. Und hinzufügen, dass dabei auch der Stadt Schaden enstanden war, weil die Abrechungen teils verjährt waren.

Hohe Heizkosten

Aber es ging auch um die Höhe der Nebenkosten insgesamt. Hartl drang bei der Stadt auf Sanierungen, insbesondere eine Abdichtung des Daches über dem Saal, um Heizkosten zu sparen. Doch bei der Stadt hatten andere Projekte – Ölschnitzufer, Kläranlage – Vorrang. Hartl spricht dem Kurier gegenüber von Nebenkosten von im Extremfall bis 30.000 Euro im Jahr, während es in normalen Jahren „nur“ 17.000 Euro waren. Sein Vorschlag an die Stadt: Deckelung der Nebenkosten bei 17.000 Euro, alles darüber Hinausgehende geht zu Lasten Stadt.

Ein Vorschlag, dem sich die Stadt nicht anschließen konnte. Aus grundsätzliche Gründen, aber auch weil für den Pächter dann kein Anreiz mehr bestehe, sparsam mit Energie umzugehen, wie zweiter Popp und Hohlweg sagen. Und beide machen auch deutlich: Die Stadt hat in der Vergangenheit alljährlich einen fünfstelligen Betrag ins Kurhaus investiert – unter anderem für Brandschutz, vor zehn Jahren in eine neue Gasheizung. Und dass trotz der Pachteinnahmen das Kurhaus all die Jahre unterm Strich ein Zuschussbetrieb für die Stadt war.

Restaurant lief, Saal nicht

Deswegen war man seitens der Stadt nicht zu größeren Investitionen bereit, bevor nicht eine Grundsatzentscheidung über die Zukunft des Kurhauses gefallen ist. Das Kurhaus besteht aus einem Altbau mit Saal von 1909 mit Jugendstilelementen, der in der Denkmalliste steht. Ende der 1970er Jahre wurde das alte Kurhaus innen modern gestaltet, und um einen großzügigen verglasten Anbau, das Restaurant, erweitert. Das Restaurant lief gut, sagt Matthias Hartl, der 2005 das Kurhaus übernahm. Durchwachsener war es beim Saal, er sei zuletzt etwa einmal im Monat für Veranstaltungen genutzt worden, räumt Hartl ein.

Im Saal hat Alexander Popp vor vier Jahren auch seine Hochzeit gefeiert. Aber auch der zweite Bürgermeister und Stadtentwicklungsreferent weiß, dass für einen großen Saal in Bad Berneck im Lauf der Jahre und Jahrzehnte immer weniger Bedarf war. Vorbei die Zeit, als regelmäßig Konzerte und Theater- oder Musicalgastspiele stattfanden. Die alljährliche Bürgerversammlung mit etwa 50 Zuhörern könnte auch anderswo in Bad Berneck stattfinden. Die Licht- und Audiotechnik im Saal ist inzwischen veraltet.

Alles ist denkbar

Eine Immobilie mit Sanierungsbedarf, die trotz Verpachtung Zuschussbetrieb bleibt, ein Saal, der die allermeiste Zeit leersteht – kein Wunder, dass der Stadtrat sich grundlegend Gedanken machen will über die Zukunft des Kurhauses. Dabei sind prinzipiell erst mal alle Optionen auf dem Tisch. Auch ein Verkauf, ein teilweiser Rückbau. Oder ein Abriss und einfacherer Neubau. Die Sanierung im Bestand würde mehrere Millionen Euro kosten, bei ungünstiger Zuschussquote, wenn die Stadt das Kurhaus danach wieder verpachten und Einnahmen erzielen würde.

In den Augen von Popp müsse erst mal eine Nutzungspotenzialanalyse im Rahmen von ISEK gemacht werden. Diese könne dann Grundlage für weitere grundlegende Entscheidungen sein. Eine Umfrage bei den drei Stadtratsfraktionen spiegelt diesen Stand wider. In keiner Fraktion gibt es bereits eine fertige Einheitsmeinung, wie es mit dem Kurhaus weitergehen soll. Ein erster Schritt ist indes schon getan: Im Juli hatte der Stadtrat eine ausführliche Begehung des Kurhauses mit Blick auf den Sanierungsbedarf unternommen. Ein aktive Suche nach einem neuen Pächter soll es erst mal nicht geben.

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