Wagner lockt nur wenige Kunden

Vielleicht ist es ein Irrtum, dass es in Galerien dauernd ums Verkaufen geht. „Wir haben hier sehr viele Erfahrungen gewonnen“, sagt Fernand Hofer. „Es ist gut, für uns stimmt’s.“

Er und seine Frau Therese sind aus der Schweiz nach Bayreuth gekommen, für etwas, das mit dem Begriff „Zwischennutzung“ einigermaßen richtig und doch irgendwie falsch beschrieben wäre. Denn den beiden scheint es gar nicht so sehr um Nutzen zu gehen, sondern eher darum, Bayreuth während der Festspiele kennenzulernen, dabei vielleicht Bilder zu verkaufen, Anerkennung zu gewinnen, Leute kennenzulernen. „Für uns ist das ein Abenteuer“, sagt Fernand Hofers Frau, eine Malerin. Ja, vielleicht ist so eine Galerie mitunter ein Spielraum. Ein Platz, an dem man etwas übers Leben und sich selbst lernen kann. Wäre dem nicht so, die beiden hätten kaum so gute Laune.

Als Spielraum haben die beiden ein schmales Ladengeschäft an der Opernstraße angemietet, gegenüber vom Hotel Anker. Ein Kleidergeschäft war mal drin, ein Hutgeschäft kommt demnächst rein, die Zeit dazwischen füllen die großformatigen Bilder von Therese Hofer aus, farbenstarke Landschaften, die die Grenze zwischen Land und Wasser und zwischen Erde und Himmel abbilden und selber ganz nah an der Grenze zur Abstraktion sind. Die Gäste im Nobelhotel gegenüber, sagen sie, interessieren sich gar nicht für die Bilder.

In den vier Wochen bislang haben sie aber viele Leute kennengelernt, sagen sie, viele nette Leute. Von Wagner haben sie nicht so viel mitbekommen, denn an Karten für die Festspiele selber sind sie nicht herangekommen. Immerhin pilgerten sie eines Nachmittags ins Cineplex, wohin der „Tannhäuser“ übertragen wurde, live und mit mehr Beinfreiheit als im Festspielhaus. „Es war sehr schön“, sagt Therese Hofer, „wir wollen 2016 wiederkommen, zum ,Parsifal’.“ Jonathan Meese inszeniert dann. Beim Gedanken an das malende Spielkind versprühen die beiden Schweizer Vorfreude.

Großes Interesse am Plastik-Wagner

Kunst statt Leerstand – das hat in Bayreuth gerade Konjunktur. Ein paar Meter weiter, an der Ludwigstraße, ist Kunst aufgestellt fast wie in einem Warenhaus. Dort hält Michael Tegtmeyer die Stellung für Ottmar Hörl, unterstützt von einer Armee von Wagners, Goethes, Luthers und Gartenzwergen aus Plastik. „Es läuft gut, die Figuren gehen gut weg“. sagt Tegtmeyer. Und, mit Galgenhumor: „Noch besser gehen sie allerdings am Festspielhaus.“ Immer wieder werden Wagner-Figuren entwendet, allein in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag seien es vier gewesen. „Und das samt Sockel“, berichtet Tegmeyer. „Da müssen die Diebe mit dem Auto gekommen sein.“

In der Eysserhaus-Passage gibt es einen Italiener, einen Schuster, auch Taschen und Kleidung kann man dort kaufen. Und mittlerweile sogar Kunst. Also Bilder. Ladislav Scepanek hat einen Laden gemietet. Die Tür ist verschlossen, doch durchs Schaufenster sieht man Bilder. Das Festspielhaus etwa, oder einen drolligen Elefanten mit Schnecke auf dem Schwänzchen. Wagner darf nicht fehlen, er sitzt an einem Tischchen, ein Glas Wein neben sich, im Hintergrund Meer, wahrscheinlich ersinnt der Meister gerade wieder einen musikalischen Geniestreich. Daneben ist Thomas Brix, dessen Portrait der Kuh „Ariola“ eBerühmtheit erlangt hat, mit Bildern vertreten. Die berühmte „Ariola“ gibt es auf Postkarten. Auch Brix hat gerade geschlossen.

Wagner ganz bunt

Ein paar Meter weiter, im größten Laden, größer noch als die beiden genannten Galerien zusammen, ist Susanne Seilkopf eingezogen, mit Wagner (und ebenfalls Kühen) in vielen, vielen Varianten. Farbig, wie einst bei Warhol. Und mit seltsamer Frisur und einem roten Zacken im Gesicht, wie einst David Bowie.

Nahe am Eingang sitzt Arno Kröniger, er präsentiert in Seilkopfs Galerie sein Wagner-Buch „Lustig lacht da der Blick!“ Man kann aber nicht sagen, dass Kröniger alles lustig findet, was sich am Grünen Hügel ereignet. „Früher“, sagt er, „haben die Regisseure noch die Geschichte inszeniert, wie Wagner sie sich vorstellte.“ Seit Patrice Chéreau hat sich einiges verändert, nicht zum Besseren, muss man annehmen. Jedenfalls: „Festspielgäste? Kommen wenige.“ Was eben an den gegenwärtigen Inszenierungen liege. Die Kunst an den Wänden ist farbig und hell. Die Aussichten für die Festspiele sind es nicht, nicht bei Arno Kröniger. Viel Andrang herrscht gerade aber auch wirklich nicht.

Festspielgäste sind keine Sammler

Erst seit einigen Wochen ist Martina Janzen in Bayreuth. Sie hat eine Galerie in der Kunstmetropole Düsseldorf, eine in Wuppertal, und nun hat sie eine weitere gegenüber vom Neuen Schloss an der Ludwigstraße. Aus persönlichen Gründen sei sie nach Bayreuth gezogen, sagt sie.

„Sommergalerie“ hat sie ihr Unternehmen getauft, ein Name, den man gleich wieder vergessen kann. Denn Janzen will an der Ludwigstraße noch Kunst an den Sammler bringen, wenn die Festspiele 2014 längst Geschichte sind. „Ich will’s hier ausprobieren“, sagt sie. Dass ihr jeder mitgeteilt habe, der Bayreuther an sich kaufe keine Kunst, und überhaupt! – davon wolle sie sich nicht irre machen lassen. „Mal schauen, dann sehen wir schon.“

Die Galerie in Wuppertal wird sie dichtmachen, die in Düsseldorf behalten, Bayreuth soll das Hauptquartier werden: Eine Galerie mit zeitgenössischer Kunst, Hochwertiges, von Künstlern, deren Werke man auch in Museen findet. „Die Umgebung passt ideal“, findet sie, den Blick aufs Neue Schloss findet sie umwerfend. Und die Festspiele? „Wer denkt, dass Festspielgäste auch Kunstsammler sind, täuscht sich. Das läuft nicht, die haben Musik im Kopf, aber nicht Kunst.“ Also denkt sie langfristig. Im November wird sie eine exklusive Ausstellung eröffnen, mit Werken von Johannes Gervé und Reinhard Voss.

Therese und Fernand Hofer haben mittlerweile ein Bild verkauft. Und sagen, dass es darauf nicht ankomme. „Bekannte von uns gehen auf Kreuzfahrt. Und das hier, das war dann eben unsere Kreuzfahrt“, sagt Therese Hofer. In einer Woche werden sie wieder zu Hause anlegen, in Reinfelden, nahe Basel. Bayreuth werden sie vermutlich als sehr ruhiges Gewässer in Erinnerung behalten.


INFO: Und noch mal Kunst: Der Silixenspot an der Richard-Wagner-Straße 13 hat am heutigen Samstag von 10 bis 12 Uhr geöffnet, gezeigt werden in der Passage Stücke des "Meisterbastlers" Fredder Wanoth aus  Nürnberg.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06