Von der Außenwelt abgeschnitten

Dort schiebt man die Schuld auf die Telefonanlage der Kommune. Die sei nicht für die vielen darüber genutzten Nummern ausgelegt, so Pressesprecherin Sandra Rohrbach. Und: „Unser technischer Service steht mit der Gemeinde bereits im Austausch, um das Problem zu lösen.“ Für Dietmar Linhardt ist das völliger Unsinn. Er ist nicht nur der Kämmerer, er kümmert sich auch um die alle technischen Belange in der Notunterkunft neben dem Kindergarten. Denn bekanntlich musste die Verwaltung in ein Containerdorf umziehen, weil das alte Rathaus mit Schadstoffen belastet und ein neues noch nicht gebaut ist.

Vorher null Probleme

Aus kommunikationstechnischer  Sicht konnte von einer Notlösung jedoch keine Rede sein, so Linhardt. Denn: „Bisher hat ja alles reibungslos funktioniert.“ Und er lobt ausdrücklich die Bauabteilung der Telekom: „Zu der haben wir einen direkten Draht, die Techniker haben immer erstklassige Arbeit geleistet.“ Schon im März wurde gegraben, dann zwei Masten aufgestellt, dann „einfach von unserer alten Adresse Kirchahorn 11 auf unseren neuen Standort umgeklemmt“. Und zwar schon, ehe die Container angeliefert wurden.

Umbuchung ist schuld

Warum jetzt plötzlich das Problem? Das hat der Vertriebsabteilung der Telekom zu tun. Auf die sind Linhardt und Bürgermeister Gerd Hofmann weniger gut zu sprechen. Weil in deren System mit Blick auf den Umzug der Verwaltung ein Umbuchungsauftrag gelistet war. Und diese Umbuchung wurde nun vollzogen. Doch zum Leidwesen der Ahorntaler waren dafür keine Steckplätze, im Fachjargon Boards genannt, freigeschaltet.  „Der Techniker sagt uns, da sei ruckzuck erledigt, wenn er denn solche Plätze zur Verfügung hätte“, so Linhardt.

Fall inzwischen auf dem Tisch der Telekom-Zentrale

Hat er aber nicht. Und so warten die spürbar genervten Mitarbeiter im Container-Rathaus verzweifelt auf eine Lösung. Kontakt mit der Telekom bestehe schon, sagt Linhardt, „aber meistens muss ich da hinterherrufen“. Mehrere Gespräche gab es mit der Vertriebsstelle in Nürnberg. Jedoch ohne Erfolg. Inzwischen liegt die Sache bei der Telekom-Zentrale in Bonn auf dem Tisch. Was aber auch noch nichts gebracht hat.

Bürgermeister (noch) diplomatisch

Das kann auch Bürgermeister Hofmann nicht mehr nachvollziehen. Man fühle sich im Stich gelassen - „diplomatisch formuliert“. Dietmar Linhardt versteht die Welt nicht mehr so recht: „Wenn wir denn eine total veraltete Anlage hätten, würde ich ja nichts sagen. Aber die ist auf dem neuesten Stand, ist IP-fähig, die ISDN-Phase haben wir schon hinter uns gelassen.“ Auch mit Blick auf die Sicherheit gebe es keinen Nachholbedarf. Die Gemeinde Ahorntal hängt am Behördennetz des Landkreises, dieser wiederum am bayernweiten Netz und damit an den Servern der AKDB.

Haushalt muss warten

Damit sei die Kommune letztlich ein Geschäftskunde. Und da reagiere die Telekom in der Regel schneller als bei Problemen in privaten Haushalten. Nicht so in diesem Fall. So ist die Gemeindeverwaltung nun seit dem 9. Juni mehr oder minder handlungsunfähig. Mails von außen werden abgewiesen, selbst können die Mitarbeiter keine versenden. Passanträge? Fehlanzeige. Und als Kämmerer hat Dietmar Linhardt noch ein Problem: „Ich müsste am Haushaltsentwurf, der übrigens schon seit März weitgehend fertig ist, noch kleine Änderungen vornehmen.“ Doch dazu müsste er ins Internet gelangen können.

Was bleibt, ist Ärger

Und daher wird es wohl noch etwas dauern, bis der Etat im Gemeinderat verabschiedet wird. Was sich eh schon verzögert hatte durch das beantragte und jetzt wie berichtet vorläufig gescheiterte Bürgerbegehren zur Verhinderung eines Rathausneubaus. Das ärgert Linhardt: „Wir sind sowieso schon die letzte Gemeinde im Landkreis, was den Haushalt angeht.“ Um so mehr hoffen er und seine Kollegen, dass die Telekom endlich handelt.

Nicht bewertet

Anzeige