Viele Chancen in der digitalen Ära

Obwohl vor allem in Nordbayern zahlreiche Windkraftanlagen das Panorama prägen, viele Dächer mit Photovoltaikanlagen bebaut sind und allerorten Diskussionen über Sinn und Unsinn von neuen Trassen zur Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) geführt werden, passieren die größten Veränderungen im Kleinen - bei den Verbrauchern zu Hause.

Wie das Internet

„Die Entwicklung in der Netzlogistik wird sich immer weiter nach unten verschieben“, sagt Gotzel. „Die    Energieerzeugung findet immer stärker dezentral in der Fläche statt.“ Daher werde es künftig stärker die Aufgabe von Bayernwerk sein, die Versorgungssicherheit herzustellen, wenn Energieerzeuger direkt vor Ort ihren Strom an Verbraucher abgeben.

„Wir sind da ein bisschen wie das Internet“, zieht Gotzel den Vergleich. Bayernwerk stelle die infrastrukturelle Basis für die Energieversorgung der Zukunft. „Es geht weg von einer bloßen Verteilung über Knotenpunkte hin zu einem echten Netzwerk.“

Großindustrie braucht große Leitungen

Trotzdem werden auch die „großen Leitungen“ – sprich die Gleichstromtrassen, die Strom vor allem von Nord- nach Süddeutschland transportieren – auch mittel- bis langfristig nötig sein. Denn trotz allen Ausbaus der Energieversorgung vor Ort könne die Großindustrie in Bayern und Baden-Württemberg noch nicht dezentral und vor allem sicher versorgt werden.

„Wenn wir keine neuen konventionellen Kraftwerke bauen möchten, um die Versorgung zu sichern, müssen wir die Windenergie, die ja schon da ist, zur Industrie transportieren“, bekräftigt Gotzel. „Und das geht eben nur über die Stromautobahn.“

Sollte sich in der Lastsituation nichts ändern - und das wäre laut Gotzel nur der Fall, wenn die Industrie schwinde - würden die Trassen „schon noch die nächsten Jahrzehnte“ benötigt werden.

Nicht nur eine Stromwende

Bei allen Diskussionen rund um Trassen, Stromerzeugung und Verbraucher, legt Gotzel auf eine Sache im Gespräch großen Wert. „Die Energiewende ist nicht nur eine Stromwende“, sagt er. Ebenso wichtig sei ein Wandel im Wärmesektor und bei der Mobilität – Stichwort Elektro-Autos. „Ansonsten hat man CO2-mäßig nichts erreicht“, warnt der Vorstandsvorsitzende.

Besonders an sehr sonnenreichen Tagen hat Bayernwerk nach eigenen Angaben bereits mehrmals überschüssige Energie genutzt, um Warmwasserspeicher in Wohnanlagen zu erhitzen und dadurch Energie zu sparen. Das sei zwar aktuell noch in einer Testphase. „Aufgrund der Ergebnisse macht es aber verdammt viel Sinn, das Projekt auszuweiten.“

Alte Heizsysteme umbauen

Das Projekt spare CO2  ein und sorge dafür, dass regional erzeugte Energie auch vor Ort genutzt werde, ergänzt Gotzel. Es geht jedoch nicht nur um die Wärmeerzeugung, sondern auch um effektive Einsparung. „Es braucht gezielt vernünftige Programme, alte Heizsysteme umzubauen“, plädiert Gotzel. „Damit kann man deutlich mehr erreichen als mit aufwendigen Dämmungen.“

In der dritten Säule der Energiewende - der Mobilität - liegt ebenfalls viel Potenzial. Bayernwerk geht laut Gotzel dabei mit gutem Beispiel voran: „Ich glaube, dass der elektronische Antrieb die Technologie ist, die sich durchsetzen wird.“ Aus diesem Grund möchte der Netzbetreiber in den nächsten Jahren seine Flotte sukzessive auf elektrisch angetriebene Fahrzeuge umstellen.

Auch wenn es aktuell noch einige Schwierigkeiten gebe, gibt Gotzel unumwunden zu. „Für unsere Service-Flotte brauchen wir Fahrzeuge, in die zum einen das ganze Werkzeug passt, und die zum anderen Allradantrieb haben“, erklärt der Vorstandsvorsitzende. So ein Fahrzeug habe Bayernwerk aktuell noch nicht gefunden.

Herausforderung für Netzbetreiber

Ungeachtet dessen sieht Gotzel große Chancen in der Entwicklung weg von Verbrennern hin zu elektrisch angetriebenen Fahrzeugen, aber auch große Herausforderungen für die Netzbetreiber. Erneut greift Gotzel dabei den Gedanken der regionalen Erzeugung und Verwendung von Energie auf.

Mithilfe entsprechender IT und einer gut ausgebauten Infrastruktur könnten Fahrer von Elektroautos etwa gezielt zu Ladestationen gelotst werden, in deren Nähe gerade viel Strom produziert werde oder wenige Fahrzeuge geladen würden.

Bei allen Komfortfunktionen und neuen Möglichkeiten, die die Zukunft bringt, ist für den Bayernwerk-Chef dennoch eines klar: „Das geht nur, wenn der Kunde es möchte.“

 

Die Bayernwerk AG ist in Oberfranken in Naila, Bamberg und Kulmbach mit Netzcentern und in Bayreuth mit der Regionalleitung für Oberfranken vertreten. Bayernweit betreut das Unternehmen mit Sitz in Regensburg ein Stromnetz, das rund 154.000 Kilometer lang ist. Außerdem betreibt es ein Erdgasnetz von rund 5800 Kilometern Länge.

Das Bayernwerk hat insgesamt etwa 2800 Mitarbeiter, davon arbeiten 530 in Oberfranken. Der Energieversorger ist eine 100-prozentige Tochter der Eon AG.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06