Uni braucht keine neue Stadthalle

Herr Leible, würde die Universität eine sanierte und umgebaute Stadthalle nutzen?

Stefan Leible: "Sofern das für uns interessant ist, würden wir die Stadthalle sicher nutzen. Aber ich habe auch schon immer gesagt, dass für uns ein Ort für Kongresse in der Nähe der Universität besser wäre. Das brauchen wir wirklich. Und am Besten zusammen mit einem Hotel."

Daran mangelt es also der Stadthalle als Tagungsort? An den nahegelegenen Übernachtungsmöglichkeiten?

Leible: "Sie müssen nicht im gleichen Haus sein, aber die Übernachtungskapazitäten müssen nahe dran sein. Und daran fehlt es an der Stadthalle in der Tat."

Sie sagen, die Universität braucht Tagungs- und Kongressräume. Kriegen Sie denn solche Veranstaltungen nicht mit eigenen Gebäuden hin?

Leible: "Die Veranstaltungen, die wir unterbringen können, werden in Bayreuth schon organisiert. Aber es gibt immer wieder Anfragen für größere Kongresse. Und die können wir in Bayreuth bislang einfach nicht abbilden. Die Kapazität des Audimaxs liegt bei 700 Personen. Bei allen Veranstaltungen, die darüber hinaus gehen, müssen wir nach Nürnberg ausweichen. Oder wir müssen absagen. Oder die Kollegen hier an der Universität bemühen sich gar nicht erst, solche Veranstaltungen einzuwerben."

Also werden da Chancen nicht genutzt, weil es an der Infrastruktur fehlt?

Leible: "Ich habe das vor zwei Jahren deutlich gemerkt. Damals hat Prof. Volker Altstädt einen großen Kongress im Bereich der polymeren Verfahrenstechnik veranstaltet. Der fand im Nürnberger Messezentrum statt, weil es in Bayreuth nicht möglich war."

Ein Kongress der Universität Bayreuth in Nürnberg - wie wirkt das nach außen?

Leible: "Es ist zumindest unbefriedigend, wenn man als Bayreuther Universitätspräsident einen Kongress in Nürnberg eröffnen muss."

Was braucht die Universität konkret?

Leible: "Nicht nur die Universität, sondern auch viele Unternehmen in Bayreuth brauchen ein Kongresshotel. Ein Haus, das geeignet ist, auch größere Veranstaltungen durchzuführen und genügend Übernachtungskapazitäten hat. Solche Häuser haben wir in Bayreuth. Aber eines mehr würde nicht schaden."

Ein zusätzliches Kongresshotel würde auch die Frage aufwerfen, ob die Stadthallle einen Seminar- und Tagungsbereich wirklich braucht. Der ist drin in den derzeitigen Planungen, verursacht Kosten beim Umbau und Kosten danach. Wie denken Sie über die Multifunktionalität von Tagungen und Kultur, die die Stadthalle erfüllen soll?

Leible: "Ich verstehe nicht, dass die öffentliche Hand an dieser Stelle in Konkurrenz mit privaten Anbietern tritt. Wir haben in Bayreuther Hotels bereits Veranstaltungsräume. Ob die öffentliche Hand dazu ein Alternativangebot eröffnen sollte, erscheint mir durchaus zweifelhaft."

Wir haben unseren Lesern in einer Meinungsumfrage drei Möglichkeiten für das weitere Vorgehen bei der Stadthalle vorgeschlagen: Weiterplanen, Abspecken oder Planungen stoppen und Alternativen prüfen. Welche davon enstpricht Ihrer persönlichen Meinung?

Leible: „Ich tendiere zu Planungen stoppen und Alternativen prüfen. Wenn wirklich 55 Millionen Euro oder noch mehr investiert werden, braucht Bayreuth ein Projekt mit großer Strahlkraft nach außen. Ich hätte kein Problem mit einer Investition in dieser Größenordnung oder sogar noch darüber hinaus. Aber sie muss geeignet sein, viele Besucher von außen nach Bayreuth zu bringen, die hier vielleicht auch einkaufen gehen und übernachten und so zum Gewerbesteueraufkommen beitragen. Denn dadurch lässt sich die Stadthalle meiner Meinung nach zumindest zum Teil refinanzieren. Wenn wir das Geld nur investieren, damit wir Bayreuther eine schöne Stadthalle haben, sollte man aus meiner ganz persönlichen Sicht zumindest noch einmal darüber nachdenken.“

Das Gespräch führte Frank Schmälzle.

Mehr zum Thema:

Hier geht es zur Kurier-Meinungsumfrage zur Zukunft der Stadthalle

4.2 (5 Stimmen)

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Kommentare

Da ist sie wieder, diese imaginäre Mauer zwischen Stadt und Uni. Na klar hätte man gerne ein Kongresszentrum auf dem Campus. Hätte, könnte, würde, kann bei einer Uni, die es nicht mal schafft Parkhäuser zu bauen etwas länger dauern.
Wenn die Uni einen großen Saal für Kongresse regelmäßig braucht, warum baut sie dann keinen?
Wir sanieren die Stadthalle weder für die Universität noch für die Bayreuther Unternehmen, sondern für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bayreuth. Herrn Leible und allen Universitätsangehörigen steht frei, sich dazuzuzählen oder nicht.

Bedauerlicherweise erweckt das Interview den Eindruck, als würde die Kongressnutzung die Kosten in die Höhe treiben.
Das ist nicht der Fall.

Im großen Haus dient die Verstellmöglichkeit des Parketts einer Variabilität, die besonders bei kleineren Konzerten wirksam wird und die Ballnutzung ermöglicht. Wer die nicht mehr haben will, sollte das aber bitte auch sagen. Die Beleuchterbrücken dienen in erster Linie den Theater- und Konzertaufführungen, die längst Projektionsmöglichkeiten nutzen. Spezielle Kongresstechnik, z.B. Dolmetscherkabinen, sind nicht geplant, sondern können bei Bedarf und auf Kosten des Veranstalters gemietet werden.

Und der Gebäudeflügel mit dem Kleinen Haus? Natürlich könnte der abgerissen werden, aber wohin dann mit den Garderoben, die im Dachgeschoss vorgesehen sind? Und darf ich an den Aufschrei erinnern, als das kleine Haus angetastet werden sollte?

Wir haben als Fraktion die Nutzung über die letzten drei Jahre ausführlich recherchiert. Es gab neben den (an andere Stelle des Haushaltes) subventionierten Kulturveranstaltungen eine große Zahl von Kongressen, Tagungen oder Vorträgen, die der Stadt Einkünfte oder wenigstens Kostendeckungsbeiträge einbrachten. Da waren wenige Veranstaltungen der Uni dabei, das stimmt, aber nur deshalb, weil die Uni selbst über entsprechende Möglichkeiten verfügt. Wenn wir jetzt ausgerechnet bei der Multifunktionalität des Projektes abspecken, sparen wir kaum Baukosten, verlieren aber genau die Veranstaltungen, die die zukünftigen Betriebskosten erträglich halten.

Ob wir das Kongresszentrum, das Herr Leible sich wünscht, brauchen, und ob sich gar die Stadt daran beteiligen soll, ist eine völlig andere Frage, zu der unsere Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und Unabhängigen im Bayreuther Stadtrat seit Jahren eine klare Position hat.

Mit der Sanierung oder Nichtsanierung der Stadthalle hat das nichts zu tun.
Verstehe ich das richtig? Soll die Stadt ein Kongresszentrum für über 1.000 Teilnehmer in Uni-Nähe bauen? Das löst doch nicht das Problem, dass die Stadthalle saniert werden muss. Und löst nicht das Problem, dass es doch bitteschön in Bayreuth ein Angebot für Theater und Konzerte geben muss.
Herr Leible spricht doch als Bayreuther Bürger. Er wird nach den Bedürfnissen der Uni gefragt und hat dazu eine dezidierte Meinung. Die Uni braucht etwas anderes als geplant ist.

Als Bürger der Stadt und das ist er wahrlich auch lang genug ist der dann offensichtlich der Meinung, man sollte das Thema noch einmal überdenken. Nachdenken schadet nie, auch nicht den MitgliederInnen und Mitgliedern der Grünen und Unabhängigen. Man sollte vielleicht einfach mal die Zahl der Besucher der Stadthalle in Relation zu den Kosten setzen. Dann merkt man m.E. sofort, wie unverhältnismäßig das Ganze ist. Ist aber eine reine Vermutung.
Wir überdenken das Thema permanent und versuchen, unsere Entscheidungen an ihren möglichen Auswirkungen zu messen.
Sie sprechen die Zuschauerzahlen an: die Stadthalle ist gut mit Veranstaltungen außerhalb des reinen Kulturbetriebs ausgelastet, und bei diesen liegt das Risiko nicht bei der Stadt, sondern beim Veranstalter. In der Vergangenheit mussten Anfragen abschlägig beschieden werden, z.B. wegen der Dekoration in der Faschingszeit oder weil der Balkonsaal nicht genutzt werden konnte, wenn gleichzeitig eine Veranstaltung im Grossen Haus war.
Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Planungen so zu beeinflussen, dass der Umbau einen echten Mehrwert darstellt und die vorhandenen Kapazitäten wesentlich besser, intensiver und häufiger genutzt werden können. Daran messen wir die Verhältnismäßigkeit.
Sehr geehrter Herr Schlags,

es ist ja unbestritten, dass die Kultur eine kommunale Aufgabe ist und dass die Stadt da auch Mittel einsetzen kann, die letztlich verloren sind. Hier gibt es aus meiner Sicht in Bayreuth einige gute Ansätze und auch die Wiederbelebung der Reichshofs ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung.
Wenn Sie aber eine Investition von 55 Mio Euro zu bewerten haben und die nur mit 2 % verzinsen, dann haben Sie im Jahr 1,1 Mio Euro zur Verfügung, um damit all denen, die die Kultur unbedingt in der Stadthalle in Bayreuth genießen wollen, an andere Kulturstätten zu fahren. Selbst wenn Sie von 2000 Interessierten ausgehen, dann könnten Sie jedem im Jahr für 550 Euro Veranstaltungen in anderen Städten finanzieren. Um das klar zustellen: Es gibt nicht die Bayreuth Philharmoniker, die eine Heimat in Bayreuth bräuchten und die eventuell Besucher von auswärts nach Bayreuth ziehen, die dann Geld ausgeben können. Nein ganz im Gegenteil ist Bayreuth darauf angewiesen, aus Nachbarstädten Kultur zu "importieren". Hier wird also aus meiner Sicht in der Stadthalle nur Kultur für die Bürger der Stadt gemacht, die es scheuen in andere Städte zu fahren. Für die aber 55 Mio auszugeben, halte ich unter dem Aspekt der Gleichbehandlung aller Bürger für nicht einmal ansatzweise darstellbar. Die kommunale Aufgabe besteht darin, die Kultur vor Ort zu führen, nicht darin, Bürgern vor Ort "auswärtige" Kultur zu ermöglichen.

Wenn man diesem Ansatz folgt, dann muss man die Stadthalle als reines Renditeobjekt sehen. Sie schreiben, dass die Stadt bei anderen Veranstaltungen das Risiko nicht trägt. Das ist absolut richtig, aber nur dann, wenn man die Stadthalle zu marktgerechten Preisen vermieten würden. Bei 1,1 Mio, die Sie für die Verzinsung mindestens rechnen müssen, müssten Sie am Tag knappt 3000 Euro Miete nehmen, um alleine die Abschreibung zu erwirtschaften. Und dies jeden TAG!!!! Das ist aus meiner Sicht unmöglich.

Ist vielleicht etwas zum Nachdenken......
Schön und gut! Auch sicher richtig. Ändert aber nix daran das wohl die Mehrheit der Bürger mit dieser irrwitzigen Summe von 55 Millionen plus X (am ende mit Tiefgarage ganz sicher mit ner 7 oder gar 8 davor!) für diese Sanierung nicht einverstanden ist.
Mir ist es einfach unerklärlich warum (offensichtlich) ein Neubau nicht ernsthaft in Betracht gezogen wird. Es gibt genügend Beispiele in der jüngeren Vergangenheit wo in vergleichbaren Städten neue, moderne und größere Theater für ERHEBLICH weniger Geld gebaut wurden. Für die gesparten 20 Millionen plus X kann die Stadthalle im Bestand saniert und unter Umständen auch anderweitig genutzt werden. Und dann bliebe immer noch ein zweistelliger Millionenbetrag übrig.
Die Antwort heißt Denkmalschutz.
Ähhh, wieso? Ich schrieb doch nix von abreißen, sondern Neubau und die alte Stadthalle dann Sanierung im Bestand.....
Was hat also Sanierung im Bestand mit Denkmalschutz zu tun?

Noch ein gravierender Vorteil. Die Stadthalle könnte sicher während der Bauphase einer neuen Halle noch weiter genutzt werden und danach ( in 2 bis 3 Jahren) dann in Angriff genommen werden.
Das ganze Hickhack um die Auweichspielstätte wäre vom Tisch und eine Rotmainhalle müsste nicht zweckentfremdet werden. MMn auch so ne wahnwitzige Idee, dass mit der Rotmainhalle.
Finde ich einen überdenkenswert
en Vorschlag
Ich denke, Herr Leible sieht einfach nur den Tatsachen ins Gesicht.
Sowohl auf dem Campus als auch in der Stadt gilt, daß das Leben kein Konjunktiv ist. Aber in Bayreuth wird nicht über Monate, sondern über Jahre hinweg debattiert. Wenn man der Meinung ist, diejenigen, die sich in den Stadtrat haben wählen lassen, sind zu einem Ergebnis gekommen, fängt die ganze Diskussion wieder von vorne an.
Die Verlagerung des ZOH um ein paar hundert Meter hat +/- 2 Dekaden gedauert. Die Stadthalle entwickelt sich auch wieder zu einer "Unendlichen Geschichte". Und wenn erst einmal mit dem Bau angefangen worden ist, fängt der Stadtrat wieder an.
Und an dieser Zahl 55 festzuhalten, ist geradezu fahrlässig. Öffentliche Bauten kosten nach Fertigstellung, konservativ gerechnet, einen Aufschlag von 50% mehr. Damit geht es um 8x Millionen.
Interessant ist doch, daß das Thema Maisel & Kongreßzentrum schon fast krampfhaft nicht angesprochen wird. Bayreuth, die Stadt der verpaßten Chancen!
Und da soll sich Herr Leible zu einem Kongreßzentrum äußern, daß 2020, oder 2025 oder 2030 fertig sein könnte. Da sollte es doch einleuchten, daß sich die Uni im Rahmen ihrer Bedürfnisse und Möglichkeiten eigene Lösungen schafft. Die Uni braucht die Stadt nicht. Die Stadt will die Uni im Grunde nicht!
Mit dem Thema Maisel bekommen Sie aber keine Stadthalle saniert. Hier geht es um die Renovierung und Umbau der Stadthalle inkl. Tiefgarage. Das Thema Kongresszentrum hängt meiner Meinung nach ganz eng mit einer ICE-Anbindung zusammen. Ausser der Uni wird sonst niemand bereit sein einen überregionalen Kongress abzuhalten. Der Bedarf der Uni liegt aber mittlerweile bei einer Größe von 1.400 Personen und mehr, für darunter gibt es bereits praktikable Lösungen. Und natürlich kann man das Fass immer wieder neu aufmachen, aber dann läuft einem eben die Zeit davon und passiert is nix. Sanierung im Bestand wird bei den gravierenden Mängeln nicht mehr möglich sein. Das wurde jetzt 50 Jahre praktiziert!
Herr Leible,
wenn Sie ein Kongresshotel in der Nähe der Uni haben möchten, dann bauen Sie doch eines. Als Privat Person können Sie alles ansuchen und versuchen, doch nicht mit der Stadt als finanzierer! Die Stadt sind wir Bürger und ich als Bürger der Stadt möchte nicht Ihr Kongresshotel, dass immer rote Zahlen schreiben wird, mit meinen Steuergeldern finanzieren müssen. Jahr für Jahr! Wir haben schon eine Therme... Es gibt genügend
Kongresshotels in der Stadt und auch mit genügend Kapazitäten. Warum nutzen Sie diese nicht? Ist Nürnberg attraktiver, oder welches ist Ihr Problem nicht das Angebot in Bayreuth zu nutzen? Von der Uni aus, bis zu einem Kongresshotel in der Stadt ist es wirklich nicht weit und so mancher Professor ist auch mal ganz froh, wenn er am Ende des Tages etwas Abstand zur Uni hat. Von wievielen Kongressen mit 1000 Personen sprechen Sie überhaupt? Warscheinlich einmal im Jahr oder sogar nur alle zwei, drei Jahre! Wenn Sie einen privaten Finanzier finden, dann bitteschön gerne, aber nicht mit unserer aller Bürger Geld.
Und für die stadthalle findet sich bestimmt auch noch eine wohlwollende Lösung!
Warum diese Feindseligkeit?
Außerdem hat Prof. Leible - wenn ich es richtig verstanden habe - gar nicht gefordert, dass ein Kongresszentrum von der Stadt errichtet und betrieben werden sollte - haben sie das Interview überhaupt ganz gelesen und verstanden?
Ich glaube manchen KommentatorInnen hier ist - vielleicht mangels persönlichem Background - gar nicht bewusst, wie wichtig die Uni für die Stadt ist - insofern sollte man "Ideen" aus dem Uni-Lager micht mangels Vorstellungsgabe so anmaßend vom Tisch wischen.
Allerdings fände ich es auch besser, nicht alles "draußen" bei der Uni zu haben - ein hochwertiges Hotel gehört meiner Meinung nach eher in eine reizvolle Umgebung - entweder innenstadtnah oder z.B. neben die Therme oder so wie seinerseits bei Maisel geplant.
Hat jetzt aber mit der Stadthalle nur sekundär zu tun ...