Umstrittene Lehre oder Tierquälerei?

Wer sich in Tierschutzkreisen nach dem Verein erkundigt, der bekommt schnell Videos zugespielt. Diese zeigen Hunde, die auf eingezäunten Geländen aufeinander losgehen. Minutenlang kämpfen die Tiere miteinander, der Stärkere packt den Unterlegenen im Nacken oder an der Kehle. Blut ist nicht zu sehen. Aber Menschen, die außen herum stehen und nicht eingreifen. Tierschützer sagen, die Szenen dokumentierten das, was im Verein gang und gäbe sei.

"Wer weiß, was da für Verrückte kommen"

Barbara Ertel aus Baunach ist Vorsitzende des Vereins. Sie wollte mit anderen Mitgliedern am Wochenende ein Treffen auf dem Vereinsgelände in Hartmannsreuth bei Weidenberg veranstalten. Dem Kurier sagt sie, dass sie die Veranstaltung abgeblasen habe, nachdem sie von dem angekündigten Protest der Tierschützer gehört habe. "Wer weiß, was da für Verrückte kommen", sagt sie. Die Videos? "Die sind manipuliert, um unsere Aufklärung mundtot zu machen."

Der Verein propagiert eine in der deutschen Hundeszene äußerst umstrittene Lehre. Von Geburt an sei einem Hund eine bestimmte Stellung in einem Rudel vorgesehen. Es gebe sieben verschiedene Stellungen im Rudel. Jedem Hund sei eine dieser Stellungen angeboren. Von Leithunden und Bindehunden in verschiedenen Positionen ist die Rede. "Wir stellen diese Rudelstellung bei Hunden fest", sagt die Vereinsvorsitzende Barbara Ertel. "Mehr tun wir nicht."

"So etwas passiert nur, wenn Hunde vorher eine asoziale Lebensphase hatten"

Tierschützer, die den Verein beobachten, sagen etwas ganz anderes. "So ein Verein muss verboten werden", sagt Claudia Fleck. Die Ambergerin ist private Tierschützerin. Was die Videos zeigen, sagt sie, sei Tierquälerei. "Da muss was gemacht werden, so kann das nicht weitergehen." Sie war eine der Teilnehmerinnen am Sonntag beim Protest gegen den Verein. Mit dabei war auch die Tierhilfe Weidenberg und die Tierrettung Bayreuth.

Ertel verwahrt sich gegen den Vorwurf der Tierschützer, in ihrem Verein gebe es Tierquälerei. Ernsthafte Beißereien unter den Hunden würde sie nicht zulassen. Doch in einem der Videos ist zu sehen, wie zwei große schwarze Hunde auf einem eingezäunten Parkplatz aufeinander losgehen. Auf Nachfrage sagt Ertel, dass sie bei der Szene dabei war. "So etwas passiert nur, wenn Hunde vorher eine asoziale Lebensphase hatten", sagt sie. Sprich: Wenn die Hunde nicht entsprechend der von ihr vertretenen Lehre gelebt haben. Sie sei sehr verärgert gewesen über die Szene. Die Halterinnen der beiden Hunde seien mittlerweile keine Vereinsmitglieder mehr.

Videos, um den Verein zu verunglimpfen

Raufereien zwischen Hunden werden im Verein allerdings zugelassen. "Das ist einfach nur ein Sehen, ob ein Zusammenleben langfristig etwas bringen könnte", sagt Ertel. "Bei Strukturhunden wird es immer zu Korrekturen kommen." Die Hunde machten sich also untereinander ihre Rudelstellung klar. "Es gibt aber nie Verletzungen", sagt die Vereinsvorsitzende. Aus tausenden Videos, die der Verein in seiner Dokumentation habe, würden einzelne gestreut, um den Verein zu verunglimpfen.

Der bayerische Tierschutzbund hält nichts von einer vermeintlich vererbten Rudelstellung. "Die Theorien sind hanebüchen", sagt Geschäftsführer Andreas Brucker im Gespräch mit dem Kurier. Ein Rudel sei ein unter Wölfen gewachsener Familienverband. Mehrere Tierschützer, die den Verein beobachten, behaupten, dass unter den Mitgliedern regelmäßig Hunde getauscht würden, damit sie in ihre Rudelstellung passen.

Behörden beobachten das Vereinstreiben

Wenn das stimme, sagt Brucker, führe das bei den Hunden "über kurz oder lang zu Verhaltensstörungen", die sich von Ängstlichkeit bis Aggression äußern können. Barbara Ertel bestreitet auf Kurier-Nachfrage, dass Vereinsmitgliedern untereinander zum Tausch von Hunden geraten werde. "Das ist wirklich Verleumdung", sagt sie. Der Verein berate Hundebesitzer lediglich zur Rudelstellung ihres Vierbeiners. Was diese dann mit diesem Wissen machten, wenn Hunde nach der Rudelstellungslehre nicht zusammen passen, sei Entscheidung der Halter.

Der Verein beschäftigt auch das Verterinäramt des Landkreises Bayreuth. Leiterin Iris Fuchs sagt, man beobachte die Aktivitäten des Vereins auf dem Gelände in Hartmannsreuth. Sollten Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt werden, "werden wir einschreiten". Die Behörden beobachten auch, ob es sich in Hartmannsreuth um kommerzielle oder vereinsinterne Veranstaltungen handelt. Für kommerzielle Veranstaltungen mit Hunden braucht es eine Genehmigung und ausgebildetes Personal. Barbara Ertel legt aber Wert auf die Feststellung, dass auf dem Gelände nur private Vereinsveranstaltungen stattfinden.

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Kommentare

Wahrscheinlich so ähnlich wie Familienaufstellung, nur plus Beißen.
Vielleicht ist es bei den Hunden nicht viel anders als bei den Menschen.
Es gibt solcherne und andere. Ein Hund, der als wildernder Straßenhund aus Osteuropa aufwuchs ist sicher anders sozialisiert als ein gezüchteter Schoßhund oder Dackel.
Erstere werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht aus Angst oder Aggression zubeißen, bei den zweiteren wäre ich mir nicht so sicher.
Ihr Menschenvergleich ist affengeil! Die und wir. "Wildernder Straßenhund aus Osteuropa" vs. "gezüchteter Schoßhund oder Dackel". Rassismus in Reinform. Von einem Bessermenschen.
Sigmund Freud hätte seine helle Freude mit Ihnen gehabt.
Das hätten Sie gerne "rein"interpretiert. Aber es zeigt schön deutlich ihre eigenen Gedankengänge.