Trotz Haferflocken zum Sieg

Edgar Eckert ist ein Neubauer Urgestein und war lange das sportliche Aushängeschild des SC Neubau, der eigentlich für seine Biathleten berühmt ist. Doch Eckert nahm nie im Wettbewerb ein Gewehr in die Hand. Anders als heute schossen die Biathleten damals noch Großkaliber. Bei einem Wettbewerb hatten ihm Biathleten mal in einer Laufpause ein Gewehr in die Hand gedrückt. Ohne ihm zu sagen, dass die großkalibrigen Sportwaffen einen gewaltigen Rückstoß hatten, erinnert sich Eckert mit Grausen.

Geschossen hat Eckert bei Sportwettbewerben dann doch, allerdings mit der Pistole: 1971 errang er den Titel des europäischen Polizeimeisters. Wie auch heute noch wurde damals vielen Spitzensportlern bei der Bundeswehr oder – wie im Falle Eckerts – dem Bundesgrenzschutz die Möglichkeit zum Trainieren geschaffen. Bad Endorf (heute ist hier die Bundespolizeisportschule) und Bayreuth waren Eckerts Stationen. Grenzstreifen standen nur ausnahmsweise auf dem Programm, stattdessen vier Stunden tägliches Training. Zu seinen Trainingseinheiten gehörte, in unter zehn Minuten die Ochsenkopfabfahrt Süd von der Talstation bis zum Gipfel hoch zu laufen.

Eckert zählte neben dem Bayreuther Altmeister Walter Demel zu den besten und erfolgreichsten Langläufern in der Nationalmannschaft des Deutschen Skiverbandes. Der Neubauer war übrigens einer der ersten Deutschen, die Walter Demel überhaupt den Sieg streitig machen konnten. Eindrucksvoll gelang dies Edgar Eckert in Isny (Allgäu) über 15 Kilometer, wo er unter dem Jubel der vielen mitgereisten Neubauer Fans um wenige Sekunden schneller war. Die Oberfranken waren damals in der deutschen Spitze eindrucksvoll vertreten, die Staffel Nordbayern I – wie es seinerzeit noch hieß – zählte auf bayerischer Ebene immer zu den stärksten.

Doch auf internationaler Ebene hatten die deutschen Langläufer ein schweres Handicap: die, wie Eckert sicher ist, gedopten osteuropäischen Sportler. „Wir laufen mit Haferflocken, die anderen mit Benzin“, habe es damals geheißen. Deswegen ist Eckert „besonders stolz“ auf seinen siebten Platz beim Weltcup (der damals noch nicht so hieß) in Nordfinnland 1973. Damals war Eckert auf 15 Kilometern nicht mal eine Minute langsamer als der zweitplatzierte Walter Demel. Und schneller als der norwegische 50-Kilometer-Olympiasieger Pal Tyldum.

Aber auch über einen 29. Platz beim Weltcup am Holmenkollen konnte sich Eckert freuen. Unter rund 100 Teilnehmern wurde das vordere Drittel vom norwegischen König zum Essen eingeladen. Eckert war dabei.

Die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 1972 in Sapporo (Japan) krönte Eckerts sportliche Laufbahn. Als Mitteleuropäer war es damals allerdings schwer, in die Phalanx der führenden Skandinavier einzubrechen. Edgar Eckert konnte sich jedoch bei den Wettbewerben jeweils im ers-ten Drittel platzieren. Ebenfalls damals dabei: Walter Demel, der knapp einen Medaillenrang verpasste, und als Skispringer Günter Göllner aus Warmensteinach.

Eine Art technisches Doping hatten 1974 die bis dahin unauffälligen Rumänen eingeführt: Langlaufskier aus Kunststoff. Sie waren leichter und schneller als die bisherigen Holzskier. „1975 hatte dann jeder Kunststoffskier“. Die heute schnelleren Skier haben auch die Lauftechnik grundlegend geändert: „Skating gab es noch nicht. Wir sind diagonal gelaufen, haben mehr Beinarbeit gemacht. Heute wird mehr mit den Armen geschoben.“

Nach zwölf Jahren beim Bundesgrenzschutz war Eckert zehn Jahre lang hauptamtlicher Trainer beim Bayerischen Skiverband. Außerdem ist er ehrenamtlicher Trainer des Skiverbandes Oberfranken und des SC Neubau. Mit seiner fachlichen und persönlichen Kompetenz hat er zahlreiche Talente mit gefördert. Bis heute hat er seinem Heimatverein die Treue gehalten und gestaltet das Vereinsleben aktiv mit. Und seit 1990 betreibt er in Neubau ein Sportfachgeschäft mit dem Schwerpunkt auf Langlaufsport.

Nicht bewertet

Anzeige