Team Isert zurück im Motorsportzirkus

„Carbonfaser ist ein Material, das härter ist als Stahl und leichter als Aluminium“, erklärt Teammanager und Technischer Leiter Uwe Isert. In der Gläsernen Werkstatt des Fassoldshofer Autohauses stehen zwei moderne Rennwagen – beide durch und durch aus Carbonfaser. Der KTM X-Bow GT4 bringt bei 360 Pferdestärken nur knapp eine Tonne Gewicht auf die Waage.

Das toppt der Ligier JS P3, ein Rennwagen der LMP3-Klasse: 420 PS und lediglich 825 Kilo. Bei entsprechender Übersetzung heißt das von 0 auf 100 in drei Sekunden. „Das geringe Gewicht erlaubt eine höhere Kurvengeschwindigkeit. Man kann später bremsen“, erklärt Isert.

Die futuristisch anmutenden Rennwagen sind so konzipiert, dass ein einziger Mechaniker die Bauteile zusammensetzen könnte, eine Art Lego-Technik-Bausatz für Profis. Auch das Cockpit besteht aus Carbonfaser. Das Lenkrad erinnert ein wenig an einen Gaming Controller für Computerspiele. Drumherum wimmelt es von Knöpfen, Kameras und Bildschirmen. Auffällig leuchtet an der Mittelkonsole die knallrote Sicherheitskappe eines Kippschalters. Das ist der Starter.

Team Isert, eine Erfolgsgeschichte 

Mehr als ein Jahrzehnt drückte beim Familienunternehmen aber niemand den Startknopf. Im Jahr 2002 endete für das Team Isert mit der Teilnahme an der European Touring Car Championship vorerst das Kapitel Motorsport. „Es wurde immer schwieriger, Sponsoren zu finden“, erinnert sich Uwe Isert.

Als der 57-Jährige beginnt von den zurückliegenden Erfolgen, den Fahrern und den Wagen zu erzählen, leuchten seine Augen. Sein Herz schlägt für den Motorsport. Er berichtet, dass früher Tourenwagen keine Spezialfahrzeuge waren, sondern ganz normale Autos aus Großproduktion, oft viertürige Stufenheck-Limousinen wie etwa der 3er BMW, nur eben getunt für den Rennsport.

1967, zwei Jahre nach Gründung des Autohauses Isert in Mainleus-Fassoldshof entschloss sich Uwe Iserts älterer Bruder Heinz, die Exklusiv-Vertretung für Alfa Romeo zu übernehmen. Die motorsportliche Erfolgsgeschichte des Team Isert begann.

Der mittlerweile 74-jährige Heinz Isert hat damals nicht nur Rennwagen gebaut, sondern ist sie auch gefahren. Vor allem in den 70er und 80er Jahren genoss er als Pilot internationales Ansehen.

In der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft 1986 erzielte das oberfränkische Team mit Fahrer Joachim Winkelhock auf BMW 325i einen Erfolg nach dem anderen. Zu den Fahrern zählte auch der frühere Volkswagen-Motorsportdirektor Kris Nissen. 1994 bis 1997 sorgten Piloten wie Peter Kox oder Prinz Leopold von Bayern für Schlagzeilen.

Nur eine kurze Motorsport-Pause

„Motorsport ist eine Sucht“, sagt Uwe Isert. Wohl deshalb dauerte seine Pause nicht allzu lange. 2006 entdeckte er im Kulmbacher Nachwuchsrennfahrer Christopher Haase ein Naturtalent und betreute ihn mehr als fünf Jahre lang auf der Rennstrecke. Mit Erfolg: Haase gehört heute zum Werksfahrer-Team von Audi, holt regelmäßig in amerikanischen Rennserien Spitzenplatzierungen und gewann auch schon das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.

Der Traum von Le Mans

Doch nun will Isert wieder mit einem eigenen Team für Furore sorgen. Zusammen mit dem Industriellen Nico Pronk, er hat sich einen hochkarätigen Rennwagen gekauft, nämlich den Ligier, will er es bis nach Le Mans schaffen. Um einen der 60 Startplätze beim populärsten Rennen im Tourenwagen-Sport zu ergattern, braucht man neben der sportlichen Qualifikation auch eine persönliche Einladung des Veranstalters.

Der Plan Iserts: 2016 wird noch viel getestet, im Jahr darauf nimmt sich das Ligier-Team die Europäische Le Mans Serie vor – sechs Rennen zu vier, sechs oder zwölf Stunden. 2018 soll es dann mit Le Mans klappen.

Doch da ist ja noch das zweite Fahrzeug, der KTM X-Bow – und das ist schon erfolgreich auf den Rennstrecken unterwegs. Stéphane Kox, die 22-jährige Tochter von Peter Kox, holte für Isert Motorsport die Poleposition im diesjährigen Österreicher X-Bow-Battle. Das Fahrer-Duo Arne Hoffmeister/ Matthias Hauer fuhr am Lausitzring auf den zweiten Platz. Hoffmeister siegte im Einzelrennen. Nun wollen Hoffmeister/Hauer an der GT4 Europameisterschaft teilnehmen. Das sind mehrere Rennen zu je ein bis zwei Stunden.

Teammanager setzt auf fränkisches Know-How

Zu einem erfolgreichen Motorsportteam gehört auch ein funktionierendes Boxenteam. Pro Wagen werden zwölf Helfer gebraucht: Mechaniker, Elektroniker, Reifenleute und Datentechniker. Jeder Handgriff muss sitzen. Deshalb wird an den Wochenenden geübt – Reifenwechseln, Tanken oder glühend heiße Bremsen austauschen. Übungsgelände ist oft der Kulmbacher Flugplatz.

„Es ist wichtig, dass das Personal dauerhaft vor Ort ist“, sagt Isert und setzt deshalb auf fränkisches Know-How. Sobald er bei einem Rennen jemanden fränkisch reden hört, spricht er ihn an. So hat Isert nach und nach die Franken aus der Motorsport-Diaspora zurück geholt und ein Profi-Team aufgebaut – teils aus der alten Besatzung von früher, teils aus vielversprechendem Nachwuchs.

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