Standesamt soll verlagert werden

„Das lief alles sehr kurzfristig“, sagt Bürgermeister Jürgen Kürzinger. Am 17. März erst ging die Kündigung der stellvertretenden Standesbeamtin ein. Sie ist im Einwohnermeldeamt tätig. Nach 35 Jahren will sie sich beruflich noch einmal verändern. Seit der Kündigung habe es keine Marktgemeinderatssitzung gegeben, sagt Kürzinger. Außerdem sei die ganze Thematik einer Standesamtsverlagerung auch für ihn Neuland und eine Entscheidung darüber Angelegenheit der VG. Man stehe nun vor zwei Wegen, um auf die frei werdende Stelle zu reagieren. Entweder sie müsste neu besetzt werden oder aber eben die Aufgaben des Standesamtes nach Eschenbach verlegt werden. Hier wurde in der Vergangenheit schon Vorleistung erbracht, so der Bürgermeister, denn die VG Eschenbach habe schon viele Vertretungen für das Standesamt Kirchenthumbach übernommen. „Neu besetzen oder verlagern“, fasst Kürzinger die beiden Möglichkeiten zusammen.

Sachlage erklären

Im nicht öffentlichen Teil der VG-Sitzung am Donnerstag soll es nun eine Vorberatung zu den Vertragsmodalitäten geben. Aber auch in der morgigen Sitzung des Gemeinderates will Kürzinger die Sachlage erklären. Auf jeden Fall habe Kirchenthumbach einen finanziellen Nutzen davon, wenn das Standesamt künftig nach Eschenbach geht. Die Entscheidung darüber soll dann im öffentlichen Teil der VG-Sitzung fallen.

Eine Umsetzung ist für Kürzinger im zweiten Halbjahr denkbar, die Kündigung der Mitarbeiterin sei zum 30. September. Trauungen könnten weiter in Kirchenthumbach stattfinden, nur eben der Verwaltungsakt würde in Eschenbach durchgeführt werden. Die Mitarbeiterin des Standesamtes würde dann die Aufgaben aus dem Einwohnermeldeamt übernehmen. Durchschnittlich zehn bis 15 Trauungen werden in Kirchenthumbach im Jahr vollzogen, so Bürgermeister Kürzinger.

Vertretung aus Eschenbach

„Wir wollen den Bürgerservice des Standesamtes vor Ort behalten“, sagt Dominik Brütting. Der SPD-Fraktionsvorsitzende hat für die heutige Sitzung des Marktgemeinderates einen Eilantrag eingereicht, dass sich das Gremium mit der Thematik befasst. Der Gemeinderat sollte nicht einfach übergangen werden. Die Entscheidung liege zwar letztendlich bei der VG-Versammlung, aber der Gemeinderat sollte sich vorher positionieren, so Brütting. „Man darf den Gemeinderat nicht einfach übergehen und sollte auch die Bürger im Vorfeld informieren“, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende. Er verstehe das Argument, dass die Gemeinde durch eine Verlagerung des Standesamtes Kosten spare. Dagegen spreche aber eben, dass der Bürgerservice nicht mehr gegeben wäre. Grundsätzlich sei er für eine sinnvolle Zusammenarbeit der Kommunen und habe auch zukünftig nichts gegen eine Vertretung aus Eschenbach. „Aber eine Verlagerung des Standesamtes ist eine endgültige Entscheidung“, sagt Brütting.

Interessenten gibt es

„Für uns kam der Punkt mit der Verlagerung des Standesamtes nach Eschenbach völlig überraschend auf der Ladung zur VG-Sitzung“, sagt CWG-Vorsitzender Jürgen Geyer. Er ist der Ansicht, dass der Marktgemeinderat über solche grundlegenden Sachen informiert werden muss, auch wenn er letztlich nicht die Entscheidung drüber trifft. Dass die Kündigung der langjährigen Mitarbeiterin der Grund für die Verlagerung sein soll, irritiert Geyer. „Das ist ja nur die Stellvertreterin. Die eigentliche Stelleninhaberin ist krank“, sagt er. Es müsste also nur ein Stellvertreter nachgeschult werden. Interessenten gebe es dazu sicher in der Verwaltung. Für den Fraktionsvorsitzenden gehört aber ganz einfach die Information über bestimmte Sachverhalte zum guten Ton. „Bürgermeister Kürzinger hat es sich ja im Wahlkampf zum Credo gemacht, transparent zu sein“, so Geyer.

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