So kam es zur neuen Seilbahn

Die Entscheidung neu zu bauen statt zu reparieren, erscheint aus mehreren Gründen logisch und folgerichtig. 1969 wurden die ersten beiden Seilbahnen am Ochsenkopf in Betrieb genommen, damals für umgerechnet 1,7 Millionen Euro. Sie wurden 22 Jahre später (Bischofsgrün) beziehungsweise 28 Jahre später (Fleckl) gegen neue Bahnen ausgetauscht – Kosten damals: zusammen knapp sieben Millionen Euro. Diese sind unverändert bis heute in Betrieb, also auch schon wieder 26 beziehungsweise 20 Jahre.

Während die erste Seilbahn noch komplett offen war und die aktuelle halboffen mit Hauben fährt, soll die nächste Seilbahn geschlossene Gondeln haben. Sie soll behindertenfreundlicher sein (vor 25 oder gar 50 Jahren noch kein großes Thema, im Gegensatz zu heute) und mit erhöhter Kapazität vor allem an starken Winterwochenenden die Wartezeiten von bis zu einer halben Stunde – vor allem in Bischofsgrün – verkürzen.

Wahlen und Geld in Hülle und Fülle

Dafür, jetzt neu zu bauen, spricht auch, dass derzeit der Staat im Geld schwimmt. Und dass nächstes Jahr in Bayern Wahlen sind. Und dass die Zinsen niedrig sind. Wie lange noch in Deutschland die Steuern sprudeln wie in den vergangenen Jahren, weiß niemand, und dass eine Regierung kurz vor Wahlen gebefreudiger ist, als nach einer Wahl, ist eine Binsenweisheit. Und die Niedrigzinsphase, die Sparer leiden lässt und Kreditnehmer freut, wird nicht ewig dauern.

Trotzdem ist der Entscheidung ein langer Prozess vorausgegangen. Kritik an den Kapazitätsproblemen im Winter gab es schon länger aus Bischofsgrün. Doch die Diskussion über einen Neubau nahm Fahrt auf, als es vor einem Dreiviertel Jahr um die Frage ging, ob für eine Million Euro die Steuerung der Bahn erneuert werden soll. Die Entscheidung wurde vertagt. Im November legte die „Strategiegruppe Seilbahn Bischofsgrün“ ein Thesenpapier mit Expertenmeinungen für einen Neubau vor. Damit schlug Bischofsgrün den gleichen Weg ein wie vor gut zehn Jahren: Als mit klaren Fakten und Daten unterlegt eine künstliche Beschneiung am Ochsenkopf gefordert und begründet wurde. Die Beschneiung kam (Kosten: zwei Millionen Euro), zehn Jahre später weiß man, dass es die richtige Entscheidung war, dem Klimawandel zum Trotz.

Parallel hat ein Südtiroler Fachbüro die bestehenden Bahnen unter die Lupe genommen, um die Variante „Reparatur/Sanierung“ durchzurechnen. Ergebnis: je nach Umfang 1,3 bis 3,7 Millionen Euro wären nötig gewesen, bei 15 Prozent Zuschuss. Landrat Hübner peilt für den Neubau eine Zuschussquote von deutlich mehr als 40 Prozent an.

Seilbahn als Hebel

Mit der mutigen Entscheidung für den Neubau geht auch das politische Bekenntnis einher, dass touristische Einrichtungen in öffentlicher Hand nicht in erster Linie selbst ihr Geld verdienen sollen. Sondern eine Hebelwirkung entfalten sollen. Beispiel: Zu den rund 15 Festangestellten an der Seilbahn kommen noch bis zu 80 Aushilfen im Jahr hinzu. Die Gesamtpersonalkosten im Zweckverband liegen bei fast einer Million Euro. Ein großer Teil davon, bleibt als Löhne und Gehälter in der Region. Das Geld kommt großteils von Urlaubern, die von außerhalb kommen. Von Einnahmen in Hotellerie und Gastronomie ganz zu schweigen.

Anderes Beispiel: Das Feriendorf Obernsees gäbe es ohne die (ebenfalls umlagebedürftige) Therme nicht. Hier sollen übrigens in den nächsten Jahren zwölf Millionen Euro investiert werden.

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Kommentare

Grundsätzlich wäre vor allem für die Nordpiste eine höhere Beförderungskapazität zu begrüßen, allerdings geht das Konzept nur auf, wenn dann auch die Abfahrtspisten verbreitert werden! Denn die, für ein Skiabfahrt sehr schmalen Pisten am Ochsenkopf lassen eigentlich keine höhere Kapazität zu! Die Gefahr von Zusammenstößen auf den schmalen Pisten war zuletzt bereits sehr hoch und würde auch keinen Spass mehr machen, wenn ich mir vorstelle, dass dann doppelt so viele Skifahrer sich auf den Pisten befinden! Einen Neubau für die Südpiste halte ich persönlich aufgrund der schneearmen Winter nicht für notwendig! Der Landkreis muss sich genau überlegen, wie hier die Finanzierung gewährleistet ist, ohne dass dann andere Projekte im Landkreis benachteiligt wären!
Meine Überlegungen gingen eher dahin, auf der oberen Nordseite noch einen zweiten (Schlepp-) Lift zu bauen, um den Andrang an der Talstation zu verringern. Dazu müsste aber der Wald abgeholzt werden. Die unteren Teil beider jetzigen Pisten sind so flach, dass sie nur als Zubringer zur Talstation taugen. Das mag für totale Anfänger genügen, aber nicht für Geübte. Deshalb wäre ein zusätzlicher Lift im oberen Bereich vielleicht das Richtige.
Da stimm ich Ihnen bei der Nordpiste nicht zu. Die ist eher im oberen Bereich recht flach. Nach einem recht steilen aber kurzen (100m) Einstieg kommt ein etwa 300m langes flaches Stück. Da muß man schon ordentlich Schwung mitnehmen (aus dem Steilstück zu Anfang) um nicht stehen zu bleiben. Was dann folgt sind knapp 2 Km relativ abwechslungsreiche Piste mit einem etwas flacheren ca. 200m Auslauf. Das ist aber genau richtig in Hinsicht auf das Pistenende!
Andersrum gesagt. Im Gipelbereich ist der Ochsenkopf zwar recht schneesicher aber auch recht flach. Ob sich da dann ein Schlepplift lohnt?