Sie managt den Deutschen Winterwandertag

Annika Stöcker ist zwar in einem Fremdenverkehrsort aufgewachsen. Aber sie stammt nicht aus einem Hotel oder einer Pension. Ihre Eltern haben auch nicht privat Zimmer vermietet, wie viele andere Warmensteinacher. Die Inspiration, den Urlaub anderer Leute zum Beruf zu machen, hat sie dann auch nicht im heimischen Fichtelgebirge bekommen, sondern im eigenen Urlaub: „Flug, Hotel ... das Management, das dahintersteht, hat mich interessiert.“

Nach dem Abitur am Richard-Wagner-Gymnasium hat sie 2012 das Studium des Tourismusmanagement, also Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Tourismus, an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in München aufgenommen.

Und das Thema ihrer Bachelorarbeit führte geradewegs in die Heimat zurück: Mobilitätsmanagement am Beispiel der Bahnlinie nach Warmensteinach. In ihrer Arbeit hat sie unter anderem Vor- und Nachteile der Varianten Bahnstrecke und Radweg dargestellt und abgewogen. Ein Konzept für die Reaktivierung war ebenfalls Teil ihrer Arbeit. In der Summe kam sie zu dem Ergebnis: Unterm Strich ist der Radweg die bessere Lösung für die Trasse. Etwa zur selben Zeit, als die Arbeit fertig war, im vergangenen Sommer, kamen Politik und Streckeneigentümer zur gleichen Einsicht. „Das Schlimmste fand ich den langen Stillstand“, sagt sie heute.

Ebenfalls in die alte Heimat führten Praktika bei der Tourismuszentrale (TZ) Fichtelgebirge und der Tourismus Marketing Ochsenkopf GmbH (TMO). Dabei hat sie einige entschiedene Eindrücke gewonnen: „Bei uns ist mehr los, als die Leute immer sagen. Es hat sich viel getan in den letzten Jahren, es ist besser geworden. Anderseits ist das Kirchturmdenken immer noch sehr ausgeprägt.“

Seit dem 15. November hat Annika Stöcker die „Projektstelle Winterwandertag“ inne. Im Schnitt zehn Stunden pro Woche soll sie sich bis Ende Februar 2018 um Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung des Deutschen Winterwandertages 2018 am Ochsenkopf kümmern. Formal wird sie vom Fichtelgebirgsverein bezahlt, doch das Geld kommt aus einer Mischfinanzierung. Im Rathaus Fichtelberg, wo auch TZ und TMO ihren Sitz haben, kann sie ein Büro nutzen. Bei Null muss sie nicht anfangen. Es gibt bereits eine Lenkungsgruppe und Projektgruppen. In einer ist auch ihr Vater Rainer, Wanderführer beim FGV Oberwarmensteinach, aktiv. Zuständig wird sie „für alles ein bisschen“ sein: Koordinierung,Sponsoring, Marketing. „Die Fäden laufen bei mir zusammen.“ Parallel arbeitet sie an ihrer Masterarbeit. Thema: der Winterwandertag.

Zahlenmäßig wird der Winterwandertag zwar im Schatten des eigentlichen Deutschen Wandertages stehen. Vor knapp einem Jahr in Willingen kamen knapp 1400 Teilnehmer aus ganz Deutschland, damals allerdings ohne Schnee. Trotzdem misst Annika Stöcker der fünftägigen Veranstaltung im Januar 2018 große Bedeutung für die Region bei: „Das ist eine große Chance für uns, und es wäre schön, wenn alle anpacken und mithelfen. Gesundheitswandern liegt im Trend. Und das Angebot am Winterwandertag wird sich nicht nur auf Wandern beschränken. Wir können zeigen, dass Winter bei uns mehr ist als Skifahren und Schneekanonen.“

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