Sensation: DHB-Team im EM-Halbfinale

Dort trifft die DHB-Auswahl als Gruppenzweiter am Freitag auf die Norweger, die in der anderen Hauptrundengruppe überraschend Weltmeister Frankreich und Gastgeber Polen hinter sich ließen. Das andere Halbfinale bestreiten Spanien und Kroatien.

Bundestrainer: "Grandiose Leistung"

Nach dem allmählichen Herantasten an die Weltelite seit dem siebten Platz bei der WM vor einem Jahr in Katar markierte der Sieg gegen den zuvor ungeschlagenen Europameister von 2008 und 2012 einen Durchbruch. Wenn man berücksichtigt, dass die ohnehin von namhaften Ausfällen betroffene jüngste Mannschaft des Turniers kurzfristig auch noch die Verletzungen der Leistungsträger Steffen Weinhold und Christian Dissinger zu verkraften hatte, ist das Ergebnis nicht weniger als eine Sensation. „Es war eine grandiose Leistung“, strahlte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. „Die Jungs sind ruhig geblieben, haben immer weiter gearbeitet und dabei auch den Kopf nicht verloren. Wir hatten so viele taktische Schwierigkeiten zu meistern, dass ich mir nicht sicher war, ob sie vielleicht sogar zu viel im Kopf haben mussten.“

Spielverlauf mit vielen Wendungen

Tatsächlich war die mitreißende Partie von vielen Umstellungen auf beiden Seiten geprägt, die den Spielverlauf immer wieder veränderten. Die Deutschen verwandelten den 3:5-Rückstand (9.) in eine Führung mit 6:5 (13.) und 10:8 (22.), indem sie zwei Spieler im dominierenden dänischen Rückraum mit weit vorgezogenen Verteidigern störten. Superstar Mikkel Hansen (Paris) kam in dieser Phase fast nur noch bei Überzahl zur Geltung. Dann fand der Favorit (mit zehn Bundesligaspielern) aber eine Antwort, indem er den relativ harmlosen Mads Christiansen im rechten Rückraum durch einen weiteren durchschlagskräftigen Rechtshänder ersetzte: Michael Damgaard (Magdeburg) erzielte beide Tore zum 10:10 und dann auch noch das 11:13 (28.).

Die zweite Halbzeit eröffnete das DHB-Team mit 4:1 Toren zum 16:14 (35.). Dieser Ansatz von einem Lauf wurde aber sofort wieder mit offensiver Deckung gegen Steffen Fäth gestoppt, der mit seiner eindrucksvollen Wurfkraft bereits sechs Treffer erzielt hatte. Prompt folgten neun Minuten ohne deutsches Tor. In dieser Phase hätten die Dänen sogar mehr als die vier Treffer zum 18:16 erzielen können, wenn sie nicht bei Überzahl zweimal das leere Tor verfehlt hätten. Einen dieser Würfe blockte der nachnominierte Kai Häfner, der dann mit seinen Treffern zum 17:18 und 19:19 (45.) die nächste Wende in der Achterbahnfahrt einleitete: Deutschland führte 21:20, lag fünf Minuten später aber wieder mit 21:23 zurück (53.). Zu diesem Zeitpunkt hatte es den Anschein, als würden sich die jungen Deutschen doch den einen oder anderen kleinen Fehler zu viel leisten, um den Favoriten tatsächlich stürzen zu können.

Letzte sieben Minuten ohne Gegentor

Statt dessen waren es jedoch die Dänen, denen in den letzten sieben Minuten kein Tor mehr gelang. Nachdem der bis dahin fehlerfreie Flensburger Linksaußen Anders Eggert zwei Minuten vor Schluss den Pfosten getroffen hatte, erzielte Fabian Wiede in Überzahl das 25:23. Als dann Andreas Wolff den Wurf von Mads Mensah Larsen (Rhein-Neckar Löwen) pariert hatte, war die Sensation perfekt.

Statistik

Deutschland: Wolff, Lichtlein – Sellin, Lemke, Reichmann 4/3, Wiede 5, Pekeler, Strobel 1, Schmidt 1, Fäth 6, Häfner 3, Dahmke 2, Kühn 1, Ernst, Pieczkowski 1, Kohlbacher 1.

Dänemark: Landin, Möller – Lynggaard, Christiansen 1, Mensah Larsen 2, Mortensen, Eggert 6/3, Lauge Schmidt, Nöddesbo, Svan Hansen 2, Lindberg 2, Möllgaard, Toft Hansen, Hansen 7, Damgaard 3, Balling.

SR: Horacek/Novotny (Tschechien); Strafminuten: 6 / 8.

Zuschauer: 6500.

Unterstützung von Löw, Klopp und Nowitzki

Viel moralische Unterstützung von prominenten Vertretern anderer Sportarten hatte die DHB-Auswahl vor dem Spiel bekommen. Per Video-Botschaft auf der Facebook-Fanpage von TV-Experte Stefan Kretzschmar berichtete Fußball-Bundestrainer Joachim Löw, dass er die Spiele gegen Ungarn (29:19) und Russland gesehen (30:29) hat: „Ich war begeistert von eurem Tempo und eurer Qualität und habe richtig mitgefiebert. Fürs Spiel gegen Dänemark wünsche ich euch alles Gute. Ich bin mir sicher, dass ihr das schafft.“

Basketball-Star Dirk Nowitzki fieberte in den USA mit. „Macht das Halbfinale klar!“, forderte er. In Liverpool drückte Jürgen Klopp die Daumen: „Wenn ihr das Ganze als einen großen Spaß seht und richtig Bock habt, könnt ihr den Dänen richtig einen verbraten. Ich würde mir ein zweites Loch in den Arsch freuen, wenn euch das gelingt.“

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