Schlimme Zustände für Flüchtlinge

„Das ist der etwas andere Urlaub“, sagt Häckel (25), der gerade sein Studium für Infrastrukturmanagement abgeschlossen hat. Er war schon mal in Ghana und hat in einem Waisenhaus geholfen. „Das ist sinnvoller“, sagt er.

Und nun hatte ihm ein Freund von dem Zentrum auf Lesbos erzählt und davon überzeugt, sich dort einzubringen. Die Organisation betreut Flüchtlinge, die länger bleiben. „In dem Zentrum läuft es eigentlich von alleine“, sagt Schörk, die in Nürnberg Soziale Arbeit studiert.

Es gibt eine allgemeine Leitung sowie eine Schichtleitung und einen, der den Einsatz der Freiwilligen organisiert. „Das Motto lautet, Hilfe zur Selbsthilfe“, erzählt sie. Die Freiwilligen leben mit und für die Flüchtlinge, geben ihnen Verantwortung, unterstützen sie, es selbst zu machen.

Täglich 300 bis 500 Besucher

Insgesamt 50 Mitarbeiter – auch Flüchtlinge, die im Lager Moria untergebracht sind – sind in dem Zentrum beschäftigt. Und es gibt viele Projekte dort, wie einen Friseur, ein Café und Kino, eine Turnhalle, eine Boutique und eine Nähstube. „Wir begleiten die Flüchtlinge“, nennt es Schörk.

Zwischen 300 und 500 Besucher kommen täglich in das Zentrum und nutzen die Angebote. Es gibt dort eine fiktive Währung, die Drachmas. Dadurch werde den Flüchtlingen vermittelt, dass sie sich nicht so hilfsbedürftig fühlen, für sich selbst entscheiden können.

Die Situation in dem Lager Moria ist katastrophal, sagen die beiden Pegnitzer. Ausgerichtet ist es eigentlich auf 2000 Flüchtlinge, zurzeit leben dort aber 5000 Personen. Fast die Hälfte sind Kinder. Es gibt Container und Zelte, teilweise schlafen die Flüchtlinge unter freien Himmel.

„Es ist nichts auf den Winter vorbereitet“, sagt Schörk. Morgens werden die Flüchtlinge mit einem Shuttle-Bus aus dem Lager geholt und ins Zentrum gebracht. Häckel hat das gemacht. Dabei hat er viele Kontakte geknüpft, ist mit den Flüchtlingen ins Gespräch gekommen.

Barrieren wurden schnell gebrochen. Anschließend hat er in der Küche geholfen. „Es wird Wert darauf gelegt, dass die Flüchtlinge jeden Tag eine warme Mahlzeit bekommen“, erzählt er.

Abends laufen sie dann zurück, eine Stunde nehmen sie dafür in Kauf. „Sie sind froh, wenn sie nicht im Lager sind“, sagt Schörk.

Sie wollen Sprachen lernen

Neben diesem einen Zentrum gibt es noch ein weiteres Camp, das Kara Tepe. Dort sind vor allem psychisch Verletzte und alleinstehende Frauen. „Das ist eine gewachsene Sache“, so Häckel. In dem Gemeinschaftszentrum geht es hauptsächlich darum, gemeinsame Zeit mit den Flüchtlingen zu verbringen.

So haben Schörk und Häckel mit den Flüchtlingen auch Spiele gemacht. „Kniffel“, erzählen sie. Das geht auch, wenn man keine gemeinsame Sprache hat. Wobei viele von den Flüchtlingen mehrere Sprachen können und auch lernen wollen.

In erster Linie sollen die Flüchtlinge aber erfahren, dass sie in dem Camp eine schöne Zeit verleben können, runterkommen von dem schlimmen Gedanken und Erfahrungen der Flucht, der Situation im Lager.

Das Militär kontrolliert das Lager

Jeden Tag kommen rund 100 Flüchtlinge mit dem Boot auf Lesbos an. Viele haben es auch nicht geschafft, wurden vorher von der Küstenwache aufgegriffen und in die Türkei zurück geschickt. „Nach Lesbos sind im Oktober 2264 Flüchtlinge gekommen, auf allen griechischen Inseln waren es im gleichen Zeitraum insgesamt 4116“, sagt Schörk.

Das Lager Moria ist ein altes Gefängnis, es gibt wenig Platz dort. Im vergangenen Winter, in dem es auf Lesbos auch Schnee gab, sind sechs Flüchtlinge gestorben. „Es ist krass zu sehen, wie die EU solche Lebensumstände hinnimmt und nichts dagegen macht“, sagt Schörk kopfschüttelnd. Die Leute müssten schneller ans Festland gebracht werden, so Häckel, wo es mehr Unterkünfte gibt.

Wie verheerend die Situation auf Lesbos ist, habe auch der Papst deutlich gemacht, als er mal dort war und das Lager mit einer KZ-Unterkunft verglichen hat. Das Militär kontrolliert das Lager streng, es gibt hohe Wände und Stacheldraht. Die Flüchtlinge, die in das Gemeinschaftszentrum kommen, haben den beiden Pegnitzern das erzählt. In der Hoffnung, dass diese Information weitergetragen wird. „Es wird nicht mehr viel von Lesbos in der Gesellschaft erzählt, ist kaum etwas bekannt“, sagt Schörk.

Sie wollen so etwas noch mal machen

Häckel und Schörk war es wichtig, dass sie zu zweit dort waren, sich mit anderen Freiwilligen austauschen konnten. „Manchmal haben wir einfach Spaß gehabt und nicht nur an die vielen Schicksale gedacht“, sagen sie. Die beiden wollen so etwas auf jeden Fall noch mal machen. Wo genau, wissen sie noch nicht.

 

Am Samstag, 25. November, halten Martin Häckel und Lavinia Schörk um 19 Uhr in der Böheim Brauerei einen Vortrag über ihren Aufenthalt auf Lesbos und zeigen Bilder. Bereits ab 17.30 laden sie zur „Schnippeldisco“ – einem gemeinsamen Kochen mit Musik – ein. Außerdem gibt es eine Spendenaktion mit Postkarten. Weiter Infos unter www.ohf-lesvos.org.

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Montag, 13. November 2017 - 11:06