Saas: Der Hort in der Warteschleife

Das Thema brennt den Saasern seit Jahren auf den Nägeln. Allein: "Es bewegt sich nichts." Das sagt nicht nur der Distriktsvorsteher Gerfried Schieberle. Das sagen viele, die sich mit dem Thema befassen. Zum Beispiel Andrea Scheder, die Vorsitzende des Elternbeirats der Lerchenbühlschule: "Es passiert nichts. Das ist der aktuelle Stand." Sie habe, sagt Scheder am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung, "sowohl die neue Sozialreferentin Manuela Brozat als auch die Stadträte angeschrieben - und keine Antwort bekommen". Zuletzt war das Thema im Juli im Jugendausschuss des Stadtrats behandelt worden. Mit dem Ergebnis, dass die bereitstehenden Planungsmittel in Höhe von 20.000 Euro eigentlich abgerufen werden müssten. Parallel dazu laufen die Kosten für die Container im Schulhof der Lerchenbühlschule, in denen ein Teil der Hortkinder untergebracht sind, weiter: 2500 Euro pro Monat Miete.

Eltern: Ganz klar in Richtung Hort

Andreas Scheder sagt, der Wunsch der Eltern gehe nach wie vor ganz klar in eine Richtung: "Die Eltern wollen den Hort behalten. Es ist eindeutig: Die Saaser wollen keine Ganztagsschule. Deshalb haben wir das Gefühl, die Sache soll in der Stadt ausgesessen werden." Ähnlich sieht das Kerstin Körber. Körber hatte im vergangenen Jahr innerhalb kurzer Zeit mehr als 110 Unterschriften für den Erhalt des von der Diakonie geführten Horts gesammelt. Sie sagt am Montag auf Anfrage: "Unser Stand ist, dass eigentlich in dem Jahr entschieden werden sollte, was gebaut wird." Aber: "Ich habe die Information aus dem Kultusministerium, dass der Modellversuch des Kombimodells der Offenen Ganztagsschule ausläuft. Man werde die Ergebnisse des Versuchs bis Frühjahr 2018 haben." Das würde, sagt Körber, unter Umständen bedeuten: "Noch einmal zwei bis drei Jahre Wartezeit für die Saaser Kinder, bis es ein neues Modell gibt."

Kultusministerium: Ganztagsmodell läuft noch

Ludwig Unger, der Pressesprecher des Kultusministeriums, konkretisiert auf Nachfrage: "Der Modellversuch läuft noch. Parallel gibt es aber Gespräche der kommunalen Spitzenverbände und des Kultusministeriums, wie man das Modell fortführen kann." Die Erfahrungen mit dem Kombimodell, das auch Randzeiten abdecke, seien gut. Die Kosten für die Eltern geringer als für eine Hortlösung.

Die Saas braucht eine Lösung

Allerdings zeige, sagt Kerstin Körber, die aktuelle Situation, zeigten die auch Prognosen: Die Saas brauche dringend eine Lösung. "Allein heute Vormittag sind mir 39 Vorschulkinder aus der Saas entgegen gekommen. Ohne die Kinder aus der Hohlmühle. Ich gehe davon aus, dass die Lerchenbühlschule wieder dreizügig wird, dass der Bedarf steigt." Im Kindergarten würden derzeit rund 120 Kinder betreut, ausgelegt sei er auf 70 Plätze. Kinder hätten schon abgewiesen werden müssen.

Das neue Wohngebiet bringt neue Kinder. Ziemlich sicher.

Zudem sei das neue Wohngebiet auf dem ehemaligen Wedlich-Gelände noch gar nicht berücksichtigt. "Wo sollten die Kinder denn zur Schule gehen, wenn nicht auf die Lerchenbühlschule?" Auch diese Kinder bräuchten eine Anschlussbetreuung, die nach dem Willen der Saaser Eltern möglichst flexibel bleiben müsse. "In der OGTS müssen die Kinder drei Mal die Woche bis 15.30 oder 16 Uhr bleiben. 15.30 Uhr ist das Zuckerl, das man den Kindern zugesteht." Befreiung sei möglich, müsse aber über die Schulleitung laufen. "Die Schulleiterin wird sich bedanken, wenn sie jeden Tag zehn Befreiungen auf dem Tisch hat." Im Hort könne man Tag für Tag neu entscheiden, wann ihr Kind nach Hause soll. Dafür, sagt Kerstin Körber, zahle nicht nur sie gerne die Kosten, die im Hort anfallen - und höher ausfallen als die im Kombimodell der OGTS.

Das sagt die Stadt: Man prüft die Alternativen

Gebaut werde in diesem Jahr sicher nichts mehr, sagt die Sozialreferentin Manuela Brozat am Montag auf Anfrage des Kuriers. "Wir prüfen drei Alternativen." Man habe auch eine Anfrage bei der Regierung laufen, von dort jedoch noch keine Antwort bekommen. Es gehe vor allem um die bauliche Frage, die vom Stadtbaureferat abgeklopft werden müsse. "Wir prüfen die Frage eines Hort-Neubaus. Wir prüfen aber auch, wie es sich verhalten würde, wenn man ein Ganztagsangebot nutzt." Hier gehe es vor allem um die Frage, ob man einen An- oder Neubau brauche, "dann spielt die Essensversorgung eine Extra-Rolle". Und: "Man prüft auch, ob man die vorhandenen Räume nutzen könnte." Grundsätzlich, sagt Brozat, sei "der Modellversuch der Offenen Ganztagsschule noch nicht am Ende. Es laufen Abstimmungsgespräche in den Ministerien".

Neubau des Kindergartens? Schwierig!

Was wohl eher schwierig werden würde: Der Neubau oder die Aufstockung des Kindergartens, um so eventuell Raum für einen Hort zu schaffen, wie es die Idee in Elternkreisen ist. "Ich glaube nicht, dass man da eine neue Förderung bekommen könnte", sagt Brozat. Zumal "der Kindergarten nicht so alt ist. Wenn man damals Förderung bekommen hat, sind diese Mittel 25 Jahre zweckgebunden".

Fakt sei: Man prüfe "ergebnisoffen. Aber man kann auch nicht sagen, man will einen Hort und dabei bleibt es". Sie wolle, sagt Brozat, "Klarheit haben", bevor sie das Vorhaben erneut dem Stadtrat vorstelle.

Das sagt die Diakonie: Hort - was sonst?

Die Diakonie, die den Kindergarten in der Saas und den Hort betreut, hat "wieder einen Vertrag für ein Jahr für den Hort bekommen", sagt Diakonie-Vorstand Franz Sedlak. Sein Kenntnisstand über die Angelegenheit Hort oder Offene Ganztagsschule sei "der von vor den Ferien", sagt Sedlak. In aktuelle Überlegungen der Stadt sei er nicht eingebunden, sagt er auf Nachfrage.

Einzige Lösung, "weil es sachdienlich ist"

Allerdings gibt es für Sedlak keine andere Lösung, als einen Hort für die Kinder in der Saas zu bauen. Nicht aus emotionalen Gründen, wie sie in der Diskussion seit Jahren immer wieder aufbranden. Oder weil es der erklärte Wille der Eltern sei. Nein, sagt Sedlak, "weil es sachdienlich ist". Denn die richtige Antwort auf die Entwicklung des Stadtteils sei "ein zu planender Hort als Königsweg". Schließlich sei zu erwarten, dass im Glockengut, das neu bebaut werde, Familien mit Kindern ein neues Zuhause finden werden. Das sei in alle Überlegungen einzubeziehen. "Eine offene Ganztagsschule wäre doch dann auch schon wieder zu klein."

Pflichtaufgabe der Kommune

Ein Hortneubau - gegebenenfalls an der Schule - könne helfen, die räumliche Situation sowohl in der Schule als auch im Kindergarten zu entzerren. "Es ist ja auch Pflichtaufgabe der Kommune. Der Bedarf schlägt dann bei uns als Betreiber auf. Und den decken wir gerne - in Räumen, die sowohl der Anzahl der Kinder als auch dem pädagogischen Anspruch gerecht werden." Um diesem Bedarf in der Saas gerecht werden zu können, brauche man eine Lösung, die aus Sicht der Diakonie nur Hort heißen könne.

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