Ruhestand: Mehr Zeit für die Familie

Im Haus des Ehepaars herrscht Gewaltenteilung: Während Judith Sebald kocht und putzt, ist ihr Mann für den Garten zuständig. Seit der ehemalige Leiter der Sozialhilfeverwaltung vor eineinhalb Jahren in Rente gegangen ist, darf er auch „niedere Hausarbeiten“ wie Staubsaugen oder „Hilfsarbeiten in der Küche“ erledigen. Und hat seine Kaffee-Koch-Künste perfektioniert. Für Judith Sebald ist er der „fast perfekte Ehemann“. Dennoch wird Judith Sebalds Rente für die beiden „eine große Umstellung“.

Seit 45 Jahren sind Oskar und Judith Sebald verheiratet. Ihr Mann Oskar Sebald arbeitete fast 50 Jahre lang für das Landratsamt – erst in Pegnitz, dann in Bayreuth. Die beiden haben sich im Landratsamt Pegnitz kennengelernt. Das Landratsamt war nicht all zu groß, die jungen Mitarbeiter sind abends öfter miteinander weggegangen und so lernten sich die beiden auch kennen – „keine spektakuläre Kennenlerngeschichte“, wenn man Judith Sebald fragt. Seit 45 Jahren sind die beiden verheiratet, haben zwei Kinder und zwei Enkelkinder. Ihr Geheimnis: Viele gemeinsame berufliche Interessen. Und die gemeinsame Fahrt zur Arbeit. Er am Steuer, sie liest den Nordbayerischen Kurier.

Das Aufgabengebiet der Regierungsrätin und stellvertretenden Fachbereichsleiterin seit 27 Jahren: das Erschließungsbeitragsrecht. Sie bearbeitete die Widersprüche von Bürgern gegen Erschließungsbeiträge. Am meisten gefallen hat ihr dabei die Rechtsprechung: Urteile wälzen, Gerichtsverfahren, Gesetzestexte lesen. Obwohl sie wohl nie Jura studiert hätte, ist sich ihr Mann sicher: „Sie wäre eine großartige Anwältin geworden.“

Die Regierungsrätin begann ihre Ausbildung im Jahr 1970 beim ehemaligen Landratsamt Pegnitz. Nach der Anstellungsprüfung im Jahr 1975 wurde sie zunächst bei der Regierung von Oberfranken eingesetzt. 1983 wurde ihrem Wunsch nach Versetzung an das Landratsamt Bayreuth entsprochen. Da das Landratsamt direkt um die Ecke war und man im Gegensatz zu einem Studium „gleich von Beginn an Geld verdiente“, „war die Sache eigentlich schon beschlossen.“ Eigentlich wollte Judith Sebald nie im Büro arbeiten. Dass ihr Vater den Beruf für sie ausgesucht hat, bereut sie bis heute nicht. Denn sie hat ihre Arbeit gern gemacht – und was „man gern macht, macht man auch gut“.

Nicht bewertet

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Kommentare

Kommt jetzt bei jeder Pensionierung ein Zeitungsbericht im Kurier?
Ja "Sommerloch",
man muss ja dem treuen Abo-Leser Papier schicken, auf dem Buchstaben und Bildchen gedruckt sind;
und da soll's Arbeitnehmer geben, die länger als 47 Jahre gearbeitet haben ...... was machen wir damit ?
Liebe/r Schnuffi53,

wenn Sie jemanden kennen, der länger als 47 Jahre gearbeitet hat, teilen Sie uns das doch bitte mit. Wir können nur dann interessante Menschen vorstellen, wenn wir von ihnen wissen.

Schönen Gruß,
Norbert Heimbeck (Redakteur)
Mit 16 (also höchstens Mittlerer Reife) im Mittleren Dienst begonnen und dann von "Jurastudium" und "großartiger Anwältin" zu sprechen...
Was hätte ich nicht alles werden konnen?
Was ist da interessant?