Roberto Blancos Auftritt: Frech, aber legal

Überrascht von Blancos Auftritt waren wohl nicht nur die Bayreuther Zaungäste. Überrascht waren auch viele Offizielle. Roberto Blanco stand weder auf der Gästeliste der Stadt Bayreuth, noch hatte er die Premierenkarten für sich und seine Frau Luzandra bei den Bayreuther Festspielen bestellt. Wie er trotzdem reinkam? Darauf antwortet er nicht. „So was fragt man doch nicht.“ Aber: Er komme immer gerne zu den Bayreuther Festspielen, wenn es seine Zeit erlaube. Diesmal sei der Premierenbesuch schon seit Februar geplant gewesen.

Roberto Blanco ist inzwischen wieder zu Hause in Salzburg. Und zehrt noch von dem ausgesprochen freundlichen Empfang, den die Bayreuther ihm bereitet hatten. Das, sagt der 77-jährige Sänger („Ein bisschen Spaß muss sein“), tue gut. „Die Leute waren sehr nett. Ein wirklich schöner Empfang war das.“ Das Publikum – in Bayreuth und überall sonst, wo er auftrete – bilde sich seine eigene Meinung. Und lasse sich nicht von den Medien beeinflussen.

"Roberto ist blanco"

Die berichteten in den vergangenen Tagen und Wochen wenig Schmeichelhaftes über den Show-Star. Ein Rosenkrieg tobt zwischen ihm und seiner Ex-Frau, der er angeblich 150.000 Euro Unterhalt schuldet. Die könne er nicht zahlen, heißt es. Robert ist blanco, titelten Boulevard-Medien. Und: Gegen ihn liege ein Haftbefehl vor. Über seine Ex-Frau und seine finanzielle Situation will Blanco mit dem Kurier nicht sprechen. „Dazu sage ich nichts.“

Haftbefehl außer Vollzug

Ob bei der Festspielpremiere unter den Augen einer großen Zahl von Polizisten ein mit Haftbefehl gesuchter Schlagersänger auf dem roten Teppich entlang spazierte? Ein Sprecher der Bayreuther Polizei tut sich mit einer Erklärung zu Roberto Blancos Bayreuther Auftritt schwer. Er sagt nur: „Wir haben die Person Roberto Blanco überprüft. Es bestand kein Handlungsbedarf.“ Haftbefehl oder nicht? Das falle unter den Datenschutz. Mehr sagt er auch auf mehrfache Nachfrage nicht.

Roberto Blanco selbst dementiert am Telefon: „Es gibt keinen Haftbefehl. Und was gegen mich behauptet wird, stimmt alles nicht.“ Medienberichte interessierten ihn bedeutend weniger als die Reaktionen des Publikums. Und die seien nach wie vor positiv – so war das ja auch in Bayreuth. „Ich bin seit 60 Jahren im Show-Business. Ich bin ein Fels in der Brandung.“ Was der Bayreuther Polizeisprecher nicht sagen darf: Ein Haftbefehl gegen Roberto Blanco, ausgestellt vom Amtsgericht Kelheim, ist seit kurzem außer Vollzug gesetzt. Der Sänger hat inzwischen das getan, was seine Ex-Frau von ihm wollte: Er hat seine Vermögensverhältnisse offengelegt.

Bis zum roten Teppich

Auf den roten Teppich zu kommen, war für Roberto Blanco offenbar kein allzu großes Problem. Eine detaillierte Liste, welche Promi-Limousinen die gesonderte Zufahrt vor das Königsportal des Festspielhauses nutzen dürfen, gibt es nach Angaben der Polizei nicht. Die wäre in der Kürze der Zeit, die eine Festspielauffahrt bietet, nicht wirklich zu kontrollieren. Grundsätzlich würden Fahrzeuge, die erkennbar von Lotsen begleitet werden, vorgelassen. Das treffe natürlich nicht auf Taxen zu. Roberto Blancos Taxis wurde von einem Polizisten kurz kontrolliert, berichtet der Bayreuther Taxifahrer Bülent Bitikly. Er fuhr den Sänger und seine Frau vom Hotel Bayerischer Hof zum Festspielhaus. „Der Polizist hat mich kurz gefragt, wen ich dabei habe. Dann hat er mich reinfahren lassen.“ Blanco habe ihn gebeten, direkt an den roten Teppich zu fahren.

Tannhäuser mit Unterbrechung

Den Tannhäuser hat Blanco am vergangenen Freitag nur mit Unterbrechungen erlebt. „Meine Frau bekam während des ersten Aktes starke Kopfschmerzen“, sagt er. Den zweiten Akt habe er mit ihr im Festspielrestaurant verbracht, ihr Kaffee mit Zitrone serviert. „Das hilft bei Kopfschmerzen.“ Diesmal allerdings nicht. Deshalb zogen sich Roberto (77) und Luzandra Blanco (35) in ihr Hotel zurück, verbrachten den Abend nicht beim Staatsempfang, sondern auf der Hotelterrasse. Bei Wasser und einem Bayreuther Bier.

Taxifahrer Bülent Bitikly hatte das Paar vor dem letzten Vorhang gegen 21 Uhr wieder vom Grünen Hügel abgeholt. Bitikly jedenfalls ist von Roberto Blanco restlos begeistert: „Der Mann hat eine Stimme wie ein Bär und ist sehr nett, überhaupt nicht arrogant. Er kann sogar ein wenig Türkisch sprechen.“ Eines aber sei ihm aufgefallen: „Die letzten Wochen haben ihn scheinbar schwer getroffen.“

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Kommentare

Wo zum Teufel liegt denn eigentlich Kehlheim ?
KEHLheim ist ein bayerischer Biergarten!
Das "H" ist weg. Vielen Dank für den Hinweis. (dowa)
Es ist schon erstaunlich, dass der NK einem abgehalfterten, zweit- bis drittklassigen Schlagerfuzzy derart viel Publicity verschafft.
Hr. Blanko und der zugehörige Artikel im NK interessieren mich wie eine geplatzte Currywurst im ostfriesischen Wattenmeer. So geht es mir völlig übrraschend übrigens mit den meisten Artikeln im Kurier. Zum Glück zwingt mich aber niemand die Zeitung komplett zu lesen.
Was mich aber wirklich langsam aufregt ist die wiederholte Kritik an irgendwelchen trivialen oder banalen Artikeln in besagter Zeitung. Niemand wird genötigt solche Berichte zu lesen. Und es muss sich auch niemand damit auseinandersetzen. Manchen scheint es aber ein echtes Bedürfnis zu sein, sich regelmäßig darüber mitzuteilen.
Mich interessiert z. B. auch nicht, wie der 1. FC Großweiglareuth am Wochenende gegen Rot-Weiß Hinterdorf gespielt hat. Aber alles findet seinen berechtigten Platz in einer Regionalzeitung und es gibt sicher Leute, die das interessiert und die das lesen möchten.
Was ist aus Deutschland geworden ?

Ein geistig armes Deutschland, wenn wir Unrecht damit belohnen, indem wir diesem auch noch ein öffentliches Podium bieten und uns dann noch daran ergötzen wollen.

Gerechtigkeit, Anstand und Würde .. alles geht verloren und wir schauen nur zu .. wie dumme Leute

Was aus Deutschland geworden ist? Ähm... was war's denn vorher?

Aber meine eigentliche Frage, rein zum Verständnis: Wir sollten Unrecht also damit bestrafen, möglichst geflissentlich darüber zu schweigen?

Nein,
wir sollten Unrecht damit bestrafen, das wir
es aufdecken und beim Namen nennen. Keinesfalls aber
ein öffentliches Podium dafür bieten, das Unrecht
auch noch Ehre erfährt.

Damit habe ich alles dazu gesagt und will hier in dieser Sache auch nicht mehr weiter diskutieren.
Montag, 13. November 2017 - 11:06