Riesige Datenflut als Herausforderung

Eine Datenflut, für die Forschung und Wissenschaft einen griffigen Begriff geschaffen haben: Big Data, die Verarbeitung von Datenmengen, die für herkömmliche Auswertungsmethoden zu groß und komplex sind oder sich zu schnell ändern. Noch vor einem Jahrzehnt war ein Terabyte, die Speicherkapazität eines heutigen normalen Heimcomputers, für den Normalanwender kaum vorstellbar.

Fast bis zum Mond

Doch das ist ein Nichts gegen die derzeit auf der Welt verfügbare Datenmenge. Zwölf Zettabyte, das sind zwölf Milliarden Terabyte. In normalen Ein-Terabyte-Festplatten gespeichert, würde der Festplattenturm aufeinandergestapelt fast bis zum Mond reichen. Und bis zum Jahre 2020 soll diese Menge auf 40 Zettabyte anwachsen – dem 57-fachen der Sandkörner aller Strände weltweit. Beeindruckende Zahlen, die die Besucher der Veranstaltung „Was Bayern morgen braucht: Zukunft digital –Big Data“ bei der Fraunhofer-Projektgruppe Regenerative Produktion am Freitag per Videoclip auf die damit verbundene Problematik einstimmten: Was tun mit dieser Datenflut?

Der Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft hat sich darüber den Kopf zerbrochen und stellte Handlungsempfehlungen für die Regionen vor. „Wir alle, auch als Privatmenschen, nutzen Big Data heutzutage ganz selbstverständlich“, sagte Christian Böllhoff, Geschäftsführender Gesellschafter der Prognos AG. Beispiel: die Internet-Suchmaschine Google. Die Baseler Wirtschaftsforscher gehen davon aus, dass bis 2025 in Bayern 0,3 Prozentpunkte des Wachstums allein auf das Konto von Big Data gehen werden. „Big Data ist der Herzstück der Digitalisierung.“

Oberfranken spielt gut mit

Bayern ist laut Böllhoff bei der Big-Data-Forschung im deutschen Spitzenfeld mit dabei, hinter Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Zwar ist München im Freistaat der Platzhirsch, doch auch Oberfranken mit den Universitäten Bayreuth und Bamberg sowie mit Fraunhofer spiele vorne mit. Die Stärken der Region: Analysetechniken und maschinelles Lernen (Robotik). Ein Beispiel in Oberfranken, wie Big Data im Unternehmen angewendet wird, ist laut Böllhoff der Versicherer Huk Coburg. „Mit den Telematiktarifen bringen sie das Fahrverhalten der Autofahrer in Verbindung mit entsprechenden Versicherungstarifen.“ Eine ganz konkrete Anwendung mit wirtschaftlicher Bedeutung sowohl für das Unternehmen als auch für den Konsumenten.

Bayern hat nach Ansicht des Wirtschaftsforschers einen Branchenmix, der sehr Big-Data-bezogen ist. So haben die Automobilindustrie oder der Handel sowie die Finanz- und Versicherungsbranche schon seit längerem mit großen Datenmengen zu tun. Noch Potenzial sieht Böllhoff dagegen beispielsweise im Maschinenbau. Sorgen bereitet ihm allerdings, wie die Nutzung von Big Data mit der Unternehmensgröße einhergeht. Große Unternehmen haben sich schon verstärkt mit dem Thema auseinandergesetzt, während sich die kleineren Mittelständler damit schwertun.

Zu wenig Fachleute

Ein zentrales Hemmnis: „Big Data erfordert sehr viel Know-how und Verständnis. Dafür braucht es Fachleute. Und von diesen Fachleuten haben wir zu wenig“, so Böllhoff. Größere Unternehmen in den Metropolen haben es da leichter, entsprechendes Personal zu rekrutieren. Zudem fehle es oft am Verständnis dafür, was man mit Big Data erreichen kann, welche Potenziale da sind.

Eine zentrale Frage: Was darf Big Data eigentlich? Der Internetrechter Dirk Heckmann von der Universität Passau hat darauf eine differenzierte Antwort: „Big Data darf mehr, als manche befürchten und weniger, als manche sich wünschen.“ Hier haben Juristen die Aufgabe, die derzeitige zum Teil erhitzte Diskussion über Datenschutz in ein ruhigeres Fahrwasser zu lenken.

Gefahr durch Schwarze Schafe

Nur: Oftmals werden in der Euphorie, was alles möglich ist, bestimmte Rechteinhaber vergessen, wie beispielsweise Verbraucher. Knackpunkt sei hier die Transparenz. „Haben wir nur seriöse bayerische Unternehmen, die hehre Ziele verfolgen und alles dokumentieren, haben wir überhaupt kein Problem.“ Das entsteht jedoch mit dem Auftauchen von „Schwarzen Schafen“, die meinen, man könnte doch Daten einfach für weitere Zwecke verwenden. „Wie transparent sind denn Google, Facebook & Co. in dieser Hinsicht“, stellte Heckmann die Frage in den Raum.

Es braucht flotte Leitungen

Und was empfiehlt der Zukunftsrat nun in Sachen Big Data? „Die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, sagte Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Der Rat möchte daher, dass bis 2020 flächendeckend in Bayern Datenleitungen mit mindestens 100 Mbit/s zur Verfügung stehen. „Der Netzaufbau kommt voran, ist aber noch nicht dort, wo er sein sollte. Dazu braucht es noch ein neues Arbeitsrecht sowie einen rechtssicheren Umgang mit den Datenmengen und eine breite gesellschaftliche Debatte darüber.

Der Datenschutz müsse behutsam modernisiert, die Datenverwertung vorrangig vertraglich geregelt werden, wobei die Datensicherheit im Mittelpunkt stehen soll. Und noch vieles mehr, was der Zukunftsrat – natürlich digital – unter www.vbw-zukunftsrat.de im Internet ausführt.

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