Raps: Chefwechsel mit vielen Fragezeichen

Bedrückt wirkt sie, die bisherige Chefin des Kulmbacher Gewürzherstellers Raps. Für viele völlig überraschend hat Maria-Johanna Schaecher das Unternehmen verlassen. Als wir sie am Telefon erwischen, packt sie ihre letzten Sachen in ihrer Kulmbacher Wohnung zusammen. „Ich löse gerade meine Wohnung auf“, sagt die Hamburgerin, die seit rund vier Jahren pendelte. Im Sommer 2012 war sie Geschäftsführerin bei Raps geworden, hat den Mittelständler wieder auf Gewinnkurs gebracht, hatte große Pläne für die Zukunft des Unternehmens.  Jetzt geht sie plötzlich. Warum? „Ich will dazu nichts sagen.“ Jetzt noch nicht, schiebt sie nach. „Wenn alles geklärt ist, auch von der rechtlichen Seite“, dann könne man wieder reden, meint sie. Und wann könnte das sein? Ende Januar, glaubt sie. Ein gutes neues Jahr. „Ja, das kann ich brauchen“, sagt sie noch.

Aufgaben gut erfüllt

Die Trennung von Raps „war ihre eigene Entscheidung“, sagt Unternehmenssprecher Sascha Thaens auf Nachfrage dieser Zeitung. Schaecher habe ihre Aufgaben als Geschäftsführerin „sehr gut erfüllt“. Der nun anstehende Wechsel an der Raps-Spitze sei „auf ihren Wunsch eingeleitet worden“. Den Nachfolger will Raps Anfang Januar präsentieren.

Seit 2013 an der Spitze

Auch in der offiziellen Mitteilung des Unternehmens wird bekräftigt, Raps und Schaecher „beenden auf eigenen Wunsch von Frau Schaecher und im besten Einvernehmen zum Jahresende ihre Zusammenarbeit“. Schaecher war seit August 2012 Mitglied der Geschäftsführung des Gewürz- und Ingredienz-Spezialisten und übernahm 2013 die alleinige Führung. Die Zusammenarbeit sei ursprünglich auf fünf Jahre angelegt gewesen, „doch die gesteckten Ziele wurden früher erreicht“.

Frank Kühne, Gesellschafter und Beirat der Raps GmbH & Co. KG: „Wir danken Frau Schaecher für die geleistete Arbeit und die in den vergangenen Jahren erzielten sehr guten Ergebnisse. Ihre Mission hat sie hervorragend und vorzeitig erfüllt, dafür gebührt ihr unser ausdrücklicher Dank und Respekt.“

Gewinnsprünge

Mit Schaecher konnte das Kulmbacher Unternehmen, das einige Jahre unter Millionenverlusten litt, die Zahlen wieder deutlich verbessern. 2014 gab es einen Gewinnsprung von 11,1 auf 15,2 Millionen Euro. Auch im Jahr zuvor waren die Erträge sprunghaft gestiegen. Der Umsatz lag zuletzt bei rund 180 Millionen Euro. Von den insgesamt 900 Mitarbeitern arbeiten 550 in Kulmbach. 

Strategische Neuausrichtung

Im vergangenen Jahr gab Raps eine strategische Neuausrichtung bekannt: Neue Marschrichtung, neue Maschinen, neues Logo. Schaecher startete ein dreijähriges Investitionsprogramm für 18 Millionen Euro, das die umfassende Modernisierung von Maschinen und Prozessen vorsah.  Hintergrund: Gewürzmittel für das Metzgerhandwerk bringen kein Wachstum mehr. Aus der Gewürze-Firma wird immer mehr ein Ingredienz-Hersteller. Schaecher damals: „Wir sind im Lebensmittel und schaffen die Funktion.“ Über 40 Prozent des Umsatzes entfallen auf Zusatzstoffe für die Lebensmittelindustrie.

Schaecher wollte mit Raps auf Expansionskurs gehen, der auch Übernahmen vorsieht. Im Gespräch mit dieser Zeitung hielt sie eine halbe Milliarde Euro Umsatz auf längere Sicht für möglich – das wäre fast eine Verdreifachung des aktuellen Volumens. Gab es Differenzen über die künftige Marschrichtung des Unternehmens? "Es hat „keine Störungen gegeben“, sagt Thaens auf Nachfrage. Schaecher und Gesellschafter Kühne hätten ein „gutes, offenes Verhältnis“ gehabt. „Da gibt es nichts Außergewöhnliches zu berichten.“

Das Unternehmen

Der Kulmbacher Hersteller von Gewürzen und Zusatzstoffen macht mit 900 Mitarbeitern, davon rund 550 in Kulmbach, etwa 180 Millionen Euro Umsatz. Der Gewinn ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Seit 2012 wurde Raps von der Diplomkauffrau Maria-Johanna Schaecher geführt, die das Unternehmen nun überraschend verlassen hat. Raps verarbeitet rund 1100 Rohstoffe aus aller Herren Länder. Mit sieben Produktionsstätten in Europa werden jährlich über 40 000 Tonnen an unterschiedlichsten Lebensmittelinhalts- und Zusatzstoffen produziert.

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