Prozess um Messerangriff auf Kampfsportler

Der 47-jährige Angeklagte legte ein Geständnis ab, schränkte das aber ein: „Ich wollte ihn nicht töten.“ dass er am Abend des 28. Mai vor dem Messerangriff herumbrüllte „Ich bring den um, ich stech Dich ab“, stellt er nicht in Abrede. Er sagt aber: „Ich sage solche Sachen öfter. Aber ich kann keinen Menschen töten. Ich will das nicht.“

Der angeklagte Vorfall geschah in Speichersdorf bei einer privaten Grillparty. Eingeladen waren unter anderen der Angeklagte und der Angegriffene, ein 37-jähriger Mann. Der Angeklagte ist klein und wiegt 60 Kilo. Der Angegriffene ist einsachtundneunzig und wiegt 100 Kilo, und: „Ich bin Kampfsportler. Zwölf Jahre Thaiboxen.“ Letzteres half dem 37-Jährigen, den Messerangriff abzuwehren: Er machte eine Abwehrbewegung mit dem hochgezogenen Knie und schlug so dem Angreifer das Messer aus der Hand. Dann schubste er den 47-Jährigen von dem am Boden liegenden Messer weg. Als der Angeklagte sich nicht beruhigen wollte, brachte der Kampfsportler ihn zu Boden und fixierte ihn im Polizeigriff. Der Angeklagte sagt dazu: „Er nahm mich in den Schwitzkasten, dann gingen bei mir die Lichter aus.“

Streit um die Ehre der Motorradrocker

Beide Kontrahenten berichten über den Anlass des Streits ähnliches: Es ging um die Motorradrockerbanden „Bandidos“ und „Hells Angels“. Der 37-Jährige, der selbst einige Jahre bei dem Rockerclub „Gremium“ war und dort nach eigenen Angaben „erfolgreich“ ausgestiegen ist, äußerte sich in dem Streit abfällig über die „Bandidos“ und die „Hells Angels“. Die Folge: Der Angeklagte sei „hochgegangen wie das HB-Männchen“. Der Angeklagte selbst bekennt: „Ja, ich hatte einen dicken Hals.“ Das beschreibt der Kampfsportler so: „Er schrie rum, dass er seine Brüder nicht beleidigen lässt und sie bis aufs Blut verteidigt.“ Dem mit einem Messer vor ihm herumfuchtelnden Angeklagten will er keine Absicht nachsagen, aber: „Der Stich ging halt in meine Richtung.“

Mit zwei Pistolen auf der Suche nach dem Gegner

Es ist auch das Geschehen danach, das möglicherweise für einen Tötungsvorsatz spricht: Der von dem Kampfsportler – beide Männer sagen, sie hätten sich bis dahin gut, ja freundschaftlich verstanden – gedemütigte Angeklagte lief nach Hause. Mehreren Zeugenaussagen zufolge soll er mit zwei Pistolen in der Hand wieder am Ort des Geschehens aufgetaucht sein. Der Kampfsportler versteckte sich in einem Hauseingang und alarmierte die Polizei. der Angeklagte machte sich auf die Suche nach dem Kampfsportler und tauchte in einer Speichersdorfer Gaststätte auf, wo er den Kampfsportler vermutete. Einem 16-Jährigen, der in der Kneipe saß, und der ihn fragte, ob mit ihm alles in Ordnung sei, hielt er plötzlich eine Pistole an den Kopf. Der Wirt berichtete als Zeuge, ihm sei es gelungen, den Angeklagten zu beruhigen und ihn zu überreden, die Magazine aus den Pistolen zu nehmen – und auch die letzten Patronen aus dem Lauf zu nehmen: „Bei der einen Waffe habe ich gesehen, dass es Schreckschusspatronen waren. Ob die andere eine scharfe Waffe war, kann ich nicht sagen.“ Der Wirt, der jahrelang im Sicherheitsdienst tätig war, meint: „Seine Pupillen waren groß und starr, ich glaube, er stand unter Drogen.“

Ist das der Grund für den Ausraster? Der Angeklagte hat eine Drogenvergangenheit, sagt aber: „Ich bin weg davon. Dafür trinke ich aber ziemlich viel.“ An jenem Abend will er eine halbe Flasche Wodka und 15 Bier getrunken haben.

Der Prozess geht am Freitag weiter.

Nicht bewertet

Anzeige