Oh, Darling, Kat Frankie!

Die eröffnende Singer-Songwriterin Schmieds Puls stimmte auf den Geist der Zeit, nicht aber dieses Abends ein. „Joy“, Freude also, sei eigentlich das nächste Stück auf ihrer Setlist, sprach die Wienerin; der Sinn stünde ihr aber mehr nach „Shame on you“… Angesichts der Lage im Weltgeschehen sicher eine berechtigte Anmerkung, für diesen Abend galt dies aber nicht. Im Gegenteil.

Er war der Kunst, dem Schaffen miteinander und irgendwie auch einem Feminismus gewidmet, der etwas komplizierter ist als Glückwunschkarten zum Weltfrauentag zu verschicken. Kat Frankie, die in Berlin beheimatete Sängerin aus Sydney, verzückte das Publikum mit einer vielstimmigen Performance. Es hätte keinen besseren Gig zum Internationalen Frauen(kampf)tag geben können als dieses Konzert, das die Uneindeutigkeiten feierte.

„Please, don’t give me what I want“, sang Kat Frankie vor begeistertem Publikum: Gib mir bloß nicht das, wonach es mich verlangt. Gut, dass die schmale, immer ironisch gestimmte Künstlerin, die mit ihren ausgezeichneten, eigenwilligen Bandmitgliedern schäkerte und lachte, den Wünschen des Publikums aber eben doch nachkam und einige ihrer großen, älteren Hits sang.“

Too young“ zum Beispiel, die trotzige, zärtliche Hymne gegen das Interesse am Immobilienteil der Tageszeitungen, oder das berückende schöne „Oh Darling“. Bayreuth, das merkt man bei etwas anspruchsvolleren Popkonzerten immer wieder, erlaubt eine Intimität im Bühnenraum, für die man dankbar sein muss. Etwas wie an diesem Abend aber ist selten, ein Geschenk. Die sichtlich berührten Zuschauer wussten es zu schätzen.

Mitten im Set ein Szenenwechsel - „such an Umzug“, rollte die Australierin mit ihren Augen. Nun spielte, wisperte, sang sie am Klavier inmitten des Publikums, die Teelichter brannte, alles war feierlich still bis auf Klavier und Stimme.

Gibt es Schöneres? Ja. Vielleicht das abschließende Lied, das diesen grandiosen Abend zusammenfasste und auf den Punkt brachte, was zu tun ist, nicht an Feiertagen, sondern immer. „Take care of him“ - oder „her“, eben. Aufpassen aufeinander. Kat Frankie mit ihrem heilsamen Set an Livemusik aus Sanftmut machte es vor.

frl

Nicht bewertet

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Kommentare

"Internationaler Frauen(kampf)tag"???

Also wirklich. Wer, außer der Kommunistischen Linksjugend oder dem "Neuen Deutschland" nennt denn bitte diesen Tag so?
"Bayreuth, das merkt man bei etwas anspruchsvolleren Popkonzerten immer wieder, erlaubt eine Intimität im Bühnenraum, für die man dankbar sein muss. Etwas wie an diesem Abend aber ist selten, ein Geschenk. Die sichtlich berührten Zuschauer wussten es zu schätzen."

Män(n)liche Intimität und das scheinbare Fehlen von sichtlich berührten ZuschauerINNEN - da wurde der Kampf wohl verloren ...
Ich hab noch mal nachgesehen und bei Twitter den #frauenkampftag gefunden: ein 'Who's who' der von Steuermitteln lebenden Bevölkerungsschichten mit ehemaligen Bildungshintergrund.
Na bravo.
Zuschauerzahl??
Intim!!